Good morning Germany, it’s 9:30 am.
Das Thema Deutschland wieder. Keine Sorge, ich werde davon absehen, es in den Schmutz zu ziehen. Naja, vielleicht doch ein klein wenig. Morgens halb zehn in Deutschland. Dies ist die Zeit im Zeichen des Knoppers. Eine sehr schöne Zeit. Fütterungszeit. Jede/r Deutsche darf sich dann hingebungsvoll einem dieser quaderförmigen Süßigkeiten nähern. Von der Hausfrau, zum Dachdecker, vom Bauarbeiter zum Herrn Doktor. Alle winken sich mit Knoppers zu, als ob es sonst keine andere Verständigungsmöglichkeit gäbe. Sozusagen ein Ritus höchster Ebene. Arbeiter die erst um sechs Uhr früh ins Bett gehen, aufgrund der Nachtschicht, stehen extra auf um diesem beizuwohnen. Selbst die Kirche hat vorgesehen, den Gottesdienst dementsprechend zu gestalten, und die Predigt am Sonntag, halb zehn in Deutschland für eine kurze Knopperspause zu unterbrechen. Alles schön und gut, nur der Arbeitgeberverbund sieht darin den Untergang der deutschen Arbeitsmoral. Von ihnen wurde vorgeschlagen Knoppers auf die Mittagspause zu verlegen. Ausgenommen Schichtarbeiter und Prostituierte sollten ihr Knoppers erst um halb zehn Uhr abends in Deutschland einnehmen dürfen. Weiters löste das Knoppersproblem eine heiße Diskussion an höchster politischer Ebene aus. Viele ranghohe Politiker protestierten, da das Auspacken des Knoppers zusätzlicher unbezahlter Arbeitsaufwand wäre, und keine Hilfskraft zur Stelle ist, weil diese ebenfalls am Knoppersritual teilhaben. Erwähnenswert ist auch der Hinweis der Versicherungsgesellschaften, welche auch versuchen Knoppers zu verbieten. Unter bestimmten Umständen könnten zum Beispiel Dachdecker ihr Knoppers vom Dach fallen lassen und damit einen Briefkasten beschädigen. Eine Hausfrau könnte aufgrund ihres Knoppers ihre Lieblingstalkshow versäumen. Schlimm wäre dies, wenn auch kein Videoaufzeichnungsgerät zur Stelle ist. Ein Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft schlug vor, dass in den Talkshows, morgens halb zehn in Deutschland, nun auch Knoppers verzehrt werden müssten.
Noch besser käme natürlich eine Knoppersversicherung. Ein sechzehnköpfiges Team sitzt bereits seit zwei Monaten an einem einhundertsiebzehnseitigen Vertrag, um alle Klauseln zu klären. Ihnen wurde Knoppers während dieser Phase verboten, um nicht vom Delinquenten beeinflusst zu werden.
Guten Freunden gibt man ein Küsschen
Dies setzt natürlich voraus, dass sie der stolze Besitzer einer Ferrero Küsschen Packung sind. Ansonsten klappt’s auch nicht mit der Nachbarin. In der Werbung wird sehr delailreich geschildert, wie sie sich mit diesem Produkt ihre Freunde erzwingen können. Wenn sie also alleine sind, holen sie sich am besten eine Packung. Je mehr desto besser. Dies besagt auch die Werbung. Oder zwei, oder drei. Am besten wäre es eine ganze Supermarktkette leer zu kaufen. Sie müssen sich keine Sorgen machen wegen des Geldes, wenn sie meine Hinweise bezüglich Versicherungen beachtet haben. Der Werbespruch hat es allerdings in sich. Guten Freunden gibt man ein Küsschen. Schon bald werden wie magisch ihre Freunde angezogen, um ihnen wohlwollend die Wangen voll zu sabbern. Aber nicht nur das. Plötzlich werden sie auch Freunde haben, von deren Existenz sie gar keine Ahnung hatten. Sie werden hinkünftig nur mehr ausgelassen feiern. Selbst ihr Boss wird ihr Freund sein, wenn sie Ferrero Küsschen mit in die Arbeit bringen. Schon manch einer hat’s mit der Tour zu einer Gehaltserhöhung geschafft. Also, wagen sie diesen Schritt. Niemand wird sie als Schleimer verurteilen. Ich garantiere es ihnen. Absolut niemand. Selbst eine willige Freundin können sie sich damit angeln. Sie brauchen nur Ferrero Küsschen in Kombination mit Heller’s Katzenzungen verschenken, und schon trabt Mon-Cherie. Sind sie der etwas schüchterne Typ, würde ich ihnen anraten vorerst mit Milka Pralinen zu beginnen. Ihre erste Freundin wird dann Lila Kuh heißen. Sie haben aber sicher auch an ihr wahre Freude.
