Bild von Pixabay
- Mai 1927, Erde, 1309 –01200 MEZ
Drei von ihnen machten sich auf den Weg zu den Maligs. Aufgrund ihrer enormen hierarchischen Bedeutung, fiel es ihnen schwer die Unterschiede der niederen Kulturen zu erkennen. Alle waren so erbärmlich einfach. Zuvor waren sie schon lange bei den Natal vorbeigeflogen, als sie Order bekamen ein Schlangenwesen namens Akrosim zu vernichten. Rozaks merkten sich ihren Weg mithilfe von Wegweisern wie Sträuchern, Bäumen, Schilder, Wurmlöcher, Galaxien und Größeres mehr. Deshalb war die Landstraße sehr schnell gefunden, auf der sie ein Schild mit 50 Meilen in der Stunde gesichtet hatten. Die Sonne schien auf diesem Planeten, und die Temperatur dürfte von den Wesen die hier lebten als sehr angenehm empfunden werden. Jetzt hatten sie keine Eile mehr, und flogen gemächlich der langen Straße entlang, die direkt zu einem Berg führte, indem die Höhle sein musste, in der sich Akrosim befand. Das blaue Leuchten, das ihnen letztes mal entgegenstrahlte war jetzt verschwunden. Die Rozaks beurteilten es als eine Fehleinschätzung, da dieses Licht kaum mehr Eindruck auf sie machen konnte. Es wurde also gefiltert. Sie schwebten hinein und fanden.... nichts. Absolut nichts. Es war vollkommen ruhig, nur ein paar Wassertropfen machten stetig pling, pling...pling. Für die Rozaks war es nicht das erste Mal das sie erstaunt waren, aber immerhin schon eine lange Zeit aus. Wenn man bedachte wie klein und unwichtig dieses Etwas von Akrosim war, wurde die Schande um so größer. Die Situation war kompliziert. Entweder sie waren falsch, oder Akrosim war bereits ausgerissen. Information zufolge, die sie von oberer Stelle hatte, bewegte sich die Schlange nicht von der Stelle. Genauer betrachtet konnte sie es nicht einmal, weil ein Kraftfeld sie festhielt. Also, wie und wohin soll dieses Vieh jetzt verschwunden sein? Aufmerksam bemerkten sie, als sich ein Fahrzeug die lange breite Landstraße näherte. Verdutzt sahen sie das primitive Vehikel an, welches eine Menge Schadstoff in die Luft pustete. Sie beobachteten einen Menschen der das Fahrzeug bediente. Er schien schon älter zu sein, denn sein Haar hatte bereits an Farbe verloren, und seine Haut wies weniger Straffheit auf. Neben ihm saß eine jüngere weibliche Person, bereits fähig zu gebären. Jedoch enthielt ihr Inneres keine Leibesfrucht. Akrosim war nicht ausgerissen, sie waren falsch. Als sie wieder aufwärts flogen, ließen sie die beiden Menschen zu Staub zerfallen. Etwas dass sie bei Razeh abgeschaut hatten, als er sein Spielzeug enorm schnell altern ließ. So schnell wollten es die Rozaks nicht vollstrecken. Immerhin sollte es ihnen auch ein klein wenig Spaß machen. Der Ältere wurde binnen
zwanzig Sekunden zu Staub. Die jüngere Frau, vielleicht seine Enkelin, sah ihm mit Entsetzen zu. Die Rozaks entschieden dem Schauspiel doch noch etwas Zeit zu widmen. Vor allem die junge Frau hatte es ihnen angetan. Ihr Schmerz hatte für die Rozaks etwas Wunderbares. Ihre eigene Alterung hatte bereits eingesetzt. Sie nahm keine Notiz davon. Wenige Sekunden
waren vergangen, als ihr Großvater starb, und der Wagen steuerlos die Straße entlang fuhr. Die Augen wurden zu schwarzen Höhlen, und sie nahm Modergeruch wahr. Das Fleisch setzte sich ab, als ob Abertausende von Maden und anderem Gewürm auf einmal an ihm nagen würden. Sie schienen so schnell zu sein, dass man sie nicht sehen konnte. Zurück blieb ein absurdes Bild. Ihr Großvater in Kleidung als Skelett, welches sie anlächelte. Endlich hatten ihre Sicherheitsmechanismen eingesetzt und sah erschrocken wieder auf die Rechte Seite zurück, wo sie in den Spiegel blickte, und eine alte Frau erkennen konnte. Der Gedanke, welcher versuchte sich zusammen zu spinnen war bereits zu spät. Sie war tot, bevor sie es verstehen konnte, dass bei ihr dasselbe vorging, wie bei ihrem Old Pa. Der Mund war offen, die Augen wurden ebenfalls zu schwarzen kleinen Löchern, als sie das Leben beendete. Nancy Martin verstarb im Alter von vierzehn Jahren. Todesursache: Schnelle Alterung durch
