Nachdem ich bereits vor einiger Zeit darüber berichtet hatte, wie aufgeschlossen Länder wie z. B. Liechtenstein Kryptowährungen gegenüber stehen, wo beispielsweise Premierminister Adrian Hasler ausdrücklich das Joint Venture 'Binance LCX' begrüßte, beleuchte ich heute einen eher dunklen Ort, in dem Politiker schon mal von "Neuland" sprechen, wo andere das Potenzial von Zukunftstechnologien zu erkennen vermögen - ihr ahnt es schon, es geht um Deutschland, wo es bis heute aufgrund furchteinflößender bürokratischer Hürden nicht gelang, auch nur einen einzigen Bitcoin-Automaten aufzustellen.
Innovationsfeindliche, ahnungslose deutsche Politiker und apathische, desinteressierte Wähler verhindern den Fortschritt!
Fragt ihr euch auch des Öfteren, warum ein früheres Hochtechnologieland wie Deutschland in nahezu allen zukunftsträchtigen Technologiebereichen mittlerweile den Anschluss verloren hat?
Es spielt keine Rolle, ob wir nun über Computerchips oder andere Hard- und Software, Smartphones, Akkutechnologie oder die Produktion von Solarzellen sprechen, es herrscht gähnende Leere in nahezu allen Zukunftstechnologiebereichen. Zudem ist das Land nicht dazu in der Lage, eine leistungsfähige Infrastruktur aufzubauen (flächendeckendes schnelles Internet, frei zugängliches WLAN, ...) bzw. instand zu halten (Deutsche Bahn, ...).
Deutschland, es reicht nicht, für immer die besten Waschmaschinen der Welt herzustellen, es gilt, sich neuen Herausforderungen zu stellen!
Meiner Meinung nach trägt das derzeit an den Hebeln der Macht sitzende Politik-Personal (und damit natürlich auch, was nicht verschwiegen sei, der 'normale' Durchschnittsbürger, durch sein immer gleiches, uninspiriertes Schafswahlverhalten) ganz erheblich zu diesem Stillstand bei.
Aktuelles Beispiel: Finanzminister Olaf Scholz.
Anlass für diesen Artikel sind im Rahmen eines Bürgerdialogs geäußerte Ansichten von Olaf Scholz, SPD, über Kryptowährungen.
Ich finde es erschreckend, wie jemandem, der als Finanzminister(!) doch wenigstens über ein Mindestmaß an Ahnung von und Interesse an neuen Entwicklungen innerhalb seines Sektors aufweisen sollte, nichts bessers einfällt, als im Internet und sonstigen Medien verbreitete Plattitüden abzusondern, statt sich eine eigene fundierte Meinung zu diesem Zukunftsthema zu erarbeiten. Er gab sich wahrlich allergrößte Mühe, auch nicht ein einziges der Top-Klischees über Kryptowährungen auszulassen. Darüber hinaus gehendes Wissen über die Materie, ist - selbst in homöopathischen Dosen - leider nicht vorzufinden.
Bezüglich der Zukunftsperspektiven von Kryptowährungen gab sich der 'Experte' skeptisch:
Kein Klischee bleibt unbedient ...
"Ob das als Währungsmodell eine Perspektive hat, würde ich heute bezweifeln".
Wusste ich's doch, Kryptowährungen sind zum Scheitern verurteilt - ganz im Gegensatz natürlich zur von Erfolg zu Erfolg eilenden SPD ... ;-)
Über die kommenden 20 bis 30 Jahre wolle er nicht sprechen, aber derzeit ... Ja, das wäre ja auch wirklich zu viel verlangt von einem bodenständigen Politiker, sich Zukunftsvisionen hinzugeben. Beim Internet oder der Akkutechnologie kann man ja auch später immer noch einsteigen ... lasst doch erstmal die anderen machen ... warum also jetzt im Bereich der Blockchaintechnologie in Aktionismus verfallen?
Außerdem seien ja die Rechenkapazitäten so teuer und energieintensiv ... Ach, sind sie das? Und warum stört es ihn nicht, dass die Rechenzentren der traditionellen Banken mehr Strom verbrauchen als der 'böse' Bitcoin? (Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass es nicht nur Bitcoins gibt ...)
