Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit Bekannten. Ich habe lange Zeit versucht, politische Themen bei ihnen zu meiden, weil mir bewusst war, dass sie politisch und ideologisch gesehen direkt gegensätzlich sind und ich mir den Frieden noch etwas erhalten wollte.
Aus dem Nichts kam von Person X "ich glaub, ich werd mich dieses Jahr mal als Wahlhelfer melden. Das sollte man mal machen", darauf folgte von Person Y
"Ja genau, und dann alle AfD-Stimmen in den Schredder".
Das verblüffte mich doch irgendwie. Ich dachte eigentlich, dass die große Masse eigentlich demokratisch wäre. Vielleicht mit allen demokratischen Mitteln versuchen würde, eine ungeliebte Partei bei den Stimmen zu übertrumpfen, aber letztendlich das Spiel der Demokratie akzeptiertE: Die Bekannten waren (zumindest soweit ich weiß) keine Antifanten und abgesehen davon mag ich sie eigentlich auch. Doch dieser vermeintliche Scherz von Person Y machte mir schon schwer zu schaffen.
Wie kann jemand, der eigentlich ganz sympathisch und umgänglich ist, solche totalitären Methoden befürworten, wo er sich doch im selben Gespräch als vermeintlicher Antifaschist darstellt?
So begann eine lange und Nerven zehrende Diskussion, bei der ich aber voller Hoffnung immer wieder versuchte, ihn (Person Y) aus der totalitären, autoritären Ecke zu holen. Doch er schwenkte immer wieder um.
Die Diskussion wurde immer schärfer, die Stimmung weniger gelassen und mir war klar, dass ich mich mit meinem Standpunkt so dermaßen von der Gruppe distanzierte, dass ich selbst immer wieder versuchte, Dinge zu sagen wie "ja gut, jeder hat halt so seine Meinung. Solang wir sie gegenseitig akzeptieren, brauchen wir ja nicht streiten". Doch darauf folgte nur ein gesenkter Kopf und ein abweichender Blick.
Irgendwann versuchte Person X die Diskussion zu unterbrechen und das Thema zu wechseln, damit wir wenigstens einigermaßen verträglich wieder auseinander gehen können. Da wollt ich es wissen:
Hast du schon mal von Voluntarismus gehört? Würdest du Menschen in dein System zwingen und würdest du Menschen aus deinem System gehen lassen, wenn sie es nicht mehr wollen?
Hier wich er ebenfalls aus. Menschen würden freiwillig den Kommunismus wählen, er müsse dafür nichts tun und müsse niemanden zwingen.
ja gut, aber was, wenn doch einer nicht mitmachen will? Was wenn doch welche gehen wollen?
dann müssen sie sich frei kaufen"
okay, also gibt es eine Art Vertrag, wo das drin steht" Ja und gehen wir mal davon aus, dass alle Fähigeren von dir zu mir gehen und meine Unfähigen bei dir besser leben, dann bricht doch dein System zusammen?
Nein
Gibt es denn irgendwelche Anreize, das System am Laufen zu halten?
Ja, man kann durch Extraarbeit zum Beispiel einen längeren Urlaub bekommen
Also belohnst du Produktivität, also eine seltsame Art kapitalistische Planwirtschaft?
Nein, nicht kapitalistisch, sondern kommunistisch!
Und wenn also 10% doppelt so viel Arbeiten wie die anderen 90%, würden die dann nicht besser dastehen? Dann hättest du doch wieder eine Klassengesellschaft
Nein, weil die anderen könnten ja ebenfalls mehr arbeiten
Also belohnst du Produktivität
Nein
So in etwa ging das dann weiter. Letztendlich lies er sich ein "ich will niemand dazu zwingen" entlocken. Aber ich hätte trotzdem ein mulmiges Gefühl, wenn er an der Macht wär..
..und irgendwas sagt mir, dass ich damit verdammt recht habe.
Mir wurde klar, dass diese Diskussionen absolut nichts bringen. Ich kann versuchen, mich deren Macht zu entziehen. Wenn bei den "Sympathischen" unter ihnen schon die ach so geliebte Demokratie nicht so genaugenommen wird, wenn es mal nicht passt, und man auch sonst nicht lange auf totalitäre Aussagen warten muss, dann will ich nicht am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn die Psychopathen an der Macht sind – und wie es der Zufall will, ist genau das aktuell der Fall.