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Über die Frage nach dem Sinn des Lebens sinniere ich zwar des Öfteren, das Ergebnis jedoch ist stets dasselbe: Beim Versuch, eine auch nur halbwegs zufriedenstellende Antwort zu generieren, scheitere ich regelmäßig kläglich.
Sinn im kleinen Rahmen selbst erzeugen
Den Sinn und Zweck meines Daseins nicht ergründen zu können, ist keineswegs gleichbedeutend damit, völlig orientierungslos durchs Leben zu irren. Selbstredend steckte ich mir Ziele, mache Pläne und versuche, meine Wünsche Realität werden zu lassen, was Sinn zumindest suggeriert.
So besteht eines meiner Hauptziele darin, maximale Freiheit und Unabhängigkeit von äußeren Zwängen (Geld, Ortsgebundenheit, Arbeitszeiten, ...) und Konventionen zu erlangen. Dafür zu kämpfen, erfüllt mich auch in schwierigen Zeiten immer wieder mit Hoffnung und Energie sowie mein Leben mit einem gewissen 'Sinn'.
Dem Verlangen meiner egoistischen Gene, sie in die nächste Generation zu transferieren, gab ich als stolzer Vater einer süßen kleinen Tochter mittlerweile ebenfalls nach. :)
Es ist also durchaus möglich (und sinnvoll), sich im kleinen Rahmen des eigenen Lebens einen vermeintlichen Sinn selbst zu erschaffen, sozusagen als Placebo, um sich glücklicher zu fühlen.
Der Sinn des 'Großen Ganzen'
Immer dann jedoch, wenn ich mich tiefer in das Thema hineindenke, muss ich mir eingestehen, beim Blick auf das Große Ganze, das Universum, die Evolution, ... keinen Sinn erfassen zu können. Das heißt nicht, dass es per Definition keinen gibt, sondern lediglich, dass - wenn es ihn gibt - ich ihn nicht zu erkennen vermag.
Die Evolution ist ein wahrlich faszinierender durch Mutation und Gen-Neukombination befeuerter Trial-And-Error-Mechanismus, welcher zu immer neuen, vielfältigen und fantastischen Lebensformen führt, aber er folgt keinem für die Wissenschaft erkennbaren Plan. Es existiert kein angestrebtes Ziel. In ferner Zukunft wird die Erde verglühen und mit ihr alle jemals auf ihr erzeugten Gene (und wenn sich Homo sapiens oder eine andere Spezies bis dahin ins weite All aufgemacht hat und dann eben irgendwann und irgendwo anders verglüht, dann ändert das nichts am nicht erkennbaren Sinn des Ganzen). :)
Die eigentliche Frage, warum das Universum (und damit alles Leben) überhaupt existiert, bleibt unbeantwortet. Als kleines Staubkorn innerhalb eines, nach meinen Maßstäben, unermesslichen Alls, bleibt es mir verwehrt, einen Blick von Außerhalb auf die Welt, das Universum, zu werfen. Als Teil des Systems kann ich nicht einfach zwecks Perspektivwechsels aus ihm ausbrechen.
Könnte Microsoft Windows (obwohl mir dieses OS zutiefst unsympathisch ist, darf es hier als Beispiel dienen) jemals verstehen, wer Bill Gates ist, und zu welchem Zweck es kreiert wurde?
Wäre ich gläubig, fiele mir die Antwort vermutlich leichter: Alles hätte einen Sinn, und zumindest Gott kennte ihn. :)
Mir sind bisher allerdings keinerlei Indizien bekannt, die für die Existenz einer solchen sinnstiftenden höheren Instanz - nennen wir sie Gott - sprechen. Und allein die Tatsache, eine Existenz Gottes nicht widerlegen zu können, ist nicht ausreichend, um im Umkehrschluss an ihn zu glauben. Glaubte ich an alle nicht widerlegbaren Vorstellungen, müsste ich beispielsweise auch fest von der Existenz um den Pluto kreisender rosaroter Elefanten überzeugt sein. :)
Um etwas ernsthaft in Erwägung ziehen zu können, sollten Beobachtungen, Berechnungen, Ergebnisse von Experimenten oder plausible Theorien vorliegen, welche die dafür nötige Basis darstellen ...
