Heute ist mir wieder aufgefallen, wie sehr wir in unseren gesellschaftlichen Konventionen gefangen sind und wie frei es doch sein kann, sich so zu verhalten wie man möchte. Vor mir lief eine Person, die offensichtlich geistig beeinträchtigt war und fröhlich alle Leute anquatschte inklusive mir. Am offensten sind meistens Kinder und Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Kindern wird dieses Verhalten jedoch ganz schnell abtrainiert, da es gesellschaftlich verpönt und zu Gefahren führen könnte.
Diese Offenheit und Fröhlichkeit einfach die eigenen Gefühle auszudrücken ohne sich vor Regressionen oder Scham zu fürchten, vermisse ich oft.
So ist mir in der U-Bahn vor einigen Jahren ein Jugendlicher aufgefallen, der seiner offensichtlichen Bewunderung für die U-Bahn keine grenzen lies. Unentwegt schaute und fasste er alles an, stieg auf die Sitze, um wirklich alles genau betrachten zu können, dann zählte er die Stationen ab und schrie freudig, wie viele Stationen er noch in dieser geilen geilen Bahn verbringen darf. Dies wiederholte er bei jeder Station. Selten durfte ich so viel Wertschätzung für den gerade stattfindenden Moment erleben und dies in einer Situation, die den meisten Menschen verhasst ist; warten bis man am Ziel angekommen ist.
Vielleicht sind wir, die sooft kopflastig denken und so verschlossen sind, dass wir uns nur mit uns selbst beschäftigen, eigentlich behindert.
Zum Glück gibt es heute die unterschiedlichsten Plattformen auf denen wir uns äußern können, wenn sich im Alltag niemand für unsere Meinung interessiert und wir uns nicht trauen, uns in der Öffentlichkeit auszudrücken.
Oder wir vergessen das nächstemal den skeptischen Blick und freuen uns über die Menschen, die sich offen auf der Straße ausdrücken.