2019 war ein Ereignis reiches Jahr und emotional sehr herausfordernd für mich. Nach einem wundervollen Start mit meinem Lieblingsmenschen begann sehr schnell eine Achterbahnfahrt, die erst seit Kurzem beendet ist. Eine Hiobsbotschaft stoppte den fulminanten Beginn, ließ mich wieder zur Raucherin werden und barg große Lern- und Entwicklungschancen. Wir waren auf allen Ebenen mit Themen konfrontiert, die man eigentlich noch gar nicht in seinem Leben haben möchte.
Das Leben sieht das anders.
Es ändert einfach die Marschroute und wir haben uns durch viel Dickicht hindurchgewühlt. Dabei habe ich sehr viel über mich lernen und völlig neue Erfahrungen machen dürfen. (Hoffnung und Heilung, Demut und Loslassen, Neid und Liebe, Trotz und Stolz, Erlösung und Neubeginn) Unsere tiefe Seelenverbindung hat trotz aller Widrigkeiten bis zum Schluss ein tragendes Fundament gebildet. Es gab ja auch sehr viel Schönes und Berührendes. ❣️ Beides - die Herausforderungen und die Highlights - ist sehr wertvoll für mich/uns und ich bereue nichts.
Dass uns das Leben nur ein Jahr und kein Happyend "gegönnt" hat, ist eigentlich stimmig und hat für eine enorme Intensität gesorgt. Im Rückblick kann ich das so sagen und meinen Frieden damit machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Mein Lieblingsmensch ist schon mal vorgegangen...
Ich sehe Tod und Sterben jetzt anders.
Auch meinen Vater habe ich im letzten Jahr in seinen letzten Wochen intensiv begleiten dürfen. Da ich in seinem Klinikzimmer "mitwohnen" durfte, habe ich alle Phasen seines Abschieds miterlebt. Von Wut über Verzweiflung hin zu existenziellen Fragen, die man sich erst stellt, wenn das Sterben akzeptiert wird. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass die Angehörigen auch an diesen Punkt kommen.
Als mir klar war, er wird sterben, konnte ich ganz anders mit ihm reden. Tröstliche Antworten auf seine Fragen gab es nicht mehr. Kein Ausweichen und kein Ablenken.
Was kann ich denn tun?
Es gibt nichts mehr zu tun. Nicht für dich, nicht für die Ärzte und nicht für mich...
Wie kann ein Sterbender solche Fragen stellen, wenn er seine Frau in ihrem tiefen Schmerz sieht, den sie durch optimistische Hoffnungsgedanken betäubt? Es ist kein Wunder, dass die meisten Menschen in dem Moment sterben, in dem sie allein sind.
Mein Wunsch ist, dass alle Angehörigen ihren eigenen Frieden finden und es damit dem Sterbenden erlauben, über seine eigenen Ängste und Fragen zu sprechen.
Natürlich geht das nur, wenn Gespräche noch möglich sind. Allerdings glaube ich inzwischen, dass es auch eine andere Form der Kommunikation gibt. Ich habe meinem Vater viel erzählt, auch wenn er weggedämmert war. Ähnlich wie bei Menschen, die im Koma liegen und dennoch Vieles mitbekommen, was um sie herum passiert.
Reden und offenes Zuhören (wo steht der Sterbende gerade?) sind fast noch wichtiger als Händchenhalten!
Der Tod ist ein großer Lehrmeister.
Was zählt wirklich? Worum trauere ich? Bin ich wirklich bei dem Sterbenden oder sitze ich in meinem Schmerz fest? Hier kann viel Klarheit entstehen und das Ego lernt Demut kennen. Es hat niemals etwas im Griff und es gibt Momente im Leben, wo es mal den Mund halten sollte.
Eine Zeit lang hatte ich das Gefühl, dass unter den Angehörigen und Freunden eine Art Konkurrenzkampf herrscht, wer dem Sterbenden nun am wichtigsten sei. Viele "Egos" wollten der Tröster für den letzten Moment sein. Bis auch das irgendwann unwichtig wird... Nicht irgendwann, sondern ab dem Moment, wo der Sterbende das Wichtigste ist.
Dann ist auch die Angst vor dem eigenen Tod nicht mehr so präsent. Das Gefühlsdurcheinander kann sich beruhigen, wenn wieder klar ist, worum es denn eigentlich geht. Ein lieber Mensch steht an der Schwelle in eine neue Welt. Dafür braucht er einen klaren Abschied von Altem, von Schuldgefühlen und von der Sorge um die Zurückbleibenden.
