Für uns alle ist es normal, dass Kinder spielen.
Das Spiel und Kinder gehören zusammen. In unserer Konsumgesellschaft gibt es immer mehr Angebote, die auf Kinder zugeschnitten sind. Neben dem Spielzeug betrifft das auch Nahrungsmittel (Gesichtswurst, Kindersekt), Kleidung (Superman oder Kitty T-Shirts) oder auch Events (Mac Donalds Geburtstagsparty, Freizeit- oder Indoorparks). Kinder sind längst von Werbung und Industrie entdeckt als potentielle Kunden.
Die Frage, was Kinder brauchen, wird immer weniger gestellt. Ich wähle das Beispiel Spiel-Zeug, weil diese Entwicklung hier am deutlichsten wird und die größten Auswirkungen hat. Spiel ist nämlich nicht nur "Unterhaltung" oder "Beschäftigung".
Für uns alle ist es normal, dass Kinder lernen wollen/müssen.
In den ersten Jahren lernt das Kind sehr viel in sehr kurzer Zeit. Warum? Weil es sich selbständig und spielerisch entwickelt. Dafür bringen die neuen Erdenbürger bereits alles mit: Neugier, Ausdauer, Eigenantrieb, Spielfreude, Nachahmungsfähigkeit und ein noch nicht vollgestopftes Gehirn, in dem sich in kürzester Zeit viele neuronale Bahnen entwickeln.
Dies möchte die Pädagogik nutzen für Institutionen (Kita-Konzepte mit Qualitätsmanagement) und sie werden dabei von der "Spielzeugindustrie" unterstützt. Lernspiele, Kinder PCs und Englischkurse für Kindergartenkinder sind das Ergebnis.
Die einzelnen Spiele dienen dabei - neben dem Lernen an sich - meistens einem bestimmten Zweck. Zahlen, Wörter, Flughafen, soziale Kompetenz, die Uhr, eine Arztpraxis etc. können mit Hilfe von Büchern oder Spielen nahe gebracht werden.
Zweckgebundenes Spiel vermittelt Wissen aus dritter Hand
Erfahrungswissen ist eine wichtige Grundlage für das spätere Leben, für das Selbstbild und für Individualität. Hilfen zum Gehenlernen haben sich nicht bewährt. Ein Kind entdeckt eigenständig seinen Körper, die Schwerkraft und seine Umgebung. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Kind Naturbücher betrachtet oder ob es sich selbst in der der Natur bewegen und forschen kann. In den ersten Lebensjahren wird nicht nur die Beziehung zu den direkten Menschen im Umfeld des Kindes, sondern auch seine Beziehung zur Umwelt aufgebaut.
Ein Kind, das viel draußen spielen kann (ohne Spielzeug), legt den Grundstein für naturwissenschaftliches Verständnis und Interesse: Ein Blatt schwimmt auf dem Wasser der Pfütze/Bach..., während ein Stein untergeht (Physik). Alle vier Elemente (Sonne, Wind, Wasser und Erde) können am eigenen Leib erfahren werden.
Eine Sandkiste ist zwar "sauberer", dafür aber ziemlich leblos.
Die Jahreszeiten werden spielerisch wahrgenommen, und der Weg von der Blüte zum Apfel kann nachvollzogen werden (Biologie). Kinder sind der Natur noch näher verbunden als wir Erwachsenen. Wir sehen, was dies mit unserem Planeten macht...
Nur wer etwas liebt/schätzt, ist auch bereit dies zu schützen und zu ehren.
Spielerisches Lernen wird verlernt
In unserer Gesellschaft wird das Hauptaugenmerk auf den Kopf (Verstand, Wissen) gelegt, dabei kommt doch das "ganze" Kind in die Schule. Der natürliche Spiel- und Lernimpuls kann in der Schule nicht mehr berücksichtigt werden, weil es die Strukturen anders vorgeben: der zeitlich festgelegte Rahmen, die Lehrpläne und die vielen Individuen in einer Klasse, die alle anders sind, andere Interessen und anderes Vorwissen haben... all das erstickt die Eigenimpulse der Kinder.
