Eine Reise in die Heimatstadt ist auch immer eine Reise in die Vergangenheit. Familienbesuche stehen an, und ich übernachte immer bei meiner (bald 90 jährigen) Mutter (das wäre einen eigenen Artikel wert.). Bei diesem Trip kam noch hinzu, dass wir ein Klassentreffen hatten - 42 Jahre Abitur, und das brachte natürlich weitere Themen aus vergangenen Zeiten hoch.
Klassentreffen in der Heimat
Wie immer trafen wir uns am Strand. Ankommen, Begrüßen und den ersten Sekt genießen. Hier wurde ich das erste Mal mit meinem Erinnerungsvermögen konfroneirt. Es gab dort 4 Menschen, die mir wirklich unbekannt vorkamen. Alle anderen kannte ich, denn wir haben bereits mehrere Treffen gehabt. Des Rätsels Lösung war allerdings ganz einfach: sie waren in der Parallelklase gewesen und deshalb mir überhaupt nicht präsent.
Gott sei Dank, mein Gedächtnis hat mich nicht verlassen!
Anschließend durften wir unsere alte Schule besichtigen. Wir starteten im Lehrerzimmer. Ok, dass ich daran keine Erinnerungen hatte, war ja klar. Wobei einige es schon kannten, weil sie dort öfter antanzen mussten und eine Rüge bekamen. Ich war ja eher ein stiller Rebell und deshalb nie dort.
Die Räume allerdings waren mir fremd. Während einige unbedingt noch in den und den Raum wollten, hatte ich überhaupt keinen Plan. Die Treppenaufgänge erschienen mir total winzig im Vergleich zu meiner Erinnerung, die Räume auch (vor allem die Aula: "Da haben wir alle reingepasst?????"). Nur bei der Frage: "Wo war die Raucherecke?" konnte ich wie viele andere mit dem Finger in die richtige Richtung zeigen. Ich habe damals nicht geraucht, aber da waren die großen interesanten Schüler... Ich konnte mich nur vage an einen Klassenraum erinnern, in dem sich damals ein Mitschüler einige Finger seiner Hand mit einem selbstgebauten Böller "wegschoss". Aber sonst...
Wo sind meine Erinnerungen - bin ich nicht normal?
Aus meiner Kindheit erinnere ich fast nichts. Das hielt ich immer für normal. Ich habe zwar Bilder im Kopf, die aber eher von Fotos stammen, denn ich verbinde keinerlei Gefühle oder Details damit.
Aber als Jugendliche keine Schulerinnerungen zu haben? Und es ging nur mir so...
Meine einzige Erklärung ist, dass ich in der Schule nicht wirklich anwesend war. Ich bin nie gern hingegangen - nur die Pausen waren nett. Viele Lehrer haben mir Angst gemacht, und Freude gab es nicht mal in Kunst oder Musik. Alles war reglementiert und musste so gemacht werden, wie der Lehrer es vorgab. Ich habe abgeschaltet, saß immer hinten (bei den Jungs) und habe (unauffällig) Quatsch gemacht und komische Bemerkungen... Abitur habe ich "trotzdem" geschafft. Für mich war dieses Schulsystem kontraproduktiv, und ich brauchte lange, um mich zu befreien.
Die Schlüsselgewalt für die Schulräume und die Führung wurde - für mich völlig unerwartet - von einem Exfreund von mir gemacht.
An ihn konnte ich mich erinnern! ;-)
Wir waren immerhin 2 Jahre zusammen und das hatte nicht viel mit Schule zu tun - außer, dass wir beide im Schulchor sangen. ;-) Also, Erinnerungen aus dieser Zeit habe ich durchaus. Insofern scheint obige Erklärung für meine "Schulamnesie" Sinn zu machen. "Schule - nein danke!"
Nebengleis: ich habe dann auf Lehramt studiert, um anderen Unterricht zu machen, aber direkt vor der ersten Staatsprüfung abgebrochen, weil mir klar geworden war, dass das System immer noch das gleiche war.
Familienerinnerungen
In diesem Bereich ist mir schon oft das Phänomen begegnet, das die gleiche Situation von den Beteiligten in unterschiedlicher Weise erinnert wird. Wahrscheinlich kennt ihr das auch, deshalb verzichte ich hier auf Beispiele. ;-)
Mein Fazit:
Erinnerungen sind nicht objektiv und sehr von den mit ihnen verbundenen Gefühlen bestimmt.
Wie geht es euch mit euren Erinnerungen an die Schulzeit????
Mein Wort zum Sonntag:
Episode 1 Was ist ein Mensch wert?
Episode 2 Wem nutzen Froh-Sinn und Spiel-Chaos auf Steemit?
Episode 3 Steemit - Quo Vadis?
Episode 4 Mensch - Quo Vadis?
Episode 5 Bildung - Quo Vadis?
Episode 6 Die Kunst des Schreibens - Erwische den richtigen Flow
Episode 7 Prioritäten - Flow oder Perfektion?
Episode 8 Alles Leben kommt aus der Natur
Episode 9 Der Ton macht die Musik
Episode 10 Kinder als Zielgruppe im Visier
Episode 11 Regenbogen und Zebra als Freund und Helfer bei Stimmungstiefs
Episode 12 Train your brain
Episode 13 Urlaub - Steem ON und Steem OM
Episode 14 Thanksgiving - Erntedank Einmal im Jahr dankbar sein
Episode 15 Egal was kommt, mach was draus!
Episode 16 Große und kleine Abschiede fordern
Episode 17 Naturwissenschaft braucht Beziehung zur Natur
Episode 18 Leere
Episode 19 Schule spielen
Episode 20 Klarheit fordert mich
Episode 21 Was ist bloß los mit mir?
Episode 22 Warum ich mir Tags für Kommentare wünsche
Episode 23 Human Beings oder Human Doings
Episode 24 Sätze, die zurück ins Leben bringen können
Episode 25 Abschiednehmen mit Herman Hesse, Echt und mehr...
Episode 26 Warum Lob unsere Entwicklung hemmt