Meine Rückkehr ins (digitale) Leben... hihi, das klingt gleichzeitig theatralisch und auch wieder sehr "platt". So kann Sprache sein...
Ohne Worte
In meiner Schweigewoche war ich ja nicht nur "offline" sondern auch fern von jeglichem Input. Keine Begegnungen, kein Lesen und auch keine Musik. Die Idee ist, nichts zu tun (außer kochen und essen natürlich 😉) und somit keinerlei Ablenkung von mir selbst zu haben. Das bedeutet aber nicht, das ich still war. Ihr glaubt gar nicht, wieviele Worte, Wörter und Sätze im Gehirn gespeichert sind! Da war meistens einiges los in dieser Zeit. 😉
Selbst Lieder tauchten plötzlich wie aus dem Nichts auf. Aus sehr fernen Zeiten wie zum Beispiel das Folgende - natürlich kannte ich den vollständigen Text gar nicht mehr und habe ihn rausgesucht:
EIN SCHÖNES LIED SONGTEXT von Franz Josef Degenhardt 1965
Komm, sing uns mal ein schönes Lied,
komm, sing uns mal ein schönes Lied,
eines, wo man sich so richtig gut nach fühlt,
eins, das nicht in Schmutzgefühlen wühlt,
wohl makaber, aber unterkühlt,
vertraut, verspielt,
verspielt, vertraut
und nicht zu laut.
Nun gut: Hier ist ein schönes Lied,
eines, das euch in den Halsspeck geht.
Schließt die Augen halb, und dreht die Lampen klein,
schmaucht's Pfeifchen und gießt Gin und Tonic ein.
Macht auf Tief sinn, decket Bein mit Bein,
zum Scherz und Schein
und Schein und Scherz,
massiert das Herz.
Im Busch, nah bei Quang Ngai, fand
ein gebranntes Kind die Hand
eines Generals mit Ringen, gold und schwer.
Die Steine biß es raus und kroch zum Meer.
Und für ein altes Boot gab es sie her.
's war leck und leer
und leer und leck,
verkohlt das Deck.
Doch nichts verstopft ein Leck so gut
wie Asche und ein bißchen Blut.
Und niemand weiß so viel wie ein gebranntes Kind.
Als Segel hängt ein Khakihemd im Wind,
der auch nicht weiß, wo jene Blumen sind,
gepflückt geschwind,
geschwind gepflückt.
Im Traum entrückt,
da treibt das Kind zu jenem Land,
da riecht die Erde nie verbrannt,
und jeden Tag, da gibt es viele Hände Reis.
Haut und Haar und Wind und Wasser sind nicht heiß.
Auf Blumenbooten blähen Segel weiß,
weht lind und leis
und leis und lind
ein Lied im Wind.
Und wird vielleicht ein starker Mann,
der, was er will, auch haben kann:
viele Kinder, dick, mit Händen und gesund,
ein Reisfeld, einen Büffel, einen Hund,
der jeden, der mit Feuer spielt, reißt und
bekannt und bunt,
bunt und bekannt
ist in dem Land.
So treibt das Boot, so träumt das Kind.
Was meint ihr, wann sie drüben sind?
Dann, wenn hinterm Mond ein Stern zerplatzt ist, dann,
wenn grüne Luft nichts weiter sein kann
als Regenbogenlicht, dann kommt es an
mit Maus und Mann
und Mann und Maus
das Boot zu Haus.
Nun, war das nicht ein schönes Lied,
nun, war das nicht ein schönes Lied?
Eines, wo man sich so richtig gut nach fühlt?
Eins, das nicht in Schmutzgefühlen wühlt?
Wohl makaber, aber unterkühlt,
vertraut, verspielt,
verspielt, vertraut
und nicht zu laut?
Ohne Worte... oder auch "die Macht der Worte"
Und sonst?
Normalerweise kann ich gut allein sein, aber diese Zeit war dennoch herausfordernd. Ich meine jetzt nicht, dass mir hier und da natürlich Worte entflutschten, ehe ich es merkte. 😉 Es ist vor allem "anstrengend", nichts tun zu dürfen. Da ist mir so richtig aufgefallen, wie schwierig es ist, vom Human Doing zum Human Being zu kommen. Keine Chance mir selbst zu entkommen... Gott sei Dank mag ich mich inzwischen 😉
Insgesamt habe ich diese Zeit aber genossen. Völlig ungestört zu sein ist sehr entspannend. Niemand ist da, der etwas von mir will. (Außer ich natürlich 😉) Keine Termine, nichts zu planen und jede Menge Zeit. Dabei entstanden auch Höhenflüge durch das Universum und ebenso Abstiege in meinen eigenen Keller.
Stille
Eine große Unterstützung ist für mich wie immer die Natur. Einfach am Fenster sitzen und den Vögeln zuschauen... Oder mit meinem Lieblingsbaum "reden"... Die Sonne suchen und den Mond... Da kommt dann ein tiefer innerer Frieden... die Natur ist still trotz der Geräusche. Ihre Grundkraft ist Stille und ich konnte sie in mir finden. Das fühlt sich sehr sehr schön an.
Nicht von ungefähr liebe ich Steine. In ihnen ist die Stille am präsentesten. Je höher man in den Naturreichen "aufsteigt", desto mehr Geräusche gibt es. Da muss man sich nur mal unsere Welt angucken, wieviel Lärm da herrscht. Gestern war ich nur kurz einkaufen und habe jede Menge Geräusche, Gerede und Musik auf einmal wahrgenommen - in ein paar Minuten mehr als ich insgesamt in den 7 Tagen gehört habe (trotz Sylvester). 😉
Ich bin froh, dass ich einen sanften Übergang gestalten kann!
Auch die Steem-Welt öffnet sich mir erst allmählich. Es ist ungewöhnlich für mich, wie schwer ich hier wieder reinfinde. Eigentlich hätte ich mich ja bereits am Sonntag mit einem Post zurückmelden können, aber das ging noch nicht. Die Worte waren noch nicht wieder in dem Maße da, wie ich es "gewohnt" bin. Gestern reichte es immerhin schon für ein Gedicht, bei dem die Worte quasi von allein fließen. Und nun geht es sicher wieder schneller voran. 😉
Ich komme langsam wieder an und freue mich wieder auf den Austausch. Und... fragt mich bitte nicht, warum der Degenhardt hier mit hinein wollte - ich weiß es (noch) nicht. 😉
Kadna
Bild von Willi Heidelbach auf Pixabay