Den einen oder anderen wird es wundern, auch Leroy konnte es zunächst kaum glauben.
Aber es gibt sie tatsächlich: die kluge Frau.
Die kluge Frau ist fleißig in der Schule (bei Typen würde man sagen: Streber), sie hat immer durchschnittlich gute Noten (aber auch nicht glänzend), sie studiert irgendwas mit Kultur und Sozialem, dann reist sie und arbeitet sich hoch im öffentlichen Dienst, sie ist selbständig und hat die Steuerklasse eins, weil an einen Typen binden geht nicht, dafür hat sie aber mindestens einen oder auch mehrere Köter. Ihr macht kein Typ was vor und sie ist ziemlich klug.
Das ist der eine Typ.
Der andere ist wirklich klug im männlichen Sinne. Die studieren Jura oder Wirtschaft und sind harte Erfolgsdamen und beißen sich durch, haben auch ne Steuerklasse eins und keinen Mann und keine Kinder, aber ab 40 geht es dann auf Yoga-Seminare und ab und zu auch mal ins Kloster. Oder man hat dann mit 43 ein Kind vom Yoga-Lehrer und ist alleinerziehend.
Das ist der zweite Typ. Dieser Typ gilt als besonders strahlendes Vorbild und Inkarnation der Emanzipation.
Letztlich sind sie genauso bescheuert wie der Durchschnittsdepp männlich, der sich im Hamsterrad aufreibt für die Superreichen auf der einen Seite und die Parasiten auf der anderen Seite.
Wenn ich dagegen an meine Oma zurückdenke, dann beschleicht mich langsam das Gefühl, dass die sich totlachen würde darüber.
Ich bin da neulich nur zufällig drauf gekommen, als mir auffiel, dass Leroys Frau sich eigentlich immer und in allen Belangen durchsetzt, mich aber gleichzeitig schön den Macho und Malocher spielen lässt und mich darin bestärkt. Das hab ich neulich gesehen, als sie mir Recht gab, aber irgendwie so ein verstecktes Lächeln im Gesicht hatte.
Aber gut. Es sind halt nicht alle so dumm wie Leroy und so clever wie seine Alte.