hyperextraterrestrischen Einfluss. Der Wagen fuhr weiter, bis er mit weniger als 20 Meilen in der Stunde an der rechten Wand zur Höhle auffuhr, in der Akrosim sich hätte befinden sollen. Der Spaß war vorbei, und die Rozaks begannen wieder weiterzufliegen. Nun wussten sie, dass sie zu weit unten waren. Einfacher ausgedrückt, noch weiter nach unten ging es nicht mehr. Die Menschen waren das letzte Gewürm, dass die Hierarchie aufzuweisen hatte. So gesehen gehörten sie gar nicht in die Hierarchie, genauso wenig wie Zamen oder Razeh, ihr Erfinder und Vater. Die Maligs besetzten die unterste Stufe des Komplexes. Irgendwo dort oben, gab es jemanden, der über all das hier herrschte. Langsam aber sicher wurde die Idee immer mehr fixiert, den gesamten Komplex zu zerstören. Sie hatten keine Ahnung, ob sie selber vernichtet werden würden. Es war unwichtig. Obwohl sie nichts mehr mit Razeh zu tun hatten, waren sie sicher, dass er stolz auf sie sein würde. Im Gegensatz zu Razeh hatte Zamen etwas vollkommen minderbemitteltes erschaffen. Sie erinnerten sich genau, wie naiv und verträumt
er sein Spielzeug angeblickt hatte. Bald würden sie wieder an ihm vorbeifliegen. Heraus aus Rihal, so wie er es nannte. Durch Rihals Barriere zum Schutz vor Störern. Vorbei an Zamen, der sie gar nicht ansah, weil er sie nicht bemerkte. Wahrscheinlich lächelte er noch immer. Sie hatten recht. Er grinste und freute sich wie ein kleines Kind, dass sich sein bestes Spielzeug selber gebastelt hatte. Blaues Prismaförmiges Etwas, dass jetzt keine Bedeutung mehr für sie hatte. Egal wie ehrlich diese Freude wirkte, für die Rozaks war es schwachsinnige Träumerei. Es dauerte nicht lange, und sie waren bei den Maligs angelangt.
Die Suche nach der Straße war schnell beendet. Am Ende sahen sie bereits blaues Licht glühen. Als sie einschwebten, sahen sie Akrosim. Die Schlange wirkte verwirrt. Tentakel fuchtelten wild herum. Der Körper am Boden bewegte sich keinen Zentimeter. Die Rozaks erinnerten sich. Die Natal hatten ihn wegen etwas hierher verdammt. Angeblich war er Schuld
daran, dass seine Rasse fast ausgestorben war. Eigentlich zu schade, so ein Wesen zu vernichten. Doch was sein musste, musste eben sein. Mit Freuden sahen sie, wie Akrosim versuchte sich aus seinem Gefängnis zu befreien. Er konnte sich keinen Deut vom Fleck bewegen. Ein Art Kraftfeld hielt ihn am Boden fest. Der Oberkörper streckte sich Richtung Höhlenausgang. Die Tentakeln unternahmen eine Art Schwimmbewegung um den Körper bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Es war dumm, von seinen Gefängniswärtern, ihn hier ‚festzunageln’. Akrosim war der einzige der zumindest Teilweise über ihr Vorhaben bescheid wusste. Ein Wunder eigentlich, wenn man bedachte, dass er hier versauerte. Das lange Alleinsein, könnte ein Grund sein. Er hatte die ganze Zeit viel Zeit zum Nachdenken gehabt, konnte Razehs Machenschaften spüren, und dann zwei und zwei zusammenzählen. Die Rozak erhöhten seine Kraft und lenkten sie in sein Inneres. Er implodierte leise in seinem eigenen Blauen Licht. Zurück blieb wieder Staub. Die Rozaks wunderten sich, wie ident alle Wesen verenden konnten. Wenn sie fertig sind, wird es soviel Staub geben, dass Zamens Universum voller Staub sein würde.
