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[für die Kinder > macht das nicht nach. Für die Erwachsenen, ihr könnt selbst denken]
Mir fällt auch auf, dass mir deutlich mein Wissen von heute fehlt
Nochwas, 2007 war für das Buch damals noch Zukunft.
Deutschland hatte eine Bevölkerung die korrekt war, eine die sich niemals gegen den Staat auflehnt.
anscheinend hatte ich damals diesen Eindruck auch schon, irgendwie interessant.
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September 2007, Erde MEZ 16:25 –1200
In Anbetracht dessen, dass sie nackt war, und durch Gegenstände durchgreifen konnte, fühlte sie sich gut. Eigentlich viel zu gut, sie fühlte überhaupt nichts. Obwohl sie es nicht wahrhaben wollte, drang die Wahrheit immer weiter in sie ein. Sie war tot. Die beiden Toten waren ihr Großvater und sie selbst. Sein Skelett lachte sie noch immer an, schien ihren Verdacht zu bestätigen. Im Rückschritt entfernte sie sich vom roten Ford, und wurde dabei immer schneller. Als sie das Gefühl hatte, sie könnte bald über ihre eigenen Füße stolpern drehte sie sich um. Sie hatte keinen Staub aufgewirbelt. Er lag noch immer völlig unberührt unter ihr. Jetzt fiel ihr erst auf, dass sie nicht einmal Fußabdrücke hinterließ. Sie ging wieder weiter, diesmal vorwärts. Was für ein Schwachsinn, Nancy, du bist tot. Warum solltest du Fußabdrücke hinterlassen? Weil du immer deine Extrawürstchen haben musstest! Vor Gott sind alle Menschen gleich, selbst du Ms. Martin. Sieh es endlich ein, aus dieser Situation könnte dich nicht einmal Pops rausholen. Eigentlich sollte ich traurig sein, vielleicht sogar weinen, aber mir ist nicht danach. Wahrscheinlich würde es sowieso nicht funktionieren, außer Seelen (wenn sie so etwas war) würden in den Wolken hausen und uns,- Verzeihung, denen-, Regen bescheren. Nancy stand für einen Moment still, und überlegte ob sie diesen Gedankengang wirklich fortsetzten sollte. Sie entschied sich dagegen. Grund für Poesie war hier nicht angebracht. Sie brauchte Fakten, nur harte Fakten. Und wo waren überhaupt die ganzen anderen? Sie konnte unmöglich die einzige in diesem Zustand sein. Es musste noch mehr von ihrer Sorte geben. Wo sind sie alle hin? Ich glaube nicht dass sie alle in der Kirche sind. Nancy erschrak vor sich selbst. War das ein Hauch von Blasphemie? Ms. Martin die so gottesfürchtig war, machte einen Witz für den ihr früher bestimmt der Hintern versohlt worden wäre. Die Schläge von Grandpa taten immer schrecklich weh. Sie hätte ihn Anzeigen können, Kinderzüchtigung war auch in Ohio, seit langem eine Straftat, doch sie wollte die Familie nicht auseinanderbringen. Außerdem fuhr Pops meist dazwischen, und sie kam ohne Schläge davon. Allem Anschein nach, macht es nichts aus, ein klein wenig zu lästern, immerhin hat mich noch nicht der Blitz getroffen. Schuldbewusst zuckte sie zusammen. Nichts geschah. Das hab ich mir doch gleich gedacht! Von wegen ‚Gottes Rache wird fürchterlich sein’ Erschlag mich doch, wenn du kannst! Schrie sie, und hörte ihre eigene Stimme nicht. Es war nicht weiter verwunderlich, trotzdem fand sie es sonderbar, und kam zu dem Schluss, dass sie sich in nächster Zeit vielleicht noch mehr wundern würde. Kein Wunder, sie war tot, und lebte trotzdem...irgendwie. Wo sind jetzt die anderen? Im Himmel? Blödsinn, dann wäre ich auch längst aufgestiegen, oder? Oder nicht? Die Hölle will mich auch nicht, wie es scheint. Es ist kein Schlund zu sehen, und nichts zieht mich hinab. Also, wo sind sie all die anderen? Es müssten in der Zwischenzeit schon Milliarden sein, die kann nicht alle der Erdboden verschlungen haben. Oh Pardon, da wären dann ja alle in der Hölle. Welche Ironie des Sprichwortes. Wenn mich