Habe diesen Text in meinen alten Unterlagen gefunden und dachte es hilft, inspiriert oder motiviert so manchen im Leben. Lasst gerne einen Kommentar da mit eurer Meinung :)
Wir kommen auf die Welt und schlagen eines Tages die Augen auf. Dann überschlagen wir die Chancen, die wir haben im Leben voranzukommen. Wir prüfen unsere Fähigkeiten rechnen mit unseren Möglichkeiten und siehe da, gleich neben uns gibt es Menschen die in irgendeinem Punkt besser da stehen als wir selbst. Sie sind klüger, schöner, reicher, einfach nur besser als wir. In irgendeiner Weise sind diese Anderen bevorzugt auf die Welt gekommen. Das Schicksal ist ungerecht. Schon von den Startlöchern her scheint es die einen zu begünstigen und die anderen ins Hintertreffen zu setzen. Und solange wir uns fragen, inwieweit wir besser oder schlechter sind als andere, werden wir immer jemanden treffen, der geringer ist als wir, um ihn zu verachten, und der besser ist als wir, um uns selbst zu verachten.
Wenn wir uns einmal vorstellen, es käme im unserem Leben überhaupt nicht darauf an, wie wir in Bezug zu anderen abschneiden. Die einzige wesentliche Frage unseres Lebens bestimmte vielmehr darin, wie wir mit dem umgehen was Gott uns gegeben hat. So könnte auf der Stelle Frieden unser Herz einkehren. Denn Gott wird uns nicht danach fragen, warum wir nicht Mose und Abraham gewesen sind. Gott wird uns ganz nüchtern und einfach fragen, warum wir es unter Umständen versäumt haben, mit all unseren Fähigkeiten und Anlagen wir selber zu werden - nicht mehr, nicht weniger. Die ganze Kunst unseres Lebens könnte dann dem Bestreben gelten, das eigene Maß zu finden und uns selber darin schätzen zu lernen; und die ganze Kunst im Umgang könnte darauf gerichtet sein, einander das Gefühl zu vermitteln, so, wie man selbst ist, absolut berechtigt, gut und vor Gottes Augen einzig richtig dazustehen.
Wir Menschen sind voller Widersprüche, von denen ein jeder mit einem Leben sich abzusichern sucht, indem man sich sagt: „Ich wüsste schon wo meine Wahrheit lege aber ich will um Himmels willen nichts riskieren. Ich wüsste schon welche Träume in mir schlummern würden, aber mir fehlt der Wagemut dazu. Besser ist, ich überlasse Phantasie und Unternehmungslust den Größeren, denen die dafür gemacht sind. Ich verspüre wohl eine gewisse Lebensenergie in mir, aber ich fühle mich zu schwach und ungesichert, denn neben mir stehen andere, größere, stärkere, bessere, klügere schönere - Bevorzugte eben. Nein nur nicht etwas riskieren, nur nicht mich preisgeben, nur nicht mich wagen.“
Die Evangelien überliefern übereinstimmend, das bittere Worte Jesu. Wer sein Lebensprinzip einzig darauf gründe, sein Leben retten und bewahren zu wollen, wird es mit tödlicher Sicherheit verlieren. Man werde am Ende völlig leer dastehen und es ist überhaupt nichts im Leben herausgekommen. Offensichtlich liebte Jesus gegenüber den ängstlichen Verweigern, die göttlichen Abenteurernaturen, die vertrauensvoll wagemutigen, die, kaum etwas in der Hand haben und etwas unternehmen.
Gewiss kann man scheitern und man kann das Scheitern fürchten. Aber wer nur das Scheitern fürchtet, scheitert sicherlich, denn er kommt nicht dazu überhaupt auch nur irgendetwas zu tun.
Alles sollten wir wagen und riskieren, denn unser Leben ist groß genug und dazu bestimmt fruchtbar zu sein. Täten wir so nicht müssten wir sprichwörtlich uns selbst „vergraben“. Wir werden lebendige Tote und am Ende hätten wir nie etwas falsch gemacht, aber auch nie gelebt und diese Möglichkeit ist schlimmer als alles andere. Man kann an der Wirklichkeit scheitern gewiss, aber wenn man andauernd an seiner eigenen Angst scheitert, suchen uns nach und nach Depressionen heim. Diese Art ist Scheiterns, ist das Scheitern an sich selbst und an der eigenen Angst verzeiht das Leben nie. Alle Fehler meinte Jesus, würde Gott uns vergeben. Nur die Dauerangst, die am Ende zu überhaupt nichts führt, finde in Gott selbst schließlich ihren eigenen Widersacher. Wenn ihr in der Sache Gottes nicht unser Herz in die Hand zu nehmen und uns zu riskieren wagen, schutzlos, ausgesetzt und entschlossen, so werden wir am Ende selber aus ausgeschlossen, einsam und wohl dastehen.
aus: Eugen Drewermann, Tiefenpsychologie und Exegese, Bd. 2, 1991.