Leroy ist kein Kind von Traurigkeit und kann was am Glas, aber das Zeug hat mir meine Grenzen aufgezeigt. Dabei dachte ich immer, die Portugiesen seien fadosingende Weicheier, die Wasserbier trinken und ansonsten traurig aufs Meer schauen.
Das Leben bestraft einen eben hart für dümmliche Vorurteile!
Dabei hatte noch geschrieben, dass die Suppe über 50 Volt hat und Vorsicht geboten sei. Was mir als geübten Obstlertrinker und Großmaul natürlich nur ein müdes Lächeln abgerungen hatte.
Das Unglück nahm seinen Lauf, als in einem Artikel den seltenen und wilden Erdbeerstrauch, seine schwierige Lese per Hand und die Verwendung als Schnapsgrundlage erwähnt hatte. Ruck-zuck hatte ich dem gutmütigen Gutsbesitzer eine Flasche der eigenen Ernte abgeschwatzt, die nun wohl mehr als fachmännisch gebrannt worden ist und ihren Weg direkt zu Leroys Domizil gefunden hat.
In der Nase klare Aromen von zarter Wilderdbeere, keinerlei unsauberen Alkoholnuancen. Am Gaumen sehr intensiv und fruchtig , am Zungenrand spürbarer Alkohol. Beim Abgang dann wirklich das volle Programm - ich dachte, mir brennt die Speiseröhre weg.
Leroys Frau hat es mit der Angst zu tun bekommen und fragte zunächst besorgt, ob sie mir Wasser bringen soll oder Luft zufächern. Erst als ich wieder zu mir gekommen war und die Zuckungen aufhörten, kamen die schnippischen Bemerkungen über mein Alter und dass ich wohl besser Schokolikör saufen soll, wenn ich iberischen Brannt nicht vertrage. Dabei habe ich ihn ausgesprochen gut vertragen, wenn man die 10 Sekunden Nahtoderfahrung beiseite lässt. Die Tonnen von bulgarischen Sauerkrautwickeln, die ich davor im Schweiße meines Angesichts mit Tonnen von Fett und Mett selbst gewickelt und gefressen hatte, waren wie weggefegt. Alter Schwede! Und keinerlei Nachwehen, wirklich blitzblank gebrannt!
Vom Schmerzfaktor kommt die fränkische Birne, die unterwegs ist zum Medizinmann im Alentejo, gegen den Medronho nicht an. Dafür kann man zu zweit bei guter Grundlage ganz ordentlich und häufig zuschlagen.
Wir werden sehen ...