Die geschockten Wellen
Faszinierend. Dies als erste Anmerkung für das Produkt Shockwaves.
Junge Menschen die sich noch wagen ihr Aussehen zu entstellen um so in die Öffentlichkeit zu treten. Bei genauerer Betrachtung haben die Kreationen Ähnlichkeit mit mir selbst, auch wenn ich kein solches Produkt in Verwendung habe. Sehr häufig nach dem Aufstehen habe ich eine adäquate Frisur. Dies soll die jungen Leute natürlich nicht vom Kauf dieses Wundermittels abhalten. Es gibt sicher Gründe warum Shockwaves erfunden wurde. Sicherlich gibt es welche, die sich wünschen beim Aufstehen meine Frisur zu haben. Jemand gab ihr mal die Bezeichnung „Uhu nach Waldbrand“. Bestimmt eine passende Bezeichnung. Und jetzt gibt es diese Möglichkeit für Teens in perfektionierter Form. Perfektioniert bedeutet, dass jedes Haar anders verdreht werden kann. Nehmt es mir an dieser Stelle nicht übel, aber ich stell mir das sehr aufwendig vor. Andererseits bin ich froh, dass ihr dafür bezahlen müsst, was ich jeden morgen kostenlos bekomme. Ja klar, Schadenfreude währt nicht lang. Vielleicht wäre Shockwaves etwas für mich, um mich wieder unter Menschen trauen zu können. Moment mal, das brauche ich doch gar nicht. Ich brauche gar nichts zu tun. Ich muss nur aufstehen und rausgehen und werde mich freuen darüber, dass ihr alle dieselbe Frisur habt wie ich. Das bedeutet: Daumen hoch für Shockwaves. Etwas befremdlich empfand ich allerdings den Werbeslogan.
Style to connect. Wäre da eventuell ein Internetanbieter im Spiel? Zum Schluss dieser Werbung sieht man ein junges Paar wie sie gerade die Köpfe zusammenhalten. Dabei bekommt man den Anschein sie würden aneinander festkleben. Style to connect könnte in dieser Hinsicht bedeuten, dass das Gel zB. Bluetoothfähig sein könnte. Vielleicht bedeutet es auch, dass die Haare mittels modernster Technik so Daten austauschen können. Ein echter Fortschritt für die Kommunikation. In Zukunft wird ein Gespräch nur mehr so geführt werden:
Sie: „Komm her, ich muss dir was sagen.“
Er: „Ja, was denn?
Sie: „Komm näher, noch näher…. Style to connect.“
Er: „Ok!“
Er+Sie: „Smmmmmmmmmmmmmmmhhh“
Wenn sich die Technik so rasend schnell weiterentwickelt, werden sich die Menschen bald in die Augen sehen können um dort zu lesen. Anbei fände ich das auch ein klein wenig romantischer.
Dauerwerbesendung
Ich möchte ihnen hier eine kurze Geschichte erzählen, damit sie sehen, wie eine solche Werbung zum Kauf animieren soll.
Jack kommt von links ins Studio und wird von Cindy begrüßt.
„Hallo Jack, schön dass du da bist!“ „Hallo Cindy!“
„Und du hast uns sicher wieder etwas tolles mitgebracht, Jack“
Cindy grinst, und man sollte ihr besser den Zahnweißer vom Studio
nebenan vorstellen.
„Oh ja, Cindy das hab ich!“ Als Paar bekommen sie vielleicht sogar Rabatt;
drüben im anderen Studio.
„Bevor wir loslegen, Jack. Ich hab mir gerade dieses tolle Fingernägelwachstumsbeschleunigungsset gekauft.“
Artikelnummer, Preis, Telefonnummer wird eingeblendet.
„Was hast du uns heute wieder tolles mitgebracht, Jack?“ will sie wissen.
Jack tut seeeeeehr geheimnisvoll.
„Es ist ein aufblasbares Bett“ Cindy reißt den Mund auf, und ist seeeeehr
überrascht. Eine Sekunde später hebt sie die Hand vor den Mund und ihre Fingernägel verdecken ihr Gesicht.
