Heute hat Mikis Theodorakis Geburtstag. Es ist kein runder Geburtstag, dennoch bietet er für mich eine willkommene Gelegenheit zu seinem 92. Geburtstag das Glas zu erheben. Nach Sokrates ist er wahrscheinlich der berühmteste Grieche überhaupt. Bekannt ist er weltweit wegen seiner Lieder und Sinfonien, Ballette und Opern und natürlich Filmmusiken. Unvergesslich ist uns die Melodie zum Film „Alexis Sorbas“. Alexis ist doch der Gegenentwurf zum modernen, angepassten Menschen, der vor lauter Zielstrebigkeit und Stress das wirkliche Leben verpasst.
Aber Theodorakis ist eben viel mehr als nur ein Musiker.
In ihm ist das zutiefst Menschliche verwirklicht, wie es heute nur selten anzutreffen ist. Von frühster Jugend an hat er sich für sein Volk eingesetzt. Zuerst hat er es gegen die Besetzer im 2. Weltkrieg mitverteidigt, dann im Bürgerkrieg gekämpft und sich später gegen die Militärdiktatur aufgelehnt. Noch im hohen Alter, schon im Rollstuhl sitzend, hat er gegen den Sparkurs der Regierung protestiert. Man brach ihm die Beine, er wurde gefoltert, zweimal wurde er lebendig begraben und immer wieder wurde er körperlich und seelisch verletzt, doch Mikis Theodorakis überlebte und machte weiter, unterstützte seine Landsleute durch Wort und Tat.
Er konnte nicht mit ansehen, was 1973 in Chile passierte. Sein Protest fand Ausdruck in dem beeindruckenden Werk Canto General, das er nach den Worten seines Freundes Pablo Neruda komponierte.
Ich selbst hatte 1980 zweimal die Gelegenheit ihn in Berlin den Canto General dirigieren zu sehen. Was für eine Ausstrahlung, welch einnehmende Persönlichkeit! Mit großen schwungvollen, aber gleichzeitig sanften Bewegungen führte er das Orchester bei der Erstaufführung des Werkes. Theodorakis tanzte förmlich vor dem Orchester. Die Musik machte einen gewaltigen Eindruck auf mich. Nicht zuletzt auch wegen des Gesangs von Maria Farantouri, die mir mit ihrer vollen tiefen Stimme immer wie seine Schwester vorkam.
Theodorakis sagte einmal: „Ich gehöre einer Generation an, die sich einem extremen Idealismus verschrieben hatte. Mein Leben war ein unaufhörlicher Kampf zwischen dem Idealen und dem Wirklichen, dem Alltäglichen und der Vision“.
Zum Wohl Mikis Theodorakis, Όλα τα καλύτερα και την αγάπη γενέθλια !
Fotos von commons wikimedia
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Angenehmes Wochenende!