[Pixabay CC0]
Es hat sich monetär nie so wenig gelohnt auf Steemit zu schreiben, wie aktuell. Dennoch find ich, waren die Diskussionen die aus Artikeln hervorgehen dafür nie so gewinnbringend.
[wie viele Böden wir schon hinter uns gelassen haben :D]
[*haha gleich nochmal aktualisiert nur noch 75 Cent :-]
Wir haben gesehen, dass sich bezüglich der Philosophien beim Trading , vielleicht schon Ideologischen Ausrichtungen die Geister spalten. Das schöne ist, ihr seid niemandem Rechenschaft schuldig. Mit dem Ausgang eures Handels seid ihr ganz allein. Wenn es funktioniert, ist es egal wieso es funktioniert. Dennoch muss ich für meine Artikel bei einer wissenschaftlich,mathematischen Basis bleiben.
der Trade
Ich weis dass Mr. Buffet kein Trader ist, doch für die statistische Betrachtung muss man nun mal von einem Trade sprechen, was nicht und bei keinem, mehr als eine Wette auf ein Ereignis ist. Sicher ist es schwer die Signifikanz (=Ausschluss von purem Glück) festzustellen, wenn die Investoren Aktivisten sind und es eine starke Management Komponente gibt, jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass es hier die Trades/Entscheidungen sind, wo sich bewusst gegen ein Unternehmen/ eine Möglichkeit entschieden wird und das sind, wie in unserem Kryptomarkt >>tausende<<.
Das gute ist, dass uns das späte Investoren-Leben, der Vorbilder nicht interessieren muss. Ausschlaggebend sind die Start-Bedingungen.
>>Wieso beschleunigen die Ausnahme-Investoren so rasant und was davon liegt in unserer Hand?<<
Die Top 1% doch nicht solche Genies?
Und die Ernüchterung kommt gleich zu Beginn, erstens:
- halten die Survivor wenig interessante Informationen (es ist wichtiger zuwissen was die 99,9% falsch gemacht haben) und zweitens:
- es braucht einen bestimmten Startbetrag. Beziehungsweise Fremdkapital.
[Sir Templeton, Warren Buffet und Charlie Munger]
was im 2. Weltkrieg 10.000 USD waren (entspricht mehr als 100.000 heutigen USD), 300.000 USD Mitte der Sechziger sind heute 2,4 Millionen. Daher sollte man hier nicht direkte 1:1 Vergleiche ziehen.
Was es aber zeigt ist, dass nicht nur die (investment-technisch) guten zeitlichen Umstände, sondern auch der Hebel einen großen Effekt zu haben scheinen. Von Soros und anderen Typen die gleich mehrere Millionen managen durften will ich gar nicht sprechen.
Quelle: Charlie Mungers Biografisches Werk- Poor Charlies Almanach
Ein exelentes Beispiel sind Börsen-Gewinnspiele.
Als Schüler habe ich mal bei der Volksbank Trading-Simulation für unsere Schule gewonnen. Es gab einen fetten Fresstag und Cocktails mit Freundin die auch im Team war und dem Lehrer (extrem romantisch...) und einen Ipod, den ich gleich gegen einen Kasten Bier weiter tauschte. Nörten-Hardenberger, der Trade meines Lebens...
Normalerweise sind solche Dinge zumindest für Schüler oder Experimente was ganz gutes. Wenn man sich das aktuelle Comerzbank-Spiel anschaut, dann lernt man tatsächlich ganz gut, wie die Realität funktioniert. Man bekommt 2x 100k Startkapital auf zwei Portfolios, welche man einmal zurück setzen darf. Gleich in der ersten Wochen haben die ersten über 100% generiert. Was mit long-only Strategien sicher nicht möglich wäre. Was passiert hier also?
Der Hebel macht den Unterschied
Ganz einfach, es gibt bestimmte Instrumente, mit denen man auf Margin/auf Pump seinen Trade leveragen (einen Hebel geben kann)...daher auch Hebelprodukte genannt. Solche Turbo-Optionsscheine ermöglichen also einen überproportionalen Gewinn in Relation zum Einsatz. Die Chance bei einem Turbo-Optionsschein auf den Dax richtig oder falsch zu liegen...besten falls 50:50. Wenn man also zwei Portfilios hat und jedes einmal auf 100k zurück setzen darf...ist es logisch dass die Chancen für solch einen 100%+ Boost nicht schlecht stehen. Nach dieser Vervielfachung kann man es ja langsamer angehen, denn mit jedem weiteren Trade dieses Kalibers sinkt natürlich die Überlebenswahrscheinlichkeit/ Ruin-Wahrscheinlichkeit.
