Geschieht es aus Mitgefühl mit den Gärtnern oder aus profilierungsneurotischem Dominanzgebaren? Vielleicht auch nur um der puren Selbsterhaltung Willen. Dieser Selbsterhaltungstrieb vieler Pflanzen sichert uns Jahr um Jahr so manche Ernte ohne eigenes Zutun - oder zumindest mit sehr wenig davon. Damit Selbstaussaat geschehen kann muss die Pflanze blühen können - also darf nicht vorher geerntet werden. Feldsalat ist hier ein schönes Beispiel:
Seit Jahren ist dieser Wintersalat in unserem Garten zuhause und beglückt uns im Winter und zeitigem Frühjahr mit reicher Ernte. Etwa 10 bis 12 Pflanzen werden bewusst nicht geerntet (weiter 20 - 50 haben wir vergessen zu ernten / übersehen) und dürfen blühen und sich dann querbeet auf den Weg für die nächste Saison machen. Diesmal gefiel es ihnen besonders im Erdbeerbeet sehr gut.
Ganz häufig ist es gerade das wenige Zutun unsererseits, was die Eigendynamik im Gemüsebeet sehr vorteilhaft werden lässt. Wie so oft im Leben findet auch hier ein immer wiederkehrendes Abwägen von weder zuviel noch zuwenig statt. Bei den permanenten Kulturen wie Spargel, Rhabarber und auch Meerettich sollte pro Saison nicht mehr als die Hälfte, maximal zwei Drittel abgeerntet werden. Beherzigt man dies, bleibt die Pflanze kraftvoll. Unser Meerettich treibt bereits aus, Spargel und Rhabarber sind noch mit einer guten Gabe Kompost bedeckt.
Neben Salaten und Gartenkresse fühlt sich der Mangold bei uns sehr wohl und muss seit Jahren nicht mehr von Hand gesät werden. Bei milden Wintern kann man bereits jetzt die ersten Blätter ernten - die kleineren als Baby-Leaf für Salate, die größeren werden gedünstet.
Da ich die Chicoree-Blüten so hübsch finde darf dieser im Kräuter- und Blumenbeet die Sommersaison verbringen und sich selbst für die nächste Runde im Keller aussamen :-) Die ersten kleinen Pflänzchen sind schon da und werden in den nächsten Wochen ins Gemüsebeet umgesiedelt und dann im Herbst in Eimern im Keller getrieben.
Die Pimpinelle ist hier regelrecht auf Wanderschaft. Eines meiner liebsten immergrünen Küchenkräuter findet sich quer durch den Garten, als wolle sie sich jeden Winkel mal genauer ansehen - auch mitten auf den Wegen macht sie sich gerne breit :-)
Mit der Zeit einwickelt man ein Auge für die Keimblätter. So kann man im Laufe der Gartensaison so manchen Neuseeländerspinat, Kürbis und Salat, so manche Sonnenblume, Wildtomate, Physalis und Gurke oder Stangensellerie und vieles mehr finden und nutzen. Je aufmerksamer und achtsamer, um so reicher kann sich alles entwickeln.
Euch allen eine wundervolle Woche und herzliche Grüße aus dem Siebengebirge!
all pictures are mine