Ihr Lieben,
Vor etwas mehr als einer Woche verabschiedete ich mich vorerst von euch.
Am Samstag letzte Woche sollte unser Umzug starten. Die Nachmieter hatten immer noch nicht den Mietvertrag unterschreiben können, da die Wohnungsbaugesellschaft mehrere Tippfehler eingebaut hatte. Also wieder ein Stein mehr und dabei hatte ich gehofft, dass mir diese Last endlich abgenommen werden würde. Ich wollte nicht mehr zittern. Die letzte Zeit hatte ich mit packen, räumen, organisieren und telefonieren verbracht.
Die Nachmieter konnten aber nur am Samstag einziehen, wenn wir ausziehen. Sie baten mich darum unseren Schlüssel zu bekommen, damit sie die Möbel zumindest schon hochbringen können. Ich bat die Beiden darum diesen Sachverhalt direkt mit der Vermietung zu klären.
Es wäre nicht verboten, aber wenn die Beiden die Wohnung nicht bekommen würden, dann müssten die Sachen wieder raus. Okay. Mir ja dann letzten Endes egal.
Am Freitag Abend reiste ein Freund von Fehmarn an, um uns am nächsten Tag zu unterstützen. Alle anderen Freunde? Tja, denen war es wohl zu heiß. Wir kassierten eine Absage nach der anderen. Ein befreundetes Pärchen half uns noch beim Umzug. Also organisierte ich in letzter Minute zwei Studenten, die uns gegen Geld helfen würden. Hauptsache mein Freund müsste nicht so viel tragen (aufgrund des Bandscheibenvorfalls wäre das keine gute Idee).
Am nächsten Morgen starteten wir bereits um 07.00 Uhr und schleppten die ersten Sachen runter. Mein Freund fuhr nach Kiel um den Transporter abzuholen. Da gab es bereits die ersten Probleme. Das Auto hatte ich über meinen Namen ,,bestellt", aber die Kreditkarte meines Freundes benutzt, da ich selbst keine besitze. Das Abholen des Transporters hat aufgrund dessen 45 Minuten gedauert.
Zusammen mit den beiden Studenten kam dann der Transporter an und es konnte losgehen. Die Wohnung war relativ schnell leer, allerdings war es brütend heiß und absolut anstrengend.
Um 12.00 Uhr kamen die Nachmieter und brachten die ersten Sachen in unsere Wohnung, während wir von oben ausräumten.
Wir mussten zwei Mal mit dem Transporter fahren, da nicht alle Möbel Platz hatten. Als der zweite Transporter dann voll war, fuhren wir in die neue Wohnung.
Dort konnten wir die Möbel netterweise auf dem Heuboden zwischenlagern. Während die Männer die letzten Dinge hochbrachten und wir Frauen draußen im Strandkorb zwischen den Pferden die Ruhe genossen, klingelte mein Handy. Wir hatten die Wohnungstür für die Nachmieter offen gelassen. Die mussten noch ein paar Möbel reintragen und wir haben Sie gebeten, die Tür hinter sich zuzuziehen, sobald sie fertig sind.
Ich las folgende Whats App Nachricht:
,,Das ist ja witzig. Kaum sind wir hier, geht schon was kaputt."
Darüber ein Bild unserer zerbrochenen Scheibe in der Wohnzimmertür. Ich brach in Tränen aus. Ich war durchgeschwitzt, hungrig und nach den letzten Wochen psychisch und körperlich einfach kraftlos. Und jetzt das. Als ich meinem Freund das Foto zeigte, schüttelte er mit dem Kopf und konnte es einfach nicht fassen.
Womit haben wir so etwas verdient? Warum kann im Moment nichts gelingen?
Wir waren ja noch Mieter dieser Wohnung und werden auch dafür zur Verantwortung gezogen. Ich legte mein Handy weg und versuchte mich zu entspannen. Ändern konnte ich es eh nicht mehr.
Mein Freund ging auf den Heuboden und suchte sein Ladekabel, dass ich ausversehen in einen der Kartons gesteckt hatte. Wir brauchten jetzt dringend Essen und eine Dusche (mittlerweile war es 21 Uhr). Der Transporter musste auch noch weggefahren werden.
Wir saßen alle bereits in den Autos als es oben laut knallte. Der große Spiegel (gerade neu gekauft) fiel um und zerbrach in tausend Teile.
,, Ja mein Freund, das gibt sieben Jahre Pech," sagte unser Freund.
Ja schlimmer kanns ja nicht werden.
Auf einmal eine SMS meiner Mutter:
,,Hallo mein Schatz. Ich hoffe ihr habt den Umzug gut überstanden. Wir sind übrigens gerade nach Hause gekommen. Haben den Urlaub abgebrochen. Dietmar hatte einen Fahrradunfall in Kroatien, hat geprellte Rippen und braucht sein Bett."
Nicht dein Ernst oder? Erst einmal war ich natürlich froh, dass ihm nichts Schlimmeres passiert ist. Aber die Wohnung meiner Mutter sollte in den nächsten Tagen unser Heim werden. Doch zu unserem Glück konnten wir trotzdem bei ihr Unterschlupf finden.
Nun lebten wir 3 Tage in meinem alten Kinderzimmer. 3 Tage in denen wir in der neuen Wohnung alles hätten schaffen können.
Am Dienstag Abend bekamen wir dann endlich die Schlüssel. Mittlerweile war ich erneut krank geworden. Eine Mittelohrentzündung machte mir zu schaffen. Doch es musste auf jeden Fall das Bett noch aufgebaut werden. Also versuchten wir zwei irgendwie dieses massive Bett vom Heuboden in die Wohnung zu tragen. Das Problem:
Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Körperlich und psychisch nicht. Wir mussten unzählige Male Pause machen auf dem Weg und immer wieder brach ich in Tränen aus. Meine Arme, meine Beine..alles brannte. Und dann passierte es. Ich konnte das Bett nicht mehr halten und es rauschte mir in hohem Tempo auf den Fuß. Mehrere Blutgefäße platzten und mein Fuß wurde dick. Egal, weiter gehts. Doch als ich mir dann eine scharfe Kante des Bettes über den Zeh zog und meine erste Hautschicht absäbelte, war Schluss.
Ich fing unkontrolliert an zu weinen und habe alles um mich herum verflucht.
Seitdem kann ich meinen Zeh nur noch mit Mühe bewegen. Die Heilung dauert jetzt einfach seine Zeit. Meine Mittelohrentzündung heilt gerade aus. Meine Psyche wird wohl noch ein wenig brauchen.
In den nächsten Tagen werde ich euch endlich tolle Geschichten erzählen können. Wir haben in der kurzen Zeit schon viel erlebt hier. Wir sind auf jeden Fall gut angekommen und hoffen, dass auch wir jetzt endlich wieder gute Zeiten durchleben dürfen.
Ich hoffe ich habe hier nicht allzu viel verpasst und drücke euch!