Das Thema "Loslassen" ist unglaublich vielfältig und gefühlt präsenter denn je. In einer Welt, die immer schneller wächst, unglaublich vernetzt ist und uns scheinbar alle Möglichkeiten offen stehen, haben immer mehr von uns ein großes Grundbedürfnis, das sich unterschiedlich zeigen kann:
Der Wunsch nach Klarheit. Das Bedürfnis nach Einfachheit. Überschaubarkeit. Weniger Ablenkung. Mehr von dem, was wirklich wichtig ist und weniger Konsum. Weniger Ballast. Im Innen wie im Außen. Oder hängt das alles unmittelbar zusammen?
Man kann vieles Loslassen: Glaubenssätze, Wünsche, Erwartungen, Gegenstände aber auch Menschen. Heute widmen wir uns der Kleidung, die wir besitzen. Unserem Kleiderschrank.
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Das erste Mal, dass ich das Thema Minimalismus streifte war vor ca. 3 Jahren. Ich gehörte zwar nie zu den Menschen, die sich viel gekauft haben und folglich viel Besitz hatten, und dennoch besaß ich mehr Dinge, als mir lieb war. Ich lebte zwar viel "aus dem Koffer" und hatte erst mit über 30 Jahren meine ganz eigene kleine Wohnung. Zuvor lebte ich in Studentenwohnheimen, WG´s etc.
Wie ich anfing Dinge loszulassen
Während meiner Schwangerschaft fing dieser Prozess stark an, dass ich ausmisten wollte. Und was soll ich sagen? Ich glaube ich wollte zunächst Platz schaffen, um später in den "Nestbau" gehen zu können und das alles geschah wie von selbst, instinktiv. So wie Mutter Natur es vorgesehen hat.
So fing ich mit meinem Kleiderschrank an. Ich kann nicht sagen warum. Irgendwie lag das ganz intuitiv auf der Hand. Zu dieser Zeit hatte ich einen kleinen begehbaren Kleiderschrank mit einem Marilyn Monroe Poster an der Tür. Und obwohl mein Kleiderschrank für mich schon ziemlich voll war, kaufte ich munter weiter.
Ein Blick hinein und mir war klar: Die meisten Sachen mochte ich nicht mehr anziehen. Ich hatte mich verändert. Viele der Kleidungsstücke waren zwar immer noch wirklich schön. Aber sie passten nicht mehr zu mir. Das war nicht mehr Ich. Also fing ich an auszusortieren. Doch wie? Anfangs zog ich die Sachen noch an und betrachtete mich im Spiegel, später ging es dann viel schneller.
Hier meine Top 5 Tipps und Gründe auszumisten
Schaffe Raum: Indem Du in Deinem Kleiderschrank Platz machst, schaffst Du nicht nur äußerlich sondern auch innerlich Raum. Raum für etwas Neues. Raum für Wachstum. Stell Dir einen hellen, großen leeren Raum vor. Visualisiere das vor deinem inneren Auge. Wie gehts Dir damit?
Alles was Du besitzt macht Mühe, Arbeit und braucht Platz: Weniger Besitz heißt mehr Freiheit. Weniger Ablenkung. Du brauchst weniger Platz für die Dinge und hast folglich weniger Arbeit damit. Ich denke an die großen Häuser, die die Menschen sauberhalten, pflegen und instand halten. Ich denke an die Autos, die wir reparieren müssen. Wir müssen nicht alle zu Langzeireisenden/Backpacker werden, aber Jene die mit einem Rucksack um die Welt reisen, habe ich noch nie sagen hören: Ich vermisse meinen Besitz. Sonder hatte immer das Gefühl sie reisen gern. Mit leichtem Gepäck. Wollen wir nicht auch mit leichtem Gepäck durchs Leben gehen?
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- Ballast loswerden: Ich habe tatsächlich einen Großteil meiner Klamotten verkauft, getauscht oder gespendet. Besonders hat mir der Gedanke geholfen, dass ein anderer Mensch, das Kleidungsstück wieder mehr tragen und schätzen wird als ich. Und sich natürlich daran erfreut! Kleidungsstücke können Erinnerungen in uns wachrufen: bestimmte Situationen, der Grund warum wir es gekauft haben oder wann und wo wir es getragen haben.
Gerade vor ein paar Tagen habe ich wieder einen Kleidungssack abgegeben. Es war ein unglaublich befreiendes Gefühl. Ich spürte Erleichterung und Dankbarkeit. Ich habe den Sack in Dankbarkeit verabschiedet.
- Kennst Du Marie Kondo? (https://konmari.com/) Die japanische Frau begeistert mit ihren Büchern über das richtige Aufräumen und Ausmisten die ganze Welt. Die wohl wichtigeste Aussage:
Es dürfen nur die Dinge in meinem Leben bleiben, die mich glücklich machen.
Ist das nicht fantastisch?? Jeder von uns hat Lieblingsklamotten. Was wäre wenn Du nur noch Kleidung bestitzt, die Du liebst? Dann würdest Du ALLES gern anziehen, was in Deinem Schrank ist. Und nichts würde monate- oder gar jahrelang nur liegen und nicht getragen werden.
Ich mach es so: Ich nehm das betreffende Kleidungsstück in die Hand und lass es auf mich wirken. Ist das Gefühl nicht positiv, dann lege ich es in Dankbarkeit zur Seite und gib es zeitnah weiter. Meistens noch am selben Tag. Stell Dir vor:
Du besitzt nur noch deine Lieblingsklamotten!!!!
- Die Kraft der Einfachheit
Die Übersichtlichkeit, die das Einfache mit sich bringt, lässt uns flexibel bleiben. In einer Welt, die immer komplexer wird. Ihr werdet es mir nicht glauben (oder doch??) mein persönlicher Besitz passt auf 10m2. Gerade jetzt wo hoffentlich bald der Frühling kommt, will ich wieder richtig ausmisten und loslassen. Ich will altes Loslassen und nach vorn schauen. Ich kann es nicht beschreiben, aber die Einfachheit gibt mir das Gefühl von Sicherheit und von Kontrolle. Und genau das, will ich in meinem sonst so bunten Leben integrieren.
Manchen Menschen gibt Besitz und die Anhäufung von Gegenständen Sicherheit. Wie ist es bei Dir?
Passt zwar nur bedingt zum Thema aber hier eine kleine Story meiner Freundin:
Eine sehr gute Freundin von mir, hat heute ihre Körperwaage losgelassen. Also entsorgt. Weggeworfen. Sie sagte mir, dass sie sowieso verstaubt. Und sie nicht dicker oder dünner ist, nur wenn sie sich wiegt. Aber vielleicht etwas glücklicher ...