Meine Herzallerliebsten!
Mein letzter Beitrag ist nun schon 4 Tage alt und ich hatte das starke Bedürfnis, wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben. Dass ich momentan so wenig poste, ist der Tatsache geschuldet, dass ich mich in den Endproben für die Kinderinszenierung befinde und im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun habe. Dennoch beschäftigt mich gerade heute ein Thema sehr: Tränen.
Begegnungen in meinem Leben
Immer wieder begegnen mir Menschen, die traurig oder verzweifelt sind. Früher in meinem Job als Sozialpädagogin, saß immer mindestens eine Person pro Woche, heulend in meinem Büro. Es dauerte nicht lange, bis sie sich alle entschuldigt haben: dafür, dass sie die "Fassung nicht bewahren" konnten oder schlicht und ergreifend, einfach für ihre Tränen. Ich persönlich fühle mich nicht im geringsten belästigt, wenn jemand weint. Ich habe auch nicht das Bedürfnis, die betreffende Person in den Arm zu nehmen, sondern will erstmal, dass sie lernen sich zu zeigen. Sich Zeigen in ihrem Schmerz, in der Wut und in der Verzweiflung.
Natürlich muss ich nicht lange im Internet recherchieren um zu wissen, wo hier der Hund begraben liegt. Mal wieder in unserer Kindheit. Wir alles wissen: Kinder weinen (und lachen) mit voller Inbrunst, weil sie sich in diesem Moment ihren Gefühlen hin-geben. Natürlich waren wir auch alle mal so. Und es wurde uns abtrainiert. Schnell abgelenkt und die Tränen getrocknet.
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Vor ein paar Tagen weinte eine Freundin...
Ich spürte, wie sie versuchte, es zu unterdrücken. Als es nicht mehr ging, entschuldigte sie sich immerzu dafür und meinte, sie hatte gestern so einen stressigen Tag, deswegen weine sie jetzt auch. Obwohl das Thema ein ganz anderes war. Später kam ihr Freund dazu und sagte ihr, sie solle sich doch mal zusammen reißen.
Diese Begegnung hat mich noch lange beschäftigt. Und ich glaube sie hat niemals gelernt, dass sie weinen darf. Und genau das macht mich so unendlich traurig. Nicht die Probleme oder die Wut.
Sondern zu sehen, dass wir uns Anderen nicht zumuten können, wenn wir traurig sind und weinen.
Nur die Sonnenseite zeigen...
Ich weiß so gut wie Du - die Sonne scheint nicht immer. Oder denkst Du, alle anderen sind Dauer-happy??? Ihnen wird es nicht so ganz anders gehen wie Dir. Wir werden durch das Leben angetriggert, sind wütend und verletzt oder fühlen uns missverstanden. Aber wir zeigen es nicht und rennen mit Masken durch die Welt.
Ich wünsche mir mehr Authenzität. Mehr Ehrlichkeit. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir uns zeigen können und die Angst vergessen, ausgeschlossen zu werden, nur weil wir aus dem "Rahmen" fallen. Und dass wir geliebt werden für unser SEIN. Nicht für unser TUN. Oder Benehmen.