- September 2007, Erde, 0916 –0100 MEZ
Frank Matris war es eindeutig leid hier zu verweilen. Das Krankenhaus hier war zwar nicht so übel, aber er war bereits verdrossen genug um jetzt endlich zu gehen. Der Einlauf machte ihm jetzt zwar weit weniger aus als früher, trotzdem hasste er die hässliche, fette und unzufriedene Krankenschwester, die anscheinend Freude daran hatte ihre Hände in seinen Allerwertesten zu stecken. Unwillkürlich schüttelte es Frank bei dieser Vorstellung. Seine paar Habseligkeiten waren sauber geschlichtet in einem Schrank verstaut. Er entnahm sie dort und zog sich zum ersten mal nach Monaten wieder ‚Zivilkleidung’ an. Er sah in den Spiegel und fand, dass er gut darin aussah. Das Gefühl das er nicht allein dort drinnen war, erschauerte ihn ein zweites Mal nach der Krankenschwester. Das Erstere war weit weniger unangenehm und erzeugte
weit weniger Panik in ihm. Frank wusste nicht wie oft er das bereits getan hatte und drehte sich um. Hinter ihm war niemand. Die alte Frau Mutter Theresa wurde seit Ewigkeiten in eine andere Station verlegt. Sie konnte auch bereits verstorben sein. Er wusste es nicht, ihm erzählte man nichts. Als er die Schuhe zuband, empfand er ein Gefühl der Erleichterung. Bald
würde er hier raus sein. Ein kurzer Blick in die Brieftasche ließ ihn aufatmen. Es befanden sich noch fünfzig Euro darin. Zwar würde er damit nicht sehr weit springen, für einen Anfang würde es allemal reichen. Wie lange es wohl noch diese Währung geben würde. Es gab zwei verschiedene neue Anwärter. Die eine war dafür die alte Deutsche Mark wieder einzuführen,
die andere hätte es gerne gesehen, wenn es weltweit nur mehr eine einzige Währung gäbe. Er steckte sein ?Portmonat? Wieder in die hintere linke Hosentasche und stand auf. Es war seltsam wieder auf Straßenschuhen zu stehen. Die dünnen kalten Hausschuhe waren viel leichter. Als er im Zimmer ein paar Schritte unternahm kam er sich vor wie ein Riese der auf
einer Tanzfläche donnerte. Er ging aus dem Zimmer heraus. Die Nummer würde er auch nicht so schnell vergessen können. Zi. 2/314. Alleine schon deshalb, weil sie ihn an PI erinnerte. Er ging vorsichtig den Gang entlang. Richtung einer Glastür auf der sich der Schriftzug EXIT befand. Sein Auftreten am grauen Fliesenboden kam ihm nun weit weniger gigantisch vor. Er
war dabei wieder ein Mann der Gesellschaft zu werden. Eine Pflegehelferin sah ihm verwundert nach. Weiter vorne sprach eine ausgediente Krankenschwester mit einem Arzt. Er lutschte an einem blauen Kugelschreiber und blickte auf seine Notizen. Als Frank vorbeiging, zupfte sie ihn am Ärmel. Der Arzt sah auf. „Wo wollen sie denn hin, Herr Matris?“ Frank