*für die die es falsch verstehen wollen: nein in der Realität sollte MANN/FRAU der/die EINZELNE nicht so vorgehen aber im Ensemble sind es immer einzelne die so die an die Spitze gelangen. Also sollte MAN aka. "die GENERELLE Person" es so machen, sofern sie gewinnen wollte.
Ergodicity
eines der am meisten missverstandenen Dinge ist die Ergodizität der Märkte und des Investments. Man ist NICHT MAN, MAN gibt es nur aus einer Ensemble-Perspektive. Man ist eine Individuum das allein "einen Versuch" hat. Wir sind an die Zeit Perspektive gebunden.
Selbst wenn man ein günstiges Spiel hat mit Chancen besser als 50:50 (=faires Spiel), dann würde man als INDIVIDUUM verlieren. Selbst Nobelpreisträger haben das über Jahre nicht verstanden. Bis Physik Nobelpreisträger Murray Gell-Mann zusammen mit Ole Peters ein Paper zur Ergodizität rausbrachte.
[nach Peters und Gell-Mann]
So ungefähr sieht es aus wenn man das Spiel durchläuft. Es wird natürlich sehr verrauscht, daher lässt man es so oft durchlaufen, dass der Zufall weniger und weniger eine Rolle spielt und nimmt dann den Durchschnitt...
[und ja so gesehen gewinnt MAN nur das einzel Individuum in der Zeitperspektive geht broke...und das wären wir! Obwohl das Spiel eigentlich zu einem langfristigen Gewinn führen müsste. Nach Peters und Gell-Mann]
Murray Gell-Mann und Ole Peters (2014): Evaluating gambles using dynamics
Die großen Drei
Diversifizierung
Beim letzten mal ging es um Diversifizierung =/= Streuung; Diversifizierung = Dezentralisierung des Risikos. Jede Position sollte ein eigenständiger Knoten im System sein. Im besten Fall ist euer Portfolio eine Hydra, schlägt man ihr zwei Köpfe ab, wachsen zwei nach (= Netto Gewinn). Zumindest sollte aber einer nachwachsen (= robustes System).
Streuung
Streuung hat NICHTS mit Risiko-Management zu tun. Wird oft mit Diversifizierung gleich gesetzt. Es dient allein, der Verbesserung der Trefferquote.
[Pixabay CC0]
Ein im Militär oft genutztes Prinzip. Absolute Offensive. Es dient der Kompensation der Vorhersagefähigkeiten. Wenn man nicht sagen kann welcher aus 2000 Coins überlebt, dann streut man einfach. *Natürlich kann man zuvor grob aussieben um die Ausbeute zu verbessern.
Allokation
Diesmal gehts um die Allokation. Das ist die Gewichtung von bestimmten Klassen bezogen auf ihre Atribute.
Der Otto-Normalo sucht mittleres Risiko und hält einen Großteil liquider Assets in giralem Fiat-Währungs-Geld (nicht in seinem Besitz und hoch zentralisiert) und einen Teil in Aktien, er/sie sucht mittleres Risiko.
Mittleres Risiko bringt jedoch leider das Schlechte aus beiden Welten:
- Man schließt ein 10x oder 100x also die Tail Opportunitäten (Gelegenheiten/ das Glück) so gut wie aus.
- Man schließt jedoch die Tail-Risks (Crashes) nicht aus.
Die Lösung: asymetirsches Risiko, die Barbel(Hantel) Strategie.
Barbel-Strategie
Eigentlich ein No-Brainer (oh je so viele Anglizismen heute :D)
[Hier geht es eindeutig um Trading-Wetten und nicht um klassisches "Value-Investing". Ich möchte Bitcoin ja nicht bis in den Sarg halten, wenn ich es mit 100x in einer Blase abstoßen kann... Nichts desto trotz haben die Wetten auf Grund der ggf. langen Haltedauer ein Investmentcharakter]
[*es sollte klar sein, dass dies nur ein Ideal ist, welches nicht ohne Nachteil/Tradeoff daher kommt: Man hat keinerlei Positionen die langfristig an Wert zulegen können. Man allokiert das aus dem Wett-Topf, stets in den Cashtopf, wodurch das Gesamt-Portfolio zwar anwächst, wächst somit aber nur in Sprüngen. Dazwischen passiert lange Zeit nichts. Man wird dem ZinsesZins nicht gerecht.
Somit braucht es einen Kompromiss.
Wieso kein reines Value-Investing? Wann du Millionär werden würdest
Sofern man es sich leisten kann spricht natürlich nichts dagegen, Aktien oder Token zu kaufen, in einem Ausmaß als wenn man tatsächlich Anteile an dem Unternehmen bzw. der Technologie auf ewig halten wollen würde.
