Heute Morgen hat sich Leroy die Wolle aus dem Gesicht rasiert und sieht jetzt wieder 10 Jahre jünger aus. Etwas nachteilig insofern als nun jedes Gramm zuviel am Kinn erkenntlich wird. Dank Corona ist das aber kein Problem, denn durch die Seuche hab ich paar Pfund abgenommen.
Da ich nun keinen mehr anstecken kann und keiner mich, und weil ich nur sehr, sehr, sehr, sehr knapp dem sicheren Tode entronnen bin, habe ich mein Gelübde eingelöst und den Bart gekappt.
Nicht nur ich bin fast gestorben, die ganze Firma wäre beinahe ausgerottet worden. Einer hatte einen Tag Dünnschiss, einer gar nix, zwei hatten drei Tage leicht erhöhte Temperatur und mussten zwei Mal husten, einer hatte nur Husten für paar Tage. Eine Kollegin hat immerhin paar Tage flachgelegen.
Die Krone hat sich, wie sollte es anders sein, Leroy gesichert, der tatsächlich eine leichte Grippe hatte und sich in dörfliche Quarantäne begeben musste, wo er unter der knallharten Kontrolle des örtlichen Gesundheitsamt an der kurzen Leine gehalten wurde und nur mit Glück einer vollkommen überfüllten Intensivstation (Stand Ende November: 12 Intensivbetten, davon belegt 6, davon mit Covid-19 einer) wie auch dem darauf unmittelbar folgendem Seuchentode entkommen konnte. Nur das eine oder andere Schnäpperken abends konnte den Exitus verhindern. Dazu ein doppeltes Ibu und die Welt war ziemlich in Ordnung.
Die Begebnisse und Erlebnisse Leroys in Quarantäne werden Stoff für eine neue Erzählung geben, die noch besser, wirklich noch besser wird, als das kaum zu toppende Erstlingswerk mit der Bockwurst des jungen, knackigen und bumsfidelen Hippster-Autors L. Linientreu. Befand sich schon damals die Literaturszene in heller Aufregung, auch wenn es keiner mit halbwegs Niveau mitbekommen hat, so wird diesmal Merkels Thron wackeln. So langweilig wird das Ding sein: Ich-Perspektive und immer ditselbe. So, wie et wahre Leben.
Bin aber noch nicht ganz fertig, und hab es eigentlich auch nur aufgeschrieben, um ein geiles Stück Software auszuprobieren, das ich mir vor Langeweile und Neugierde geleistet habe. Am Schluss stellte sich raus, dass ich doch zu doof bin für alle fortgeschrittenen Features, was ich eigentlich schon vorher wusste. Aber da war schon fast alles fertig.
Sonst gibt es nix zu berichten, gähnende Langeweile im Äußeren und spannende Entwicklung im Innern.
Immerhin ist der Motor meines Alfa eingetroffen, aber das hilft mir nix im Moment, weil Mario "grad keen Bock hat uff die Scheiße mit die Italo-Dreckskarre". Der macht jetzt lieber Ölwechsel bei alten Omas und kassiert fett Trinkgeld für Kühlflüssigkeit-Nachfüllen und andere Expertenarbeiten. Faule Sau.
Wir machen im Büro heute eine Corona-Farewell-Party, da wir nun allesamt ehemalige Verseuchte sind und vollgestopft mit Antikörpern wie ein 3er-BMW-Fahrer mit Testosteron.
Ich werde berichten, ob es mir gelingt, eine Quarantäne-Braut abzuschleppen und flachzulegen. Das gibt mehr Punkte als Albanien.