Grandpa jetzt so reden hören würde, entweder er wäre stolz auf mich, oder er würde mir wieder das Hinterteil versohlen wollen. Er ist nicht da. Er ist nicht da? Er ist doch nur ein paar Sekunden vor mir ‚verstorben’. Was war das überhaupt. Diese Todesart ist mir gar nicht bekannt. Es war so, als würde er irrsinnig schnell altern. Ich sah wie sich seine Augen zersetzten, und wie er begann sich zu zersetzen. Normalerweise würde so ein Vorgang mehr als fünfzig Jahre dauern. Als ich in den Spiegel sah – der Spiegel ein Schauer überkam sie. Ich war uralt. Ich sollte erst vierzehn sein. Sie sah noch einmal auf sich herab, und fühlte sich bestätigt. Sie war noch immer vollkommen unbekleidet, und sie erkannte erste feine Wölbungen am Oberkörper. Früher hatte sie immer einige Minuten vor dem Spiegel verbracht, um zu sehen, ob ihre Brüste wieder gewachsen waren. Es wäre ihr furchtbar peinlich gewesen, hätte sie in dieser Situation jemand erwischt. Jetzt empfand sie es allerdings nicht als beschämend. Ja, ich bin vierzehn, und wenn ich das alles überstehen sollte, habe ich in der Schule jede Menge zu erzählen. Ach, lass es Nancy, du weißt ganz genau, dass es kein Zurück mehr gibt. Niemals, das Spiel ist aus, du hast ausgehaucht. Kapier es endlich. Finito. Es ist vorbei, du bist tot, siehst das Gras von unten, bist dem Sensenmann begegnet. Jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt um zu heulen. Es geschah nichts dergleichen, ihre Augen blieben trocken. Weiter vorne sah sie jemanden auf sie zukommen. Ob er sie sehen konnte? Nancy begann wieder zu laufen, machte vorher noch einen Blick zurück zum Fahrzeug, welcher bereits einige hundert Meter hinter ihr lag, und kaum mehr zu erkennen war. Um so näher sie diesem Jemanden kam, desto mehr war sie überzeugt davon, dass sie ihn kannte. Es war ein Mann, wirkte bereits von der Ferne vertraut und er war auch nackt. Ein Verdacht erwachte, und sollte sich bereits in Kürze bestätigen. Fünfzig Meter vor dem zusammentreffen, erkannte sie Grandpa. Je geringer die Entfernung wurde, fielen ihr immer mehr Unterschiede auf. Er wirkte wieder viel jünger, vielleicht ende Zwanzig. Die letzten dreißig Meter begannen alle beide wie auf Befehl zu laufen. Sie rammte ihn um, und war glücklich.
- September, Erde MEZ –100 10:30
Frank hatte sich eine Haube besorgt, nicht weil es schon kalt war, sondern weil er in der Bank unerkannt bleiben wollte. Mit einem Messer, welches er in dem Dachboden gefunden hatte, wo er gerade ‚wohnte’, schnitt er aus der überdimensionalen Mütze zwei Löcher in seiner Augenhöhe. Frank betrachtete das Kunstwerk und war stolz. Er konnte also doch etwas, auch wenn es zu etwas führte das nicht erlaubt war. Der Zweck heiligt die Mittel, dachte er und setzte sie auf. Am Dachboden gab es genügend Spiegeln, und er sah sich selbst etwas verwundert im Spiegel. Du bist vermummt wie ein richtiger Verbrecher, Frankie. Los zieh, schon. Wo hast du deine Waffe? Junge, du willst doch nicht unbewaffnet eine Bank überfallen, oder? Wie wär’s mit einem Messer? Frank zog das kleine rote Schweizer Taschenmesser wieder aus der Hosentasche. Ich hab nichts anderes bedauerte er sich. Es geht eben nicht anders, an eine andere Waffe komme ich sicher nicht so auf die Schnelle. Ich bin mir sicher, es wird gute Dienste leisten, ich hab nichts zu verlieren. Sieh einfach zu, dass du alles so schnell wie möglich machst. Keine höflichen Floskeln, keine Entschuldigungen. Du machst einen Banküberfall und kein dämliches Kaffeekränzchen. Reingehen, “Das ist ein Überfall!“ schreien, das Messer einem Kassierer an die Kehle halten und abkassieren. Verschwende nicht so viel Zeit, nimm lieber weniger, als dass sie dich zu fassen bekommen.
