Hallo Steemians, wie geht’s euch?
Heute möchte ich eine Geschichte über meine erste Tage in Deutschland erzählen.
Nach dem langen Kampf um mein erstes Besuchsvisum (darüber würde ich ein anderen Mal noch berichten) war ich endlich in DE gelandet.
Das war im Dezember und eine harte Winterzeit, sodass der Fluss sogar gefroren war.
Außerdem hatte ich eine schlimme Husten. Damals gab es die H1N1-Ausbruch sodass ich noch Angst hatte, dass ich trotz Visum Deutschland nicht betreten durfte.
Das Visum-Problem hatte mir ja ein Jahr lang Alpträume „geschenkt“.
Trotz allem habe ich unvergessliche Erfahrungen in dieser Reise gesammelt.
Es war meine erste Auslandsreise und ich sprach noch kein Wort Deutsch, aber ich flog alleine nach Deutschland. Der ursprüngliche Plan war sogar, dass ich mit dem Zug von Frankfurt nach Saarbrücken alleine fahren sollte.
Ein Freund von Jaki, der zufällig in Frankfurt wohnt, hätte mir dann beim Kauf des Zugtickets vor Ort helfen sollen.
Der Jaki war nicht gerade fit und musste auch arbeiten.
Am Ende hat sein Vater ihm doch zum Flughafen gefahren, um mich abzuholen.
Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, wie mutig und impulsiv ich eigentlich war. :-D
Zum Glück war meine Einschätzung doch nicht daneben gegangen.
Ich habe keine böse Erlebnisse getroffen, ich bin bis jetzt noch mit demselben Mann verheiratet und wir haben jetzt sogar eine schöne Tochter hahaha.
Sicher habe ich mich damals bereits informiert, wie ich meine Botschaft kontaktieren könnte bzw. welche Not-Rufnummer für mich relevant sind, aber Freunde in der Stadt meines Freundes (jetzt Ehemann) hatte ich noch keine.
Damals waren sozialen Netzwerken wie Facebook noch nicht so verbreitet wie jetzt. Ich kannte nur ein paar Freunden aus dem Forum 'info4alien', die leider sehr weit von dieser Stadt wohnen. Das ist ein Internetportal, in dem man Infos über das Ausländerrecht bzw. Visums-Probleme austauschen kann. Mein Mann hat diese Freunde dort kennengelernt, die auch eine Beziehung mit indonesischen Frauen haben.
Ansonsten hatte mich oft in die Mensa der lokalen Universität gebracht, damit ich neue Freunde kennenlernte und gleichzeitig einen Aussicht über mögliche Zukunft hier bilden konnte (es gab in dieser Uni zufällig einige indonesischen Studenten in diesem Moment).
Ich konnte hier studieren zum Beispiel.
Als ich angekommen war, hatte Jaki keinen Urlaub. Das ist sowieso teilweise der Hintergrund meines Besuches. Wir sollen herausfinden, ob ich ihn (oder umgekehrt) im stressigen alltägliches Leben aushalten können.
Winter ist sicher ein passender Zeitpunkt, wenn wir meine „Belastbarkeit“ testen möchte. :-D
Weil er jeden Tag arbeiten ging, musste ich also eigene Beschäftigung ausdenken.
Ich hatte zwar ein großes Projekt, Deutsch so schnell wie möglich zu lernen, aber ich konnte ja nicht 8 Stunden am Tag nur am Tisch zu Hause sitzen.
Jakis Vater half mir beim Lernen, aber achtstündiges Lernen ohne Kollegen ist langweilig. :-D Und das war immerhin einen Urlaub für mich, meine erste Reise im Ausland.
Also… ich versuchte die Stadt selbständig zu erkunden.
Wir wohnten damals im Stadtzentrum und ich hatte eine Monatskarte für die öffentliche Verkehrsmittel.
Das alleine Bummeln durch die Stadt bzw. kleine Einkauf konnte ja eventuell als Übungsmaterial für mein Hörverstehen und Konversationstraining. _
Ich habe einfach immer so gedacht: Falls ich verfahren würde und wusste nicht mehr wo ich wäre, würde ich ich einfach wieder zurück mit demselben Bus fahren LOL.