Jedoch lebt der ZinsesZins/Compound nicht nur von der Zeit im Markt (20,30,40 Jahre) sondern wie wir gesehen haben, genauso vom Start-Betrag/ dem Hebel. Somit ist ein Value-Investing-Portfolio unterhalb einer Gewissen Summe einfach uneffektiv, man verschwendet die Zeit, die man im Markt ist. >>1000% von nichts bleibt nichts...<<
Deutlich wird dies, wenn man die maximal mögliche Langzeit-Performance signifikanter Investoren nimmt (Buffet, Peter Lynch, John Templeton), welche grob 33% p.a. (per annum = pro Jahr) beträgt. >>33% p.a. ergibt eine Verdopplung des Kapitals alle 3 Jahre.<<
Erbt man 250.000 Euro, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, daraus mit normalem Investments in den nächsten 10 Jahren die erste Million zu machen. Ein unwahrscheinlicher Lynch oder Buffet kommt mit 33% p.a. und verdoppelt damit alle 3 Jahre und macht daraus eine Million - in 9 Jahren. Ein normaler Mensch tendiert eher Richtung 5% p.a. :D und verdoppelt somit den Einsatz alle 20 Jahre und erreicht die erste Million nach 40 Jahren ... (mit immerhin 250k Startkapital) und der Voraussetzung, dass er keinen Cent davon verliert.
Gold, Silber, Numeraire
Die Sichere Seite der Hantel, lebt von kurzfristigen bzw. liquideren Assets. Hier kann von Store-of-Vaule-Save-Haven bis Versicherungs-Safe-Haven alles rein, ein Teil dieses Portfolios ist also in jedem Fall >>Cash<<. Cash oder gutes Geld hat die Eigenschaft ein stabiles Wertmaß (sogenanntes Numeraire) zu sein. Egal was alles andere macht --> das Numeraire-Portfolio hat einen Wert von 1. Im Falle einer Rezession bzw. eines Crashes, kann man also günstig Wetten nachkaufen und das Numeraire, somit wachsen lassen.
Währungen (Schweizerfranken)
Edelmetalle ( vor allem Gold)
Anleihen (short Therm)/ inflation linked Securitys
Acker-Land (Store-of-Value)
Sachwert (tendenziell Store-of-Value eher ein Hopefull-Haven)
10 Jahres Anleihen (Store-of-Value aber hoch illiquide)
Im Gegensatz zu den Store-of-Value Safe-Havens, verbessern Assets mit Versicherungs-Charakteristik die Langzeitperformance des Portfolios (gut ich habe auch kein Plan wie man einen Tail-Hedge einrichtet, muss man halt lernen).
John and Long (1990) the numeraire portfolio
Korn und Schäl (2009) The numeraire portfolio in discrete time: existence, related concepts and applications
Hier sollte man auch sehr Vorsichtig sein was die Edelmetalle angeht. Die Daten zeigen eindeutig den hohen Glücksanteil, weshalb ich persönlich nicht Gold und Silber überrepräsentieren würde. Auch Platin und ähnliches nicht. Ein Teil des Investments hätte schon einen Wett-Charakter, weshalb die Silbermünze einem eher mal als glücklicher Kauf mit 10x dienen könnte und weniger als ein Safe-Haven.
*Das ist allein eine Statistische Perspektive, vielleicht ist der Silbermarkt wie die anderen User angemerkt haben ja tatsächlich dauerhaft nach unten manipuliert. Fakt ist, die Statistik sagt: Silber ist kein Store of Value-Safe-Haven, in den letzten Crashes hat es sich halt nicht als solcher profiliert... Fragt sich halt was euer Krisenszenario ist, für welches ihr das Edelmetal haltet :D.
Fazit
Soviel zur recht simplen Mechanik des Investments. Es gibt kein optimales Portfolio. Es sind alles nur Kompromisse. Es gibt gewisse Prinzipien, das wars dann aber schon. Bei den meisten Experten habe ich das Gefühl, dass sie extrem in irgendwelchen Theorien drin hängen (die ich wiederum nicht verstehe) aber die Prinzipien nicht kennen. Es sind ja nicht mal ökonomische oder finanz-mathematische Prinzipien. Streuung, Diversifikation, Allokation, das ist ja was universelles, das gilt auch wenn ich meine Blumen gieße. Es sollte einem klar sein dass ALLES, wirklich ALLES dagegen spricht dass man es nur durch Investment/Trading schafft und ich denke wenn man das akzeptiert, kann es nur besser werden :D...hat nichts mit Pessimismus sondern Realismus zu tun aber ist sicher nichts für jeden, muss es ja auch nicht.
Jetzt brauch ich nen Schnaps :( Schönen Sonntag :)