Ja, sei lieber vorsichtig. Lieber auf Nummer Sicher gehen, als danach ein langes Gesicht zu ziehen. Am besten ist, du überlegst einfach nicht zu lange, bei dem was du tust. Mach es einfach. Frank stand auf, und atmete noch einmal tief durch. Es gab kein Zurück, und er wusste es. Die Türe leise aufzumachen, hatte er sich bereits abgewöhnt. Sie knarrte peinlich laut. Kein Mensch nahm Notiz von ihm. Wenn er genügend Kohle hatte, würde er irgendwo anders untertauchen. Irgendwo, wo ihn niemand kannte, und keiner nachstellte. Frank nahm den Lift nach unten. Innerhalb einer Minute stand er auf der Straße, und musste sich eingestehen, dass er keine Ahnung hatte, wo sich eine Bank befand. Du bist ein Schwachkopf, Frank. Willst eine Bank ausrauben, und weißt nicht wo eine ist. Ich sage dir, das wird nie und nimmer etwas werden, so schusselig wie du bist. Frank hasste diese Stimme und verdrängte sie. Dies war seine Heimat seit etlichen Jahren und er hatte keine Ahnung wo er eine Bank finden konnte. Gott sei dank, wusste er wo sich die U-Bahn befand. Er ging die Beskatstraße hinauf zum Karl-Straußplatz. Dort wurde er auch fündig. Eine der neuen GEWAG Banken stand auffordernd in einer Reihe anderer Häuser. Frank versuchte nicht aufgeregt zu sein, doch das Herz schien ihm bis zum Hals zu pochen. Er fühlte den Pulsschlag genau am Adamsapfel, und atmete noch einmal tief durch. Er nahm die Mütze in die Hand die er in der Jacke versteckt hatte, und setzte sie direkt vor der Türe auf. Es ging los.
Frank stürmte in die Bank und kein Mensch nahm ihn wahr. Er stieß eine Kundschaft vor einem Schalter beiseite, und zog dem Kassierer mit der Krawatte zum Sicherheitsfenster, wo er sofort mit dem Kopf dagegen knallte. Frank hatte das Messer bereit, und hielt es ihm unter die Kehle. „Sei schön, brav und dir wird nichts passieren“, sagte er vollkommen ruhig. Sein Herzschlag hatte wohl schon die hundertsechzig Grenze erreicht. Nur weiter Frank, es geht nur dich und ihn und die Kamera etwas an. Es hat nur gepoltert, und eine Kundschaft könnte sich vielleicht beschweren. Frank nahm die Krawatte etwas weiter hinten, sodass der Kassierer, der den Namen ‚Maier’ am Schild aufwies gerade bis zu seiner Schublade kam.
