Theoretiker und Ökonomen werden von Instituten bezahlt, ein Gynäkologe von seinen Patienten, ein Bänker der das Geld von Kunden in den Sand setzt, von Boni, ein (Krypto-)Youtuber von der Wirtschaft (in fiat ;))...
Trader werden relativ direkt von der Realität bezahlt. Das Universum kennt dabei kein Gender, kein Alter, keine Religion. All die Ausreden werden unerhört bleiben. Und selbst die wissenschaftlichen Erklärungen sind dem Universum/der absoluten Realität egal, wichtig ist, dass der (System)Zustand (z.B. die Portfolio-Kofiguartion) in welchen die Strategien euch versetzen, in Gleichklang mit der absoluten Realität bzw. dem Universum ist,
bzw. euer Handeln (meinetwegen die Vorhersage oder die Wette) mit der Payoff-Funktion F(x) auf einen Nenner kommt.
[Wie in Vegas im Casino: man versucht, seine eigene variable Frequenz mit der unbekannten zukünftigen Frequenz (generiert durch den Automaten bzw. die Funktion F(x)), des Universums/des Marktes, kurzfristig zu "matchen". Schaft man dies, dann macht es >>bing<< - Quelle: Pixabay CC0]
Wie schwer es ist, mit Berechnung F(x) zu vorherzusagen, haben wir heute mal wieder zu sehen bekommen (praktisch unmöglich ;)).
[Die Volatilität ist der Wahnsinn :D das ist weder gut noch schlecht. Einfach nur Rauschen]
Zahlen in die Tonne
[der kleine Prinz CC0 Pixabay]
"Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«"
Antoine de Saint-Exupéry 1943
Risiko
Niemand in der Fachwelt weis wirklich, was Risiko ist. Die am meisten akzeptierte Definition ist die von Frank Knight:
"Risiko lässt sich durch eine Wahrscheinlichkeitsverteilung vorhersehen. Unsicherheit lässt sich nicht durch eine Wahrscheinlichkeitsverteilung vorhersehen oder anderweitig berechnen (nicht kalkulierbar)" nach Frank Knight 1964
Bei dem Risiko des idealen Glückspiels ist bekannt, was alles passieren kann. Würfel: 1,2,3,4,5,6. Es wird nichts anderes passieren. Die Wahrscheinlichkeit für das jeweilige Ereignis: 1/6= 0,167 --> 16,7%. Und das gleich-verteilt --> jedes Ereignis hat die gleiche Wahrscheinlichkeit.
Unsicherheit herrscht hier allein darüber, was jetzt genau beim nächsten Wurf passiert. Alles andere ist bekannt.
Beim Investment ist der Payoff, "vanilla"/fließend d.h. zwischen -100% und gaaanz hoch, kann ALLES passieren. Nur mehr als 100% Verlust und unendlich ist durch die Regeln ausgeschlossen. (Bei Schuldsystemen/Leverage/Margin kanns natürlich -100% nach unten überschreiten)
Die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ereignisse ist in Märkten ebenfalls nicht bekannt. Es ist also reine mathematische Unsicherheit und weniger das, was man als "Risiko" bezeichnet. Das Risiko ist allein binär "man verliert" oder "verliert nicht", man könnte auch zwischen "viel" und "wenig" unterscheiden, mehr aber auch nicht.
Risko des Portfolios managen
Im Risikomanagement arbeitet man nicht mit Wahrscheinlichkeiten bzw. nutzt keine mechanistische Statistik! Wenn da jemand irgendwas von Wahrscheinlichkeiten redet, die er nicht mal quantifizieren kann, dann spricht er nicht von Risiko-Management.
[nach Taleb 2015 - Silent Risk]
Das Allerwichtigste: Ruinprobleme
Was absolut zu vermeiden ist, ist der Ruin (nicht zu erholender Verlust *...muss nicht genau Null sein), ein Blow-Up des Portfolios.