Hilfreich ist eine Idee, wo die Reise hingeht. Gibt es eine Vorstellung von einem neuen "Heimatort", dann fällt der Abschied leichter. In einer Zeit, in der die Bedeutung von Religion immer weniger wird, haben sich viele Menschen eine eigene Vorstellung gebastelt oder das Nachdenken über den Tod auf später verschoben. Wenn wir den Tod ausklammern, überrascht er uns auf dem linken Fuß...
Der Tod gehört zum Leben dazu und bereichert es.
Jeder Tag könnte dein Letzter sein! Alles geht einmal zu Ende... Es begann mit einer lebensfrohen Lebendigkeit, die mir in ihrer Tiefe neu war. Die folgenden 10 Monate waren dann auch der Auseinandersetzung mit dem Tod gewidmet. Ich habe keine Angst mehr vor dem Sterben und auch nicht vor dem Tod. Das Leben hat eine neuartige Tiefe gewonnen. Danke an meine beiden Männer, die mich haben Anteilnehmen lassen! Dies waren zwei großartige Geschenke für meine eigene Lebensreise...
Ein besonderes Lied zum Abschluss "Exodus" - Pat Boone
Ich habe es bereits gepostet, es passt aber so wunderbar. Meinem Vater habe ich es vorgespielt und wir haben es als Anlass genommen über seinen "Exodus" zu sprechen... das Finden einer neuen Heimat...
Himmelsstrahlen von Gerd Altmann auf Pixabay
Portaltreppe von Pete Linforth auf Pixabay
Regenbogen von Wilhan José Gomes wjgomes auf Pixabay
Mein Wort zum Sonntag:
Episode 1 Was ist ein Mensch wert?
Episode 2 Wem nutzen Froh-Sinn und Spiel-Chaos auf Steemit?
Episode 3 Steemit - Quo Vadis?
Episode 4 Mensch - Quo Vadis?
Episode 5 Bildung - Quo Vadis?
Episode 6 Die Kunst des Schreibens - Erwische den richtigen Flow
Episode 7 Prioritäten - Flow oder Perfektion?
Episode 8 Alles Leben kommt aus der Natur
Episode 9 Der Ton macht die Musik
Episode 10 Kinder als Zielgruppe im Visier
Episode 11 Regenbogen und Zebra als Freund und Helfer bei Stimmungstiefs
Episode 12 Train your brain
Episode 13 Urlaub - Steem ON und Steem OM
Episode 14 Thanksgiving - Erntedank Einmal im Jahr dankbar sein
Episode 15 Egal was kommt, mach was draus!
Episode 16 Große und kleine Abschiede fordern
Episode 17 Naturwissenschaft braucht Beziehung zur Natur
Episode 18 Leere
Episode 19 Schule spielen
Episode 20 Klarheit fordert mich
Episode 21 Was ist bloß los mit mir?
Episode 22 Warum ich mir Tags für Kommentare wünsche
Episode 23 Human Beings oder Human Doings
Episode 24 Sätze, die zurück ins Leben bringen können
Episode 25 Abschiednehmen mit Herman Hesse, Echt und mehr...
Episode 26 Warum Lob unsere Entwicklung hemmt
Episode 27 Was ist bloß mit meinen Erinnerungen los?
Episode 28 Kinder brauchen#1 Märchen
Episode 29 Kinder brauchen #2 Grenzen
Episode 30 Kinder brauchen #3 Gesunden Menschenverstand
Episode 31 Kinder brauchen #4 Einfühlungsvermögen
Episode 32 Kinder brauchen #5 eine Gesellschaft, die Kinder wertschätzt
Episode 33 Kinder brauchen #6 Spiel und Kreativität für Lernfreude
Episode 34 Nur der Mensch kann Fragen stellen...
Episode 35 "Mangel" - der besondere Antriebsmotor
Episode 36 Ein neuer Delfin schwimmt sich frei - Coole wissenschaftliche Lach Fake Übung von Vera Birkenbihl
Episode 37 Der Adventskalender und seine Geschichte der Kommerzialisierung - Alternative Kalender(aktionen)
Episode 38 Ich will alles, und zwar sofort! Der Wert der Geschenke, des Wartens und der Vorfreude
Episode 39 7 Tage Auszeit für den Jahreswechsel
Episode 40 Das Leben als Geschenk für mein Jahr mit dem Tod