Etwas weiter links sah er einen roten Knopf, und wusste dass es sich um den Alarm handeln musste. Deutlich zog er den Kassierer nach rechts und er schien zu verstehen. Herr Maier wurde sogar etwas ruhiger, als er verstand, dass es keinen Sinn hatte etwas falsches zu unternehmen. Franks Augen blitzten, und Maier wusste dass es ihm egal sein würde, ob er es überlebte oder nicht. Die Krawatte würde ihn sofort wieder ans Messer liefern. Seit neuestem hatten die Banken auch die Eigenschaft Trennwände zwischen den Bankiers zu installieren, weil sie der Meinung waren, das Bankgeheimnis dürfte auch nicht von fremden Kassierern gesehen, oder ausgenutzt werden. Ein Vorteil den Frank voll zu nutzen versuchte. So sah sein Überfall aus, als ob er ein sehr intimes Gespräch mit dem Bankier führen würde. Er öffnete die Lade und Frank gab ihm einen Plastiksack, den er von einem Fleischer mitgenommen hatte. Er kannte ihn gut, und deshalb wusste er, dass er noch immer darauf verzichtete seinen Namen darauf zu etikettieren. Herr Maier legte hastig einige Bündeln Geld in den Sack. Frank konnte nicht genau sehen, wie viel, oder welche Scheine es waren, aber es musste reichen. Nach etwa zwanzig Sekunden riss er ihm den Plastiksack aus der Hand und stürmte los. Kaum war er zwei Meter vom Kassierer entfernt fing dieser zu schreien an. Einige Kassierer blickten argwöhnisch in seine Richtung, als wollten sie ihn ermahnen die heilige Stille zu bewahren. Frank setzte die Mütze ab und warf gerade die Tür auf, als eine ohrenbetäubende Alarmglocke sein Trommelfell zu zerreißen schien. Einige Passanten starrten ihn an, doch keiner unternahm etwas. Frank begann zu laufen und hastete in eine U-Bahnstation. Immer wieder hatte er sich umgedreht um zu sehen ob er verfolgt wurde. Ganz ausschließen wollte er es nicht. Er nahm die erste U-Bahn, die binnen weniger Sekunden eingetroffen war und verabschiedete sich leise von seiner Dachbodenheimat. Kein Sonderkommando, geschweige denn nur ein Polizist hielt den Zug an. Erst nach der dritten Station, gestattete er sich einen Sitz zu nehmen, und auszuruhen. Der Puls wurde wieder gleichmäßig und es hatte den Anschein, dass alles seine vollkommene Ordnung hätte. Nur der Druck auf seinem Oberkörper erinnerte ihn daran, was er gerade getan hatte. Frank traute sich nicht zu tasten. Er hatte Angst, dass ihn das Plastikgeräusch in irgendeiner Weise verraten könnte. Er war neugierig, aber konnte sich beherrschen den Plastiksack herauszunehmen. Er blieb einfach ruhig sitzen. Zentral im Wagon befand sich ein Fernseher. Das Programm unterbrach gerade die laufende Sendung um seinen Banküberfall zu melden. Seine Personenbeschreibung empfand er mehr als nur stark übertrieben. Männlich, etwa 1,85 Meter groß, muskulös, gewaltbereit. Seine Jacke wurde plötzlich dunkelblau anstelle schwarz. Viele dürften diese Sendung in der U-Bahn mitverfolgt haben, doch keinem interessierte es wirklich. Frank war schon kurz davor seinen Nachbarn anzureden, und über den Bankräuber zu schimpfen. Aus Sicherheit ließ er es. Kein unnötiges Risiko eingehen, mein Junge.
Kapitel 5
Die Kzorgs waren es leid zu warten. Der bewohnbare Planet im Doppelsternsystem ermunterte sie zwar darauf zu warten, aber nach Eimerweisen Flüssigkeitsverlust durch sabbern wurden sie dieses überdrüssig, und begannen zu zanken. Die kleinen Fechtereien endeten des öfteren mit einem Todesfall. Kein Problem, Nahrung wurde immer benötigt. Die Gelehrten mahnten zur Ruhe, und diese herrschte auch bald wieder, denn keiner wollte von ihnen verspeist werden. In der Zwischenzeit hatten sie bereits das Privileg starke kampferprobte Kzorgs auszuwählen, die statt ihnen in die Arena stiegen. Der Sieg galt dem Gelehrten, und der Kampfprotz durfte auch seinen Teil davon haben, meist den fettigen Teil auf den er sich genüsslich stürzte, denn Rozaks Manipulationen, die sie ohne ihr Wissen waren, hatten sich für eine gesündere Ernährung entschieden. Menschen würden wahrscheinlich die Metapher ‚sie hat der Teufel geritten’ verwenden. Die Kzorgs bewunderten ihre Gelehrten und ihre absolute Loyalität war ihnen sicher. Keiner wagte es ihre Autorität in Frage zu stellen. Die Aussicht darauf bald wieder auf festem Boden zu stehen beruhigte die grünen Reptilien wieder einigermaßen.