Lernen wird auf einmal schwierig.
Wenn ich etwas lernen muss, was mich überhaupt nicht interessiert, brauche ich viel länger dazu. Bei vielem fragt sich das Kind/der Jugendliche vielleicht, warum er das überhaupt lernen soll. Das weckt eher Unwillen oder Trotz als Motivation. Oft macht Lernen keinen Spaß mehr und das ist schade, denn wir können ein Leben lang lernen.
Pures Auswendiglernen erstickt Lernfreude und Kreativität.
Ken Robbinson - Does school kill creativity?
Kreativität erlahmt bereits im Kinderzimmer. Viel Spielzeug überfordert die Spiellust und zweckgebundenes Spielzeug unterfordert die Kreativität. Wenn ein Kind Bauklötze hat, kann es jede Menge konstruieren und erbauen. Außerdem kann ein Baustein auch als Bügeleisen fungieren, eine Buchreihe in einem Bauklötzchen-Regal darstellen, es kann eine Spielfigur werden oder ein Bett. Dafür braucht man Vorstellungsvermögen und Ideen. Da das meiste Spielzeug bereits alles "zur Verfügung" stellt (Barbyhaus, Kinderküche...), gibt es wenig Raum für Kreativität.Beispiel Legos: Wir hatten als Kinder noch keine Fenster, Dachpfannen, Stühlchen, Tische, ... und mussten selbst überlegen, wie wir diese konstruieren können. Das macht übrigens viel mehr Spaß als 2 Tage lang mit der Bauanleitung systematisch das Piratenschiff zusammenzusetzen 😉. Und wir waren immer stolz auf unsere Lösungen.
Gebt den Kindern Möglichkeiten für Kreativität und freies Spiel (in der Natur)
Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
Friedrich Schiller
Mein Wort zum Sonntag:
Episode 1 Was ist ein Mensch wert?
Episode 2 Wem nutzen Froh-Sinn und Spiel-Chaos auf Steemit?
Episode 3 Steemit - Quo Vadis?
Episode 4 Mensch - Quo Vadis?
Episode 5 Bildung - Quo Vadis?
Episode 6 Die Kunst des Schreibens - Erwische den richtigen Flow
Episode 7 Prioritäten - Flow oder Perfektion?
Episode 8 Alles Leben kommt aus der Natur
Episode 9 Der Ton macht die Musik
Episode 10 Kinder als Zielgruppe im Visier
Episode 11 Regenbogen und Zebra als Freund und Helfer bei Stimmungstiefs
Episode 12 Train your brain
Episode 13 Urlaub - Steem ON und Steem OM
Episode 14 Thanksgiving - Erntedank Einmal im Jahr dankbar sein
Episode 15 Egal was kommt, mach was draus!
Episode 16 Große und kleine Abschiede fordern
Episode 17 Naturwissenschaft braucht Beziehung zur Natur
Episode 18 Leere
Episode 19 Schule spielen
Episode 20 Klarheit fordert mich
Episode 21 Was ist bloß los mit mir?
Episode 22 Warum ich mir Tags für Kommentare wünsche
Episode 23 Human Beings oder Human Doings
Episode 24 Sätze, die zurück ins Leben bringen können
Episode 25 Abschiednehmen mit Herman Hesse, Echt und mehr...
Episode 26 Warum Lob unsere Entwicklung hemmt
Episode 27 Was ist bloß mit meinen Erinnerungen los?
Episode 28 Kinder brauchen#1 Märchen
Episode 29 Kinder brauchen #2 Grenzen
Episode 30 Kinder brauchen #3 Gesunden Menschenverstand
Episode 31 Kinder brauchen #4 Einfühlungsvermögen
Episode 32 Kinder brauchen #5 eine Gesellschaft, die Kinder wertschätzt