"Und die Gefahr ist groß, dass es so eine Tulpeninflation wird" ... Och nö, bitte nicht schon wieder. Scholz ist sich offensichtlich auch für diesen ausgelutschten Asbach Uralt-Vergleich nicht zu schade! Ist es denn wirklich sooo schwer zu verstehen, dass man mittels Tulpenzwiebeln keinen schnellen, günstigen, mittlerlosen und fälschungssicheren, weltumspannenden Zahlungsverkehr bewerkstelligen kann, es sich bei diesen Pflanzen also, anders als bei Kryptowährungen und Blockchaintechnologie, offensicht nicht um eine Zukunftstechnologie handelte?
Ich fürchte, da wurden ihm zu viele Nonsensartikel wie z. B. dieser von "finanzen.net" zugespielt, dessen Autor unter anderem schreibt: "Zwischen dem kommerziellen Tauschhandel mit Tulpenzwiebeln und der Blitzüberweisung per Bitcoin-Wallet liegen zwar mehrere Jahrhunderte, an der Psychologie des Marktes und der Unvernunft des Menschen hat sich jedoch nichts geändert." Ja, und an der Unfähigkeit des Menschen, Chancen zu erkennen, offenbar ebenfalls nichts (auch das Internet, das sie jetzt fleißig nutzen, um gegen digitale Währungen anzuschreiben, wurde anfangs von den Medien schlecht geredet).
Auch wenn ich hier kurz abschweife: Was "finanzen.net" da abliefert, ist wirklich unsäglich: Zunächst wird über die Tulpenzwiebeln und andere Spekulationsblasen philosophiert ("99,9-prozentiger Wertverlust"), um sodann zum kühnen Schluss zu gelangen, der "Bitcoin toppt alle historischen Blasen". Aha, da liegt dann wohl ein hunderprozentiger Wertverlust vor? Ohne weitere Worte ...
Wir sind aber noch nicht fertig, denn ein Totschlagargument fehlt noch ... ah, da isses schon: 'Terrorismus-Finanzierung, Geldwäsche oder andere Straftaten'. Brav, Herr Scholz, hast nichts vergessen. :-)
Wie gut, dass mit US-Dollars und Euros niemals illegale Geschäfte abgewickelt werden und niemals Fiatgeld im Rahmen dreckiger Waffendeals fließt, das wäre ja noch schöner ...
Tragisch übrigens, wie so viele Deutsche, die sich einerseits vehement für den Erhalt des Bargelds einsetzen, andererseits die 'bösen' Kryptowährungen aufgrund der Möglichkeit anonymen Zahlens ablehnen ...
Apropos Geldwäsche und anderer Straftaten, da bin ich mir ganz sicher, dass Scholz folgende Studien kennt:
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Im Gegensatz zu den Aussagen der verantwortlichen Politiker sowie zahlreichen Medienberichten kam eine kürzlich von Rémi Quirion für die kanadische Regierung durchgeführte Studie zu dem Ergebnis, dass der Bitcoin keineswegs in erster Linie ein Werkzeug für Geldwäsche oder andere kriminelle Aktivitäten ist.
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Innerhalb der letzten vier Jahre betrug der Anteil der mit illegalen Aktivitäten in Zusammenhang stehenden Bitcoin-Transaktionen (an allen betrachteten Bitcoin-Transaktionen) laut einer weiteren Studie der kanadischen Regierung (Bitcoin Laundering: An Analysis of Illicit Flows into Digital Currency Services) nur 0,61 Prozent.
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Hongkong sieht das ähnlich: Kryptowährungen kaum bei Straftaten genutzt.
Die kennt er doch, als Finanzexperte ...? Kennt er ganz sicher ... oder etwa doch nicht? :)
Chancen werden nicht erkannt und verstreichen ungenutzt.
Kamen in dem Bericht über den Bürgerdialog auch Worte wie "Chancen", "Innovationen", "faszinierende Möglichkeiten" vor? Habe ich nicht gründlich genug gelesen oder ging es tatsächlich ausschließlich um negative Aspekte?
Schlaf weiter, Deutschland, schlaf weiter, Scholz ...
P. S.: Mir geht es übrigens nicht darum, einen bestimmten Politiker bloßzustellen. Ich sehe Olaf Scholz vielmehr lediglich als einen Stellvertreter für viele seiner Art: von Lobbyisten (in diesem Fall Finanzexperten, Bankenvertreter, Medien, ...) beeinflusste Politiker, die Entscheidungen über Dinge treffen, von denen sie schlicht keine Ahnung haben und somit nicht dazu in der Lage sind, die Weichen im Land Richtung Zukunft zu stellen.