Vorneweg: Ich möchte hier nicht behaupten, dass der Feminismus nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat. Ich möchte nur auf einen grundlegenden konzeptionellen Widerspruch hinweisen, der imho auch (unter vielen anderen Punkten) in den USA zu dem Alt-Right “backlash” beigetragen hat, der uns u.a. Trump beschert hat.
Was also meine ich?
Ich meine den Unterschied, dass für Frauenrechte einzutreten nicht das gleiche ist, wie für Gleichberechtigung einzutreten. Am einfachsten kann man das wohl mit Beispielen erklären.
Früher, als das Thema noch heiß war, gab es viele Feministinnen die darauf bestanden haben, dass es immer schön Bürgerinnen und Bürger, Ärztinnen und Ärzte, Politikerinnen und Politiker heißt.
Das sollte die Frauen nicht im generischen Maskulinum verschwinden lassen.
Das ist durchaus nachvollziehbar. Das ist Feminismus – für Frauenrechte eintreten.
Aber das war keine Gleichberechtigung. Denn obwohl es viele Feministinnen gab, die dies forderten, habe ich von keiner einzigen gehört die jemals gefordert hätte, dass es in den Nachrichten auch „Verbrecherinnen und Verbrecher“ oder „Betrügerinnen und Betrüger“ heißt.
Es ist keine Gleichberechtigung, wenn man für sich nur das Schöne, nicht aber das dazugehörige Hässliche fordert!
Es ist auch keine Gleichberechtigung, wenn für den Posten der Gleichstellungsbeauftragten nur Frauen zugelassen werden. Denn Gleichstellung ist ja keine reine Frauenförderung (wo das vielleicht noch verständlich wäre), sondern hat z.B. auch mit Behinderten beiderlei Geschlechts zu tun.
Auch eine Quote hat nicht viel mit Gleichberechtigung zu tun – aber wenn man eine Quote für Frauen in Vorstandsetagen fordert (was ich in Anbetracht der realen Begebenheiten für zumindest nachvollziehbar halte), dann muss man auch eine Männerquote für den Kindergarten fordern!
Vielleicht sogar noch mehr dort, im Interesse der Frauen!
Denn wie sollen die zukünftigen Männer (und Frauen) Frauen in „Männerpositionen“ für normal halten, wenn sie in Kindergarten und Schule lernen, dass es eben Berufszweige getrennt nach Geschlecht gibt – in der Kindererziehung gibt es nur Frauen, also warum nicht auch nur Männer als Manager?