- September 2007, Erde MEZ 16:25 –1200
Nancy umarmte ihren Großvater noch immer, und das am Boden. Früher hätte er so etwas nicht geduldet. Doch die Lage war hier anders und duldete eine gewisse Ausnahme. Dass er auch nackt war störte sie keineswegs, sie empfand es als natürlich. Irgendwie eigenartig, früher wäre ich davongelaufen wenn ich sein Geschlechtsteil gesehen hätte. Und ihm wäre es peinlich gewesen. Wahrscheinlich hätten wir beide um Verzeihung gebetet. „Wo warst du, Grandpa?“ und sie hatte diesen unschuldigen Kinderblick dem kein Erwachsener je widerstehen konnte. „Ich hab mich umgesehen, vielleicht war ich ein paar Tage weg. Woher sollte ich wissen, dass du genau zu diesem Tag stirbst?“ „Du hast es gesehen?“ Nancys Glanz in den Augen verschwand. “Alles!“ sagte ihr Grandpa. „Du wurdest neben mir alt und konntest dich nicht bewegen! Ich warte schon fast achtzig Jahre auf dich! Du hast mich permanent angestarrt.“ „Wieso haben die Menschen das Auto nicht geborgen?“ fragte Nancy. „Ich weiß nicht“, gestand er. „Irgendwie glaube ich, dass sie es gar nicht sehen können. In der Zwischenzeit, auch wenn diese Straße heute noch immer kaum befahren ist, sind sicherlich bereits Tausende von Autos vorbeigefahren.“ Nancy sah ihn mehr als nur unglaubwürdig an. „Was meinst du mit heute, und was mit Tausende Autos? Unser ganzer Staat hat wahrscheinlich nicht einmal so viel“ Grandpa setzte dieses Gesicht auf, dass er nur einmal hatte. Es bedeutete: ‚Sei stark ich muss dir etwas sagen, dass du vielleicht nicht verstehen kannst, oder verstehen willst.’ Diesen Blick hatte sie in ihrem gesamten Leben bei ihm erst einmal gesehen; beim Tod ihrer Mom. Sie wusste es, es ist keine Lüge und sie konnte ihm vertrauen, obwohl er viel jünger aussah. „Wieso glaubst du, dass die Menschen, den Ford nicht sehen können?“ fragte sie. „Achtzig Jahre sind eine lange Zeit, für mich gibt es zwei Möglichkeiten.“ „Welche?“ „Die eine wäre, dass es sich wie bei Bomben oder Granaten aus den früheren Weltkriegen verhält, wo man noch immer welche davon findet, obwohl es schon so viele Jahre her ist, oder...“ „Sagtest du Weltkriege, ich kenn nur einen, der Großteil davon spielte sich aber in Europa ab.“ „In der Zwischenzeit gab es auch noch einen zweiten, es war furchtbar, selbst einige unserer Männer mussten in den Krieg ziehen“ „Was war die Ursache für den zweiten Weltkrieg?“ „Kriege sind immer eine Form von Machtgier, Nancy.