„Ein aufblasbares Bett....“ resümiert sie. „Was kann man damit machen?“
„Man kann darin schlafen, Cindy!“ . „Oooh Jack, das ist wundervoll!“ „Ja, das ist es! Und es ist auch noch so praktisch!“
„Und weißt du was das beste ist, Cindy?“ „Nein, bitte sags mir!“
„Wie glaubst du wird dieses Bett aufgepumpt?“ Cindy schaut nachdenklich, und hält den Zeigefinger zum Mund, mit dem Fingernagel kann sie in der Zwischenzeit in der Nase bohren, und für Ordnung im Gehirn sorgen. „Ich weiß nicht Jack.“
Jack macht eine anpreisende Handbewegung zu einem größeren blauen Müllsack.
„Du füllst es nicht mit Metan, nicht mit Helium, nicht mit teurem Goldstaub.....(unverständliches chemisches Kauderwelsch).... du füllst es mit... „ Eine Sekunde verstreicht. „Luft!“ Cindy bleibt die Sprache weg. Sie hat den Mund offen und ihre Fingernägel kratzen von ihrer Hüfte aus den Boden.
„Ja, Cindy! Keine Umweltverschmutzung mehr durch (unverständliches chemisches Kauderwelsch) sondern nur noch reine atembare Luft. Jack hält ein fahrradluftpumpeähnliches Gerät in die Luft. „Siehst du Cindy? Hier steckt die Luft.“
„Oh ja, Jack! Wie funktioniert das jetzt?“ Jack nimmt die Fahrradpumpe und fängt an zu pumpen. Der Schweiß unterstreicht falschgoldbraune Zähne. Nach 30 Sekunden hat sich der blaue Müllsack das erste mal bewegt. Die Kamera schwenkt Richtung Cindy, die freudig aus 2 Metern Entfernung zuwinkt und das Objektiv der Kamera zerkratzt.
Die Kamera gleitet wieder zu Jack zurück, der noch exakt 3 x in ein wunderschön gewordenes Bett hineinpumpt. Er schwitzt nicht mehr, außer bei den Zähnen.
„Sieh her Cindy, ist es nicht wunderschön?“ Cindy dreht sich um und zersticht aus 5 Metern Entfernung unabsichtlich das wunderschöne blaue Bett (vormals Müllsack). Jack lacht. „Ja, Cindy, so schnell kannst du das Bett auch wieder abbauen. Aber wir wollen’s noch mal zeigen!“ „Oh ja bitte!!“ Cindy klatscht begeistert in die Hände, und ein Scheinwerfer aus 10 Metern Höhe fällt von der Studiodecke.
Jack pumpt wieder im Schweiße seiner falschgoldbraunen Zähne auf. Cindy steht ruhig. Nach 5 sek. ist das Bett wieder aufgepumpt. „Jack?“ „Was ist Cindy?“
“Dieses aufblasbare superduper Bett, muss doch eine Unmenge kosten!?“
„Nein, Cindy. Und jetzt halt dich fest.“ Cindy greift nach hinten um sich festzuhalten und zieht dabei dem Regisseur des Nachbarstudios die Hose aus. „Dieses Bett kostet nicht 1000 Euro, nicht 995 Euro, nicht 990 Euro. Nein, es kostet nicht einmal 980 Euro. Es kostet nur....“ 1 Sekunde Pause. „979,99 Euro“ Cindy reißt abermals die Hände hoch und zwingt ein Flugzeug zur Notlandung. „Das ist toll Jack!!“ Cindy reißt die Hände nach oben, springt voller Begeisterung in die Höhe und vernichtet einen russischen Spionagesatelliten. „Und wenn sie noch heute bestellen, bekommen sie Hildegard, Ursula, und Margot gratis dazu!“ Ein Assistent bringt Jack 3 aufgeblasene Puppen. Alle drei Puppen grinsen. „Und vergessen sie nicht“ sagt Jack. „Diese sind nur echt mit den 52 Zähnen! Also lassen sie sich nicht von irgendwelchen anderen Billiganbietern linken“ Cindy gibt sich souverän, und zieht die Hände wieder etwas weiter nach unten, da ihr die Sonne bereits den Zeigefingernagel gebräunt hat. „Und!“ sagt Jack. „Und?“ fragt Cindy.
„Sie bekommen ein Gütesiegel! Nicht nur für eins unserer vier Produkte, nicht für zwei...sondern für alle vier unserer hochwertigen Produkte.“ Jack dreht sich um, wo gerade das Bett wieder ohne Cindys Beihilfe zu einem Müllsack geworden ist. Cindy ist gerade damit beschäftigt, ihre Fingernägel aus Kirks Raumschiff Enterprise zu ziehen, dass gerade im Nachbarsystem kursiert. Jack lächelt mit seinen falschgoldbraunen Zähnen. „Bestellen Sie jetzt sofort. Unsere Telefonleitungen sind besetzt, und Hildegard, Ursula, und Margot sind bereit!“