[nach Taleb 2015 - Silent Risk]
Angenommen der Ruin (eine Absorbtionsbarriere) liegt bei 0€, nada, nichts, pleite, dann bringt euch ein Vorhersagemodell mit hoher Model-Unsicherheit eine höhere Ruin-Wahrscheinlichkeit (gelbe Kurve: das unsicherere Model, schneidet die Barriere höher). ABER selbst wenn das Modell sicher wäre und IHR dem Modell nicht traut, wie unsere Klimaleugner-Jungs und Mädels, dann ist die Ruin Wahrscheinlichkeit ebenfalls höher, weil ihr der Unsicherheitsfaktor seid.
"Modell" meint nicht nur ein mathematisches Modell auf irgend einem Superrechner, sondern auch eure Strategie ist ein Modell, genau wie jede menschliche/wissenschaftliche Erklärung für irgendwas immer nur ein Modell ist. (die meisten Vorstellungen/Modelle führen glücklicherweise nicht zum Ruin (von Natur, Kapital, Leben). Ob einer jetzt denkt, die Erde sei rund oder flach...es bringt ihn nicht in Schwierigkeiten falsch zu liegen...wenn er hingegen denkt Bitcoin geht zum Mond...)
Taleb et al. 2015 - Silent Risk
Allokation und Diversifizierung
Diversifizierung
Wenn man diversifiziert, verringert man das Risiko, die Absorbtionsbarriere/den Ruin mit einem mal zu erreichen. Dennoch wäre es dann nur eine Frage der Zeit, bis man den totalen Ruin des Portfolios erreicht. (wenn etwas failen kann, wird es failen).
je höher man diversifiziert, desto geringer das Risiko durch Crashes in den jeweiligen Märkten den Ruin zu erreichen.
Diversifizieren bedeutet nicht auf hoch-korrelierte Assets zu streuen. Innerhalb des Kryptomarktes kann man nicht effektiv diversifizieren!
wenn man zudem, anstatt un-korrelierte Assets, negativ-korrelierte Assets hält (z.B. "wenn Aktien fallen geht Gold hoch"), erreicht man einen weiteren Schritt Richtung Rubustizität des Gesamt-Portfolios. Negative Korrelation bedeutet Versicherung.
Wenn man darüber hinaus einen Teil in ohnehin stabile Assets steckt, die ein geringeres intrinsisches Risiko haben zu Crashen, erhöht man den Effekt ABER mit dem Trade-off sich hierdurch Gewinnmöglichkeiten zu nehmen. Echte Store-of-Value Safe Havens zeigen nämlich keinen 100x Anstieg.
Die meisten denken sie diversifizieren, wenn sie etwas verteilen. Diversifizierung ist m.M.n. ein doofer Begriff, "Dezentralisierung des Risikos" erklärt wesentlich besser worum es geht. Es geht darum "Single-points of Failure" aus dem Gesamtsystem/Portfolio zu entfernen. Ein jeweiliger allokierter Anteil eures gesamt-Kapitals ist Macht über eure Zukunft! Und diese will man nicht einer einzelnen Instanz wie Krytowährungen geben (das ist die Definition von Zentralisierung).
[Dezentralisierung bringt Ausfallsicherheit, auch im Portfolio! Die wahre Stärke Bitcoins kommt jedoch durch die Gleichverteilung = absolute Dezentralisierung. Modelle nach Baran (1964)]
Safe Havens vs. Hopeful Havens
es gibt verschiedene Safe Havens
Store of Value: hier erwartet man keinen Return. Es muss allein un-korreliert sein und bleiben.
Versicherung: etwas, das im Falle eines Crashes (>-15%) zahlt und ansonsten Geld kostet. --> Zu erwartender Return = 0%.
Nur 3% in Hedge bzw. Versicherungsinstrumente allokiert bringt mehr als 10% in Store-of-Value zu halten.
[*für die nicht Wissenschaftler: das ist ein Box-Plot. Die schwarzen Balken ("Whisker" stellen Streuung dar) bedeuten Rauschen also Unsicherheit = viel Zufall am Werk also tendenziell unzuverlässiger aka. Glückssache - nach Universa Investments]
wieso performt etwas mit 0% zu erwartendem Return besser? Weil es den Compund/ZinsesZins-Effekt verstärkt in dem es die schädlichen Effekte eines Crashes abschwächt, ein Store-of-Value mit 10% wiederum in guten Zeiten potentiell gewinnbringende Assets aus dem Portfolio verdrängen würde.