Hinzu kamen noch extremer Menschenhass und das Bedürfnis einen reinrassigen Staat zu entwickeln. Es gab einige Millionen Tote, nur weil sie entweder der falschen Religion angehörten, oder die falsche Hautfarbe aufwiesen. Des weiteren versuchte man genetische Fehler, das können Behinderte Menschen sein, oder welche mit obskuren Verformungen, Nancy, auszurotten, um den Menschen perfekt zu machen.“ Stille herrschte. Sie wollte es nicht wahrhaben, dass Menschen zu so etwas fähig gewesen sind, oder vielleicht immer noch waren. „Wie ist die Situation jetzt?“ fragte sie. „Es ist ruhig. Wir schreiben das Jahr 2007. Vereinzelt gibt es in Nordafrika und angrenzenden asiatischen Ländern kleine Kriege, vermutlich wird sich das nie ändern!“ „Die zweite Option könnte die Zeitvarianz sein. Immerhin halte ich das für möglich“ fuhr er fort. „Warum rostet der Wagen dann nicht?“ „Vermutlich weil nur die engste Umgebung um den Wagen Einfluß auf dieses Verhalten hat.
Wir sind nicht mehr betroffen, wir sind sozusagen eine Mischung aus hochfrequentiertem Licht und fluktuierender Materie.“ „Was ist mit der Familie? Wissen Sie bescheid über uns.“ wollte Nancy wissen, und überging somit eine weitere technische Diskussion. Dass sie nicht kombinieren konnte, wenn man das Auto nicht fand, dass es ebenfalls keinen Bezug zu ihnen gab, verzieh er ihr. „Nein, Nancy. Nicht die Lebenden. Deine Mom kann uns sehen. Ebenfalls habe ich bereits meinen Bruder getroffen, und einige meiner Urahnen. Ich sage dir, die haben zum Teil noch eine Weltauffassung, dass einem übel werden könnte. Selbst wenn sie die Erde von oben sehen, zweifeln sie noch daran, dass sie eine Kugel ist, als hätten sie noch immer Angst vor den Inquisitoren.“ Nancy wirkte ehrlich verwirrt. „Was meinst du mit ‚die Erde von oben sehen’?“ Grandpa’s Gesicht strahlte als er antwortete. „Wir können die Erde verlassen und uns überall im Weltall aufhalten, soweit ich weiß. Als eine art Lichtform können wir uns mit enormer Geschwindigkeit bewegen. Einmal war ich beim Stern Sirius. Es war überwältigend, ich brauchte kaum drei Tage dorthin. Einige von uns behaupten sogar Seelen anderer Spezies gesehen zu haben, ich kann das leider nicht bestätigen. Als Lüge würde ich es trotzdem nicht unbedingt bezeichnen, denn die Möglichkeiten im Universum sind mannigfaltig.“ Nancys Augen spiegelten den Glanz des besonderen Ausdrucks „Mannigfaltig, gefällt mir! Wo hast du das her?“ „Keine Ahnung“ gestand er ehrlich. „Dieses Wort ist mir erst jetzt wieder eingefallen, ich habe es bis heute noch nie benützt.“ „Warum bist du erst vierzig, und nicht sechzig?“ wollte sie wissen. „Mit vierzig habe ich zu Leben aufgehört“ „Was meinst du?“ „Dort als deine Mom sich das Leben nahm, du darfst nicht vergessen, sie war auch meine Tochter – meine Einzige.“ Nancy blickte schuldbewusst nach unten „Hey! Es war nicht deine Schuld meine Kleine.“ Sie blickte wieder auf. „Warum hatte ich dann das Gefühl ich hätte damit zu tun?“ „Ich verstehe nicht!“ „Seit Moms Tod warst du nur mehr streng zu mir, selbst bei Pops war ich mir zum Schluss nicht mehr sicher.“ „Dein Vater und ich wussten anfangs nicht wie es mit dir weitergehen sollte. Deine Mom war verantwortlich für deine Erziehung, deine Kleidung und für deine Bildung. Wahrscheinlich hatten wir Angst, dass unsere erzieherischen Maßnahmen zu ungenügend waren, deshalb die Strenge!“ Nancys Kopf senkte sich wieder. „Verstehe! Als ich mich zuletzt im Spiegel sah, war ich eine steinalte Frau. Es ist die, welche jetzt im Auto sitzt. Warum bin ich trotzdem vierzehn?“ „Dein Tod war unnatürlich, Schatz. Was du hier siehst, das was du bist, ist dein wahres Alter.“ „Verstehe!“ wiederholte sie, versuchsweise erwachsen. Nie zuvor kam sie sich so unreif vor.