Und als ich zu Fuß bummelte, dachte ich: „Ah ja, wie weit konnte ich verlaufen bevor mein Fuß weh tut? Bestimmt nicht weit, vor allem wenn ich schicke Schuhen mit hohem Absatz anziehe. :-D “
Ich hatte also keine große Sorge.
Das erste Mal, dass ich alleine durch die Stadt herumbummelte, habe ich die Umgebung unserer Wohnung genauer beobachtet, den Namen der nächstgelegenen Straße und die anderen Schilder notiert. In dieser Gelegenheit war ich eigentlich nicht zu weit gegangen.
Unsere Wohnung war nur 10 Minuten zu Fuß zum nächsten Einkaufzentrum und die Ladenstraßen entfernt. Die schöne Promenade entlang des Flusses war auch ganz in der Nähe.
Trotzdem konnte ich meine Wohnung danach nicht mehr finden, als ich nach Hause gehen wollte. T_T.
Ich wollte aber niemandem um Hilfe bitten.
Das war aber nicht aus Angst, diese Frau ist einfach viel zu hartnäckig oder besser gesagt, zu stur LOL.
Das kann doch nicht wahr sein, dass ich trotz der kurzen Entfernung (ca. 1 Km) immer noch verloren gehen könnte.
Wie blöd war ich denn?!
„Ich sah doch schon das richtige Schild, worauf der Name der nächstgelegenen Straße von unserer Wohnung stand, meine Wohnung sollte gleich hinter diese Gebäude stehen,“ so sagte ich mir immer wieder.
Das stimmte aber nicht. Ich habe meine Wohnung nicht gesehen.
Ich ging dann in die anderen kleinen Gasse rein und versuchte die andere Route zu suchen. Vielleicht könnte ich diesmal Gluck haben, aber ich war immer und immer wieder zu derselben Gegend gekommen ohne dass ich meine Wohnung finden konnte. Der kleine Spaziergang ist zu einer abenteuerlichen Wanderung geworden. :-D
Am Ende habe ich doch mit Verzweiflung aufgegeben und Jaki angerufen, da er bestimmt schon zurück von der Arbeit kam. Ich hatte keine Lust mehr zu kochen, dann sollten wir einfach gleich draußen essen.
Das Einkaufzentrumsgebäude ist ja sehr hoch, dass ich es leicht sehen und wiederfinden konnte.
Ich ging einfach ins Einkaufzentrum mit schmerzenden Sohlen zurück und ließ Jaki mich dort abholen.
Als ich ihm darüber erzählte, hatte er natürlich kaputt gelacht.
Und wisst ihr warum?
Vielleicht könnten Einige von euch tatsächlich bereits richtig tippen:
JA, das Straßenschild, das ich sehr vorsichtig notiert hatte, zeigte also den Begriff „Einbahnstraße“!!!
Klar, kein Wunder dass ich STUNDENLANG nur in einem Kreis wanderte.
Es gab ja in Saarbrücken zahlreiche Einbahnstraße! Ich war bestimmt schon mehrmals sehr nah von meiner Wohnung, trotzdem erkannte ich die Gegend gar nicht.
Quelle: pixabay
Also, ich habe tatsächlich einen sehr schlechten Orientierungssinn. _
Bis jetzt muss ich auch immer den Fahrplan an der Haltestelle ansehen um sicher zu sein, dass ich nicht an der falschen Haltestelle stehe. Es ist sehr ärgerlich, wenn ich dann sehe, dass der von mir erwartete Bus an der Haltestelle über die Straße hält.
Es ist schon oft passiert, wenn ich in Eile bin 。(▽)ゞ
Seitdem es Smartphone gab, ist es etwas bequemer für mich. Ich schalte einfach mein Navi-App ein! 。゚(TヮT)゚。
Mein Mann sagte mir so: „Hmmm… weißt du Ana? Es ist eigentlich sehr einfach. Wenn du deine Orientierung wieder verlierst, geh einfach immer genau in die Richtung, die du als falsch glaubst!“
Das klingt sehr irrwitzig oder? Ist es auch. Ich verstehe auch nicht, wie mein Gehirn arbeitet, wenn es um Geographie geht. Ich gehe tatsächlich immer genau in die Gegenrichtung der korrekten Straße, wenn ich eine Verzweigung sehe (✿ꈍ。(´∀`)
Ok..das ist alles für heute. Wir sehen uns wieder!