überlegte nicht lange. „Raus!“ meinte er kurz angebunden und ging weiter. „Das können sie nicht tun, sie sind sehr krank“ schob der Arzt ein. „Ach, und warum werde ich darüber nicht informiert?“ erkundigte sich Frank. „Sie werden informiert, sobald oder sofern wir das als erachtlich halten, Herr Matris.“ Frank setzte seine Schritte fort. Es fiel ihm nicht mehr schwer
zu gehen mit seien Schuhen. Es reichte nun endgültig. Die Krankenschwester schrie ihm noch ein „HEY“!! nach, dann hörte er eilige Schritte hinter sich. Frank nahm es zum Anlass selbst schneller zu gehen. Als er die Schritte immer näher wahrnahm, fing er an zu laufen. Kurz nachdem er durch die Glastür krachte, kurz danach bevor sich seine Arme sicherheitshalber
ausgestreckt hatten um sie zu öffnen, sah er dass die rote Lampe leuchtete die bedeute dass es kein Entrinnen aus dieser Station gab. Für einen Moment blieb Frank stehen und sah den Arzt, der verärgert wieder den Knopf drückte um die Tür zu entriegeln. Frank drehte sich wieder um lief weiter. Vor ihm war der Aufzug. Er war im selben Stockwerk. Es dauerte ihm zu lang, die ewigen Sekunden zu warten bis der Aufzug sich öffnete. Frank machte einen Satz auf die ersten Stufe der Stiege. Als er die ersten paar Stufen mit Höllentempo genommen hatte, hörte er wie sich die Glastür einige Meter hinter ihm mit einem berstenden Lärm öffnete. Er legte einen Zahn zu und hechtete nach unten. Als er im Erdgeschoss angekommen war, standen dort bereits ein Dutzend Wachleute um ihn zu empfangen. Die große Schiebetür die in die Freiheit führte, war mit Sicherheit jetzt auch verschlossen worden. Frank rannte zurück, vorbei an der ambulanten Aufnahme, hinein in ein Zimmer für Personen die doch länger bleiben mussten als sie vermuteten. Dort öffnete er ein Fenster und sprang zwei Meter in die Tiefe ins Gras. Der rechte Fuß begann sofort zu schmerzen. Kein Schmerz. Dachte Frank, und befand dass er sehr wohl in der Lage sein würde weiterzulaufen. Er humpelte die Krankenhausstraße entlang, fast kein Mensch nahm Notiz von ihm. Einige hielten ihn vielleicht als eine Art Asozialer, der von einem anderen Gauner verfolgt wurde. Diese Gauner verfolgten ihn mit weißen und
blauen uniformen Anzügen. In der Beskatstraße bog er ein, und öffnete die erste Haustüre die ihm entgegenkam. Es war ein mehrstöckiger Koloss und Frank humpelte nach oben, obwohl ein Lift vorhanden war, er könnte Aufschluss geben wo er sich befand.