Aber was ist überhaupt guter Store-of-Value und was eine gute Versicherung?
Ich hätte gesagt Gold und Silber seien Store-of-Value Safe Havens (*dass bitcoins aktuell keine sind, sollte klar sein. :D). Sie sind Store-of-Value aber kein Save Haven, da sie während Marktcrashes nicht wirklich stabil sind...
[nach Universa Investments]
Gold zeigt viel Rauschen, hat also eine starke Glückskomponente. Es hat mit 30% Gainz bei einem 15% Crash des Portfolios nur eine geringe Versicherungs-Komponente.
Silber ist zu verrauscht. Im Moment eher eine Glückssache (mögliche Wette).
Schweizer Franken haben weniger Rauschen und sind tendenziell ein Store-of-Value.
10 Jahres-Anleihen sind eher ein Store-of-Value.
Tail-Hedges sind ein eindeutiges Versicherungs-Instrument
Der Tail-Hedge
[Der Tail-Hedge ermöglicht einen höheren Anteil an Aktien zu halten, da man Store-of-Value/Anleihen verringern kann (klassisch 60/40- Aktien/Anleihen). Da es eine asymmetrische Position ist, ist es in guten Zeiten egal dass der Tail-Hedge verliert. In schlechten Zeiten macht es sich jedoch bezahlt dass er steigt--> man kauft davon günstig nach Quelle: nach Universa Investments]
Mehr zu Safe Havens in den Studien von Universa Investments (Fond-Manager: Mark Spitznagel)
Quellen:
Safe Haven Investing- Part ONE: NOT ALL RISK MITIGATION IS CREATED EQUAL. Universa 2017
Safe Haven Investing- Part TWO: NOT ALL RISK IS CREATED EQUAL. Universa 2017
Safe Haven Investing- Part THREE: THOSE WONDERFUL TENBAGGERS. Universa 2017
Tail hedging solutions for uncertain times. JP-Mogans Tail-Hedge-Produkte 2011
- Wir dürfen nicht vergessen, dass Tail-Hedge-Strategien (mathematisch funktionieren) jedoch propriatary Produkte der Institutionen sind. Wenn sie auf Put-Optionen setzen, kann es technisch gesehen zu Komplikationen kommen. Sehen wir sie doch als Ideal. Mit Gold erreicht man einen gewissen Grad an Versicherung, jedoch wird die benötigte Positionsgröße recht unpraktisch sofern man das gesamte Portfolio versichern möchte.
Fazit:
Ein Portfolio ist ein lebendes System, je nach Konfiguration ist es mehr, die zerbrechliche Vase oder der robuste Vielzeller. Diversifiziert ist das System nur, wenn die einzelnen Positionen ihr Eigenleben führen. Hängen alle Positionen strukturell zusammen, dann bring auch die extremste Streuung nichts :D Darüber hinaus darf man bei Kryptos oder Sachwerten nicht vergessen dass Diversifikation auch die Lagerung des Besitzrechtes bzw. des Wertes angeht. Liegt alles auf dem Nano Ledger S, dann ist das schön aber im Falle eines Brandes egal.
PS. Bei den Edelmetallen gibt es ja auch Münzen, die einerseits den Nennwert in Schweizerfranken haben und andererseits ihren Materialwert. So zahlt man zwar den Premium auf eine Münze aber fährt zweigleisig. Spielt für große Portfolios natürlich keine Rolle. Wichtig ist zu verstehen, dass Gold bei einem 15% Crash im Schnitt! 30% zulegt. Hat euer Portfolio 100k und verliert 15k, dann müsstet ihr 50% in Gold halten um dies auszugleichen (hat kein Mensch, da Gold nicht arbeitet. Es braucht also einen Kompromiss)...mal schauen