- September 2007, Erde 11:39 –0100 MEZ
Frank war soeben aus der U-Bahn ausgestiegen. Er wurde nur einmal aufgehalten während der gesamten Fahrt. Kurz zuvor hatte er den Plastiksack mit Geld unter dem Sitz versteckt. Keiner ersah etwas Verdächtiges daran, denn als die Polizei den Zug filzte verlor niemand ein Wort darüber. Ein Grund dafür war naheliegend. Keiner der Polizisten fragte nach einem weißen unbeschrifteten Plastiksack. Die Untersuchung erfolgte eher in einer Form von Razzia. Keiner durfte aussteigen, und jeder wurde abgetastet. Zum Glück war Frank schon vorher auf die Idee gekommen auch das Messer in den Sack zu geben. Keiner von ihnen kam auf die Idee unter den Sitz zu sehen, obwohl das weiße verräterische Ding bereits bei leichtem bücken sichtbar gewesen wäre. Die Menschen waren fantasielos, und so stufte sie die Polizei auch ein. Ein Dieb hatte seine Beute bei sich zu tragen. Falls er sie wo anders hingibt, wäre die Bevölkerung, in diesem Fall die Businsassen, verpflichtet es ihnen mitzuteilen. Zumindest wurden sie danach erzogen. Deutschland hatte eine Bevölkerung die korrekt war, eine die sich niemals gegen den Staat auflehnt. Die Haltestelle hier hieß Berlin-Maiwald und Frank war dabei sein altes Leben zu vergessen. Wo gehst du jetzt hin? Hast du dir überhaupt darüber Gedanken gemacht wie es jetzt weitergehen soll, du weißt nicht einmal wie viel Geld du abkassiert hast. Frank grinste kurz. Das Geld in seiner Jacke hatte er vollkommen vergessen, beinahe wäre es sogar in der U-Bahn liegengeblieben. Kurz vor dem Aussteigen fragte ihn ein jüngerer Typ, ob das sein Säckchen wäre. Franks Phantasien waren auf Hochtouren gelaufen. Wenn es nun einer dieser Geheimpolizisten war, der von der DGP eingeschleust wurde. Ein falsches Wort, oder vielleicht nur eine falsche Bewegung hätte ihn ans Messer geliefert. Es gab zwei Option: Verneinen und das Geld zurücklassen, oder ‚Ja, danke’ sagen und vielleicht geschnappt werden. Die Entscheidung war am Ende doch ganz einfach. Wenn er die U-Bahn fahren gelassen hätte, wäre das Geld garantiert nie wieder aufgetaucht. Irgendein Penner würde sich seine Leistungen schon zu Nutzen wissen. Falls er geschnappt worden wäre, hatte er bereits die stille Vereinbarung, dass er nichts zu verlieren hatte. Sein ‚Ja, danke‘ war genau richtig. Seine Bestätgigung fühlte er unter der schwarzen Jacke. Frank war extrem neugierig auf die Summe seines Beutezuges. In einem Lokal auf der Toilette zählte er ungefähr dreiundzwanzigtausend Euro. Er war begeistert, es hatte sich sehrwohl gelohnt dieses Risiko einzughen. Vielleicht sollte ich das öfters machen. Spinnst du? Sei froh, dass alles so gut gelaufen ist. Sieh zu, dass du eine Bleibe findest. Frank entschied sich anders. Hier wollte er nicht bleiben. Berlin war ihm zu heiß geworden, und der Mann der Tat setzte sich in einen Bus Richtung Süden, mit der Aufschrift Nürnberg. Vier Stunden später stieg Frank genervt in Leipzig aus