Hallo liebe Steemians,
In der letzten Zeit kreisen meine Gedanken viel um das Thema Zufriedenheit und ich lasse euch jetzt mal ein bisschen daran teilhaben.
Lebensziel Zufriedenheit
Es gibt ja immer wieder diese Zufriedenheitsumfragen - ich lese mir dann sehr interessiert die Ergebnisse durch und Deutschland hat nicht unbedingt die zufriedensten Einwohner. Ganz im Gegenteil - in Deutschland wird ganz schön viel gemