Erziehungsratgeber oder nicht?
Eltern sind heute oft verunsichert. Sie wollen das Beste für ihr Kind, wissen aber nicht genau, wie das geht. Die eigene Erziehung möchten die meisten nicht unbedingt übernehmen und so suchen viele Hilfe bei den sogenannten Experten. Literatur gibt es inzwischen eine unüberschaubare Menge und beinahe ebenso viele Methoden und Ratschläge. Wer blickt da noch durch, zumal auch immer wieder neue Forschungsarbeiten erscheinen, die vielleicht ganz andere Erkenntnisse kommunizieren?
Worauf können sich Eltern denn überhaupt verlassen?
In den letzten Jahren habe ich viele Trends in Sachen Erziehung und Bildung wahrgenommen. Ratgeber sind meistens sehr allgemein gestrickt, damit sie für viele Leser geeignet sind. Dabei wird das Individuelle schnell übersehen:
Jede Familie ist ein eigenes (Öko) System und jedes Kind - selbst im selben Elternhaus aufwachsend - ist anders. Dem muss man Rechnung tragen.
Die Experten sitzen in der Familie selbst
Jedes Familienmitglied "kennt" sich in seinem Umfeld aus, hat ein Gespür für die anderen, für das Miteinander und für die internen "Regeln". Das ist ein Wissen, das ein Ratgeberschreiber nicht hat! Auch kennt dieser nicht die Menschen bzw. die Kinder, um die es doch letztendlich gehen soll.
Wo ist das Vertrauen in Intuition, Liebe und gesunden Menschenverstand geblieben?
Liegt dies vielleicht daran, dass Familien immer weniger gemeinsame Zeit miteinander verbringen können? Beide Eltern arbeiten und die Kinder sind "untergebracht" oder werden "betreut". Dann ist natürlich nicht viel Raum für bewusste Beziehungen, Intuition und individuelles Wahrnehmen vorhanden. Vom Stressfaktor einmal ganz abgesehen.
Verständlich, dass viele Eltern dann verunsichert sind, denn sie erleben nur einen Lebensausschnitt ihres Kindes mit. Intuition und Vertrauen in die eigenen (Erziehungs) Fähigkeiten können sich nur langsam entwickeln und festigen. Dabei muss man gar nicht so viel erziehen wie gedacht! Die Kinder dürfen wir nämlich nicht vergessen:
Jedes Kind trägt einen eigenen Entwicklungsplan in sich
Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass ein Kind von ganz allein durch Nachahmung (gucken und üben) gehen und sprechen lernen wird.
Ein Säugling macht sich noch keine Gedanken über sich und das Leben. Er macht einfach und erforscht sich und sein näheres Umfeld. Dabei ist zunächst die körperliche Entwicklung im Fokus. Im Laufe der Zeit gelingt es immer besser nachzuahmen und das Kleinkind lernt schließlich zu laufen.
Sprache ist ein etwas größerer Brocken, weil ein Kind noch gar nicht weiß, was Sprache ist. Geschweige denn wie sie funktioniert.
Auch das meistert ein Kind - ohne Sprachlabor und Grammatiktraining.
Unsere Aufgabe ist es vor allem Vorbild zu sein und dem kleinen Kind Erfahrungen mit dem eigenen Körper zu ermöglichen. Dies wurde bis jetzt meist intuitiv gemacht. Nicht umsonst gibt es unzählige Kinderverse, Fingerspiele und Lieder. Häufige Wiederholungen in Kombination mit Spaß und möglichst viel Körperlichkeit (Gesten, Finger, Berührung) unterstützen das Kind enorm beim Sich-Einschwingen in die jeweilige Muttersprache.
Aber die eigentliche Leistung liegt beim Kind selbst.
Gott sei Dank wissen wir das und können auf diese Entwicklung vertrauen (auch später). Dafür reicht gesunder Menschenverstand vollkommen - Ratgeber sind hier überflüssig.
Die Natur hat vorgesorgt. Wie eine Pflanze ihre Blüte zur Ent-Wicklung bringt, so entfaltet sich jedes Kind in seinem eigenen Rhythmus in seiner eigenen Zeit. "Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht." Vertrauen in natürliche Lebensprozesse, Zuwendung und Zeit und gesunder Menschenverstand sind gute Grundlagen für entspannteres "Erziehen". Das Wälzen von Büchern kann eher verwirren und verunsichern.
Werdet eure eigenen Experten!
Mein Wort zum Sonntag:
Episode 1 Was ist ein Mensch wert?
Episode 2 Wem nutzen Froh-Sinn und Spiel-Chaos auf Steemit?
Episode 3 Steemit - Quo Vadis?
Episode 4 Mensch - Quo Vadis?
Episode 5 Bildung - Quo Vadis?
Episode 6 Die Kunst des Schreibens - Erwische den richtigen Flow
Episode 7 Prioritäten - Flow oder Perfektion?
Episode 8 Alles Leben kommt aus der Natur
Episode 9 Der Ton macht die Musik
Episode 10 Kinder als Zielgruppe im Visier
Episode 11 Regenbogen und Zebra als Freund und Helfer bei Stimmungstiefs
Episode 12 Train your brain
Episode 13 Urlaub - Steem ON und Steem OM
Episode 14 Thanksgiving - Erntedank Einmal im Jahr dankbar sein
Episode 15 Egal was kommt, mach was draus!
Episode 16 Große und kleine Abschiede fordern
Episode 17 Naturwissenschaft braucht Beziehung zur Natur
Episode 18 Leere
Episode 19 Schule spielen
Episode 20 Klarheit fordert mich
Episode 21 Was ist bloß los mit mir?
Episode 22 Warum ich mir Tags für Kommentare wünsche
Episode 23 Human Beings oder Human Doings
Episode 24 Sätze, die zurück ins Leben bringen können
Episode 25 Abschiednehmen mit Herman Hesse, Echt und mehr...
Episode 26 Warum Lob unsere Entwicklung hemmt
Episode 27 Was ist bloß mit meinen Erinnerungen los?
Episode 28 Kinder brauchen#1 Märchen
Episode 29 Kinder brauchen #3 Grenzen