Seit ich mich erinnern kann, wollte ich überall leben außer hier. Ich hatte es mir nicht ausgesucht hier geboren zu sein (duh!) und eigentlich sollten wir jetzt irgendwo in Kalifornien mit dem Rest unserer Familie leben, aber hier bin ich. Oft war ich einfach traurig, weil ich meine Großeltern und alle anderen Verwandten nur einmal im Jahrzehnt sah aber ich war auch unzufrieden mit dem Land selber. Weder die Landschaften noch die Leute haben mich gereizt. Außerdem hatten meine Eltern eine andere Mentalität als die gebürtigen Österreicher und diese hatte ich natürlicherweise auch angenommen. Es hat sich nicht wie Heimat angefühlt.
Mit 14 habe ich angefangen mich mit der Tatsache abzufinden, dass es nicht so ist wie es hätte sein können. Ich hab die Fantasien, in welchen ich von meinen Verwandten adoptiert werde und nun in LA lebe (ach war ich jung und dumm :D), abgeschüttelt und habe dann mit einem neutralen Bezug zu diesem Land weitergelebt.
Mit 18 begann ich mehr zu reisen, auch innerhalb Österreichs. Ich hatte auch bereits das Vergnügen Zugtouren durch ganz Österreich zu machen. Ich habe das Gefühl, dass ich erst in diesem Alter angefangen habe die Natur hier tatsächlich wahrzunehmen. Bedauerlicherweise! Dabei sind die Alpen doch so wunderschön! Und es gibt für mich momentan keine größeren Augenschmäuse als der Wörthersee bei Sonnenuntergang, Innsbruck bedeckt mit Schnee oder Hallstatt während dem Narzissenfest. Wie ich nie bemerkt habe, wie reich Österreich an Natur ist, ist mir ein Rätsel. Aber mit der Wahrnehmung kam auch dann die Wertschätzung.
Mit 18 begann ich auch in Wien zu studieren und zu arbeiten. Raus aus dem Dorf, rein in die Stadt! Ich habe jeden Tag neue Gesichter gesehen (erlebt man in NÖ nicht!) und jeden zweiten sie kennengelernt. Ich hatte die Ehre mit so vielen und vor allem verschiedenen Leuten Bekanntschaft zu machen. So viele Menschen die mich inspiriert, motiviert und zum Nachdenken angeregt haben. So viele Menschen die mehr wie ich waren.
Ich hatte nun so viele bedeutende Leute um mich; dass der Rest meiner Familie nicht in meiner Nähe wohnt, erschien mir gar nicht mehr tragisch.
Wenn ich im Ausland herumgereist bin, waren die Leute immer begeistert davon, dass ich aus Österreich komme. Wenn sie mich gefragt haben wie Österreich so ist, wie die Menschen so ticken, wie die Städte und die Landschaften aussehen, die Infrastruktur, die wirtschaftliche und politische Lage so ist, konnte ich Stunden reden. In diesen Momenten schätze ich mein Heimatland sehr. Auch die Tatsache, dass Wien von vielen Magazinen seit Jahren als die lebenswerteste Stadt der Welt gekürt wird hat mich wachgerüttelt. (Siehe da und da)
Österreich ist mir Tag für Tag mehr ans Herz gewachsen. Und heute verspüre ich so ein besonderes heimatliches Gefühl wenn ich an Österreich denke; ich kann es kaum in Worte fassen. Und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte um auszusuchen wo ich aufwachsen und leben will, ich würde Österreich wählen. :)
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Hier ist eine digitale Zeichnung von den Alpen (Winter und Sommer) die ich für gemacht habe:
Folgt mir, falls ihr morgen einen spannenden Beitrag über Alpenmurmeltiere lesen wollt. (Spoiler: Sie sind nicht so süß wie sie ausschauen!)
Danke! ❤️