Vorgeschichte
Es war einmal ein Mann, Cameron Todd Willingham [1], der lebte mit seiner Familie in Corsicana, Texas/USA (gesprochen Usah). Am Tag vor Weihnachten 1991 brannte das Haus der Familie Cameron. Bei diesem Feuer fanden seine drei Töchter den Tod.
Schnell beschuldigte man ihn der Brandstiftung sowie des dreifachen Mordes und verurteilte ihn zum Tode. An seiner Schuld bestanden nicht nur die üblichen Zweifel. Führende Brandexperten widerlegten die gesamte Forensik und wiesen seine Unschuld nach. Dennoch wurde er mit der Todesspritze hingerichtet. So geschehen im Jahre des Herrn 2004 in Huntsville Texas/USA.
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Willinghams Schwiegermutter gab nicht auf, machte die Sache publik, kämpfte für die posthume Rehabilitierung ihres Schwiegersohns [2], bis sich sogar der berühmt-berüchtigte Antonin Scalia, Richter des Supreme Courts in Washington, einmischte. Ja, genau der Scalia, der erst Anfang vergangenen Jahres – vermutlich – verstorben wurde. Seine Worte waren Öl auf das Feuer aller Gegner der Todesstrafe:
“It should be noted at the outset that the dissent does not discuss a single case — not one — in which it is clear that a person was executed for a crime he did not commit. If such an event had occurred in recent years, we would not have to hunt for it; the innocent’s name would be shouted from the rooftops by the abolition lobby.” - 2006 [3]
Aus jenen flappsigen Worten, the innocent’s name would be shouted from the rooftops, wurde die Rooftop campaign, an der auch Kinder teilnahmen.
Zur Sache
Unabhängig von der Einstellung zur Todesstrafe oder der Schuldfrage im Kontext Willingham ist die Methode der Aktion interessant. Nicht einmal Transparente sind zwingend notwendig, vielleicht ein Megaphon, dazu ein Dach, das nicht zu hoch sein darf, damit man unten noch etwas davon mitbekommt, und schon erregt man Aufmerksamkeit. Und um nichts anderes geht es bei einer solchen Aktion.
Zugegeben, ganz neu ist das nicht. Sowohl Linke als auch die IB haben Ähnliches ins Werk gesetzt. Gleichwohl ist diese Aktionsform weitgehend unbekannt und das obschon sie, gemessen an ihrer Schlichtheit und geringen Größe, äußerst erfolgreich sein kann.
Sogar die damit verbundenen Gefahren halten sich in Grenzen. Solange man nicht herunterfällt (gefallen ohne Feindeinwirkung, wie tragisch!) oder Dächer erklimmt, die dafür nicht geeignet sind (an das Gewicht der Teilnehmer und dadurch bedingte eventuelle Einsturzgefahr denken!), kann nicht recht viel passieren. Na klar, Dächer von Polizeidienststellen oder dergleichen scheiden zu Beginn (?) mal aus; soll heißen: zunächst mal nur dort vom Dach schreien, wo man sich nicht strafbar macht. Aber da mische ich mich nicht ein, denn das hängt von der persönlichen Opferbereitschaft ab, von der wir bislang leider noch zu wenig haben.
Man stelle sich vor, wenn in jeder kleinen Stadt nur zehn (!) AfD-Wähler bereit wären in einer synchronen Aktion am selben Tag, zur selben Zeit, weithin sichtbar auf diese Weise gegen den Ethnozid zu demonstrieren, gegen den Familiennachzug oder ähnliche Themen. Eine Dachdemonstration muss nicht einmal lange dauern. Wenn auch nur ein paar hundert Leute nach oben schauen, sehen sie das was wir am nötigsten brauchen: Widerstand!
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Cameron_Todd_Willingham
[2] http://camerontoddwillingham.com/?cat=3
[3] https://www.nytimes.com/interactive/2016/02/14/us/politics/scalia-opinions.html