Das Sein störte sie immer mehr. Ihr eigenes und das der anderen. Überall wohin sie kamen, sahen sie zuerst Perfektion und Weiterentwicklung. Kurz darauf wurde es Unvollkommenheit, danach Rückstand, später Hass. Das einzige, das die Rozaks davon abhielt sich selbst zu vernichten, war die Erkenntnis, dass sie sich tatsächlich weiterentwickelten. Wie sonst hätten sie es sonst schaffen sollen soweit aufwärts zu kommen. Perfektionismus war und ist eine unendliche Komponente, eher mehr. Sie wurde nie erreicht, konnte nur angestrebt werden. Die Unendlichkeit hatte zumindest eine mathematische Komponente. Sie endete am Anfang auf einer Geraden, oder umgekehrt. Perfektionismus bot wesentlich mehr. Sie konnten alles wissen, jede Gefahr erkennen, eine Absolutheit über alles besitzen, irgendetwas würde es immer geben, dass sie noch nicht erfasst hatten. Die Unendlichkeit anzustreben war leichter als Perfektion zu erlangen. Alleine bei Rihal war es ersichtlich. Ihre Unendlichkeit bestand aus einer Art Gefäß. Diese Wesen fassen ihre Unendlichkeit nur als einen Teil ihrer Wahrnehmung auf. Trotzdem versuchen sie nicht das Einfachere zu erklimmen. Sie suchen ebenfalls die Perfektion, obwohl es unmöglich war ihr Nahe zu sein. Ihre absurden Kriege waren alleine schon Beweis genug für ihre Unvollkommenheit. Kriege die meist aus
Machtgier entstanden, oder dem Irrtum einem einzigen Menschen zuviel Refugium bereitzustellen. Kriege über Religionen spotteten den Rozaks nach jeder Beschreibung. Jeder will Gewissheit besitzen, keiner hat sie tatsächlich. Einige behaupten es, andere laufen nach. Letztendlich wird Rihal nach seinem eigenen Sinn für Perfektion und Weiterentwicklung in
sich selbst scheitern, denn für sie war sie unerreichbarer wie für jede andere Hierarchie. Die einzigen die vielleicht eine kleine Chance hatten sich selbst zu verwirklichen waren die Manil in Rihal. Menschen würden es als Schicksal erklären. Vielleicht war es das sogar, zumindest für Rihal. Schicksal sollte immer Weiterentwicklung bedeuten, man selbst oder
andere sollten aus Fehlern lernen. Ein Trug. Manchmal ist das Schicksal auch Absolut, und lässt nichts oder niemanden mehr über. So gesehen, war das Schicksal eine Urform des Perfektionismus, allerdings ein sehr unzuverlässiger Partner.
Bei den Maligs herrschte Chaos. Seit kurzem war bekannt geworden, dass Akrosim nicht mehr erreichbar war. Die Schaltzentrale hatte ihn mehrmals kontaktiert, doch es kam keine Antwort zurück. Er war nicht verstorben, sowie sie es erwartet hätten, sondern lag als ein Häufchen Staub am Boden seiner Höhle. Seine eigene Energie hatte ihn zerstört. Zuerst
spekulierte man, dass es eine Art von Selbstmord gewesen sein könnte, danach widerlegte man diesen Gedanken, da Akrosim unfähig gewesen wäre, die eigene Energie so gebündelt in sich selbst eindringen zu lassen. Es musste sich um eine fremde Macht handeln, den es waren für die Maligs keine erkennbaren Spuren zu erkennen. Sofort wurde im ‚Saal der Weisen
Nachfahren’ beraten. Man fand keine Antworten und entschied sich dafür einfach abzuwarten, immerhin war die Gefahr noch sehr weit weg. Etwas Unbekanntes war nicht Zwangweise immer gefährlich.