Ich bin übrigens dennoch kein Atheist, muss aber als Agnostiker die Frage nach 'Gott', und damit einem höheren Sinn, mit "Ich weiß es nicht!" beantworten.
Bonus: So könnte es gewesen sein! :)
Etwas nicht wissen zu können bietet jedoch jenseits jeglicher Wissenschaft den Vorteil, trefflich phantasieren und spekulieren zu dürfen, da ohnehin alle im Dunkeln tappen, und somit alle noch so abstrusen Hypothesen gleichberechtigt nebeneinander stehen. :)
Deshalb möchte ich zum Schluss zwei meiner Lieblings(schnaps)ideen dafür präsentieren, warum es das Universum und folglich auch uns, samt einem Sinn, geben könnte:
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Vielleicht ist 'Gott' in seiner Welt eine Art Biologe oder Physiker, der das Universum in der Hoffnung erschuf, unter der Voraussetzung passend gewählter biochemisch-physikalischer Bedingungen entstünde Leben, inklusive der von uns so genannten Evolution.
Wer weiß, vielleicht brauchte sein Chef 'Leben' dringend für weitergehende Experimente, so dass 'Gott' das Universum in ziemlicher Eile anfertigen musste, um seinen Job nicht zu verlieren (was auch erklärte, weshalb letztlich etwas so Unausgegorenes wie ein Homo sapiens dabei entstand)? Vielleicht befindet sich das noch unfertige Gotteswerk auch noch immer im selben Reagenzglas, in dem es, durch Hinzufügen der nötigen Wärmeenergiemenge von außen, den Urknall erlebte?
Wir wären dann die 'Ameisen' eines solchen 'Entomologen', der aufgrund unserer Nützlichkeit für seine Experimente für möglichst lebensfreundliche Umweltbedingungen in seinem 'Formicarium', z. B. hinsichtlich Vorhandenseins der nötigen biologischen Bausteine, Temperatur oder Energiequellen, zu sorgen bedacht wäre.
Auch die Insekten eines echten, menschlichen Entomologen finden eine angenehme Temperatur, genug Wasser und Nahrung vor. Sie könnten glauben, der sie versorgende Mensch sei ihr 'Gott'. Könnte aber dieser 'Gott' eine Ameise hören, wenn sie plötzlich auf die Idee käme, zu ihm zu beten? Würde unser Biologen-Gott uns hören ...? :) -
Was, wenn Gott einen noch sehr jungen Sohn hat, der ihn ständig von der Arbeit ablenkte oder einfach nicht in Ruhe Götterfußball gucken ließ? Glücklicherweise ist er Programmierer und löste das Problem, indem er ein Computerspiel, "das Universum" genannt, kreierte, mit dem sich sein Sohn nun immerwährend beschäftigt, Galaxien, Sonnensysteme und auch unsere Erde beobachtend. Ein geniales Feature dieses Games ist die "Evolution", die es dem faulen Programmierer erspart, immer wieder neue Kreaturen selbst zu erfinden. Nein, das geschieht automatisch, ganz von selbst, so dass es seinem Sohn niemals zu langweilig wird. Zusätzlich bietet es dem launischen Gotteskind die Möglichkeit, z. B. durch das Werfen von Kometen auf die Erde, Abläufe selbst zu beeinflussen, wovon die Dinosaurier ein Lied singen können ... :)
Einige der hier geäußerten Gedanken finden sich bereits in einem eigenen englischsprachigen Artikel bezüglich der Frage, ob der Affinität zu spirituellem Denken genetische Ursachen zugrunde liegen.