- September 2007, Erde, 0918 –0100 MEZ
Frank war vollkommen außer Atem, als er im zwölften Stock ankam, setzte sich auf eine Stiege, und blickte nach oben. Er sah weitere Stufen. Keuchend ging er weiter aufwärts. Vor ihm offenbarte sich eine große graue Metalltür. Frank drückte die Klinke hinunter und sie ging tatsächlich unter lauten quietschen auf. Es muss der Dachboden sein, fiel ihm ein. Womöglich kann ich hier kurz ausharren, vielleicht auch länger bleiben. Wenn ich mir Kleinigkeiten aus einem Geschäft in der Nähe besorge, könnte ich sogar eine Zeitlang überleben. Vorausgesetzt die Geschäfte hier in der Gegend werden jetzt nicht alle wegen mir überwacht. Außerdem kann das keine Dauerlösung sein. Weiter hinten sah Frank einen alten Schaukelstuhl stehen. Mit Sicherheit ein Erbstück, dass hier irgendeine Familie verrotten ließ. Er ging darauf zu. Der alte Holzboden knarrte laut. Er schien ihm mitzuteilen: [Auch wenn du ruhig bist, ich kann dich verraten, also behandle mich anständig]. Frank nahm darauf bedacht, und ging sehr vorsichtig zu seiner Sitzgelegenheit. Er setzte sich langsam, und sofort machte sich der Boden wieder bemerkbar. Erschrocken stand Frank auf. Er wollte auf diesem Stuhl sitzen. Ein dummer Boden sollte ihn davon nicht aufhalten. Er ging vorsichtig weiter, um eine Stelle auszumachen, an der der Boden weniger lädiert war. In der Nähe von zwei
verrosteten Fahrrädern fand er eine solche. Er belastete den auserkorenen Fleck mehrmals mit seinem gesamten Gewicht. Der Boden blieb ruhig. Jetzt ging es nur noch darum, wie er den Schaukelstuhl am besten transportieren sollte. Frank entschied sich für eine schnelle Methode. Vorsichtig ging er wieder zum Schaukelstuhl zurück, und hob ihn an. Erstaunlicherweise war er gar nicht so schwer, wie er gedacht hatte. Mit ein paar großen Schritten ging er zurück wo
die zwei Fahrräder standen. Der Boden trug seinen Teil dazu bei. Frank stellte den Stuhl ab und lauschte. Unter ihm war nichts verdächtiges zu hören. Vielleicht waren die Mieter unter ihm gar nicht zu Hause. Fast erleichtert setzte er sich, und der Boden gab wirklich keinen Muck von sich, auch der Schaukelstuhl verhielt sich ruhig. Tolle Sache! Frank begann langsam hin und herzuschaukeln. Es machte Spaß, und es war trotzdem noch leise. Endlich war Zeit zum beruhigen gekommen. Er atmete mehrmals tief ein und aus. Welch eine Wohltat. Vielerlei ging ihm gerade durch den Kopf. Wohin sollte er jetzt gehen? Seine
Familie hatte ihn quasi ausgestoßen. Ein Versager wie er dürfte nicht unter ihresgleichen weilen. Der Neue von Elena, seiner Frau, keine Ahnung wie der Typ hieß, würde ihn wahrscheinlich aus dem Haus prügeln. Sie würde ihn nicht anfeuern dabei, jedoch auch nichts dagegen unternehmen. Sie sah es bestimmt als das gerechte Urteil an, denn sie bemühte sich
redlich mit der Gesellschaft Schritt zu halten. Was wäre das Ergebnis? Er würde wieder im Krankenhaus landen, und die Ärzte ließen ihn bestimmt keinen Meter bewegen, ohne dafür Rechenschaft abzulegen. Frank stellte sich kurz militärische Wachposten vor, die sich vor seiner Tür postierten. Eigenartig, normalerweise sind die Typen da um Personen zu beschützen in Krankenhäusern, wie VIP’S, nicht um sie festzuhalten. Nun ja, ich bin eben kein VIP. Vielleicht stell ich eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit da. Verdammt, ich hätte fragen sollen. Aber wie hätte das wohl ausgesehen? Frank: „ Herr Doktor, stell ich eine Gefährdung für die öffentliche Sicherheit dar?“ Arzt: „Nein, Nein – Machen sie sich keine Sorge wir haben alles unter Kontrolle“ Hinter mir würde sich eine Krankenschwester mit einer Beruhigungsspritze oder irgendeinem Narkotikum bewaffnen. Nein, es wäre absolut dämlich gewesen zu fragen. Beweise? Ich brauche keine Beweise. Intuitiv wusste er, dass er
richtig gehandelt hatte. Außerdem, warum liefen sie mir nach, die halbe Belegschaft? Na, also! Nach einiger Zeit stand er auf und ging zur Tür. Dass der Boden sich beschwerte, regte ihn nicht weiter auf. Diesmal nahm er den Lift. Unten angekommen, suchte er das nächste Lebensmittelgeschäft auf und kaufte sich seit langem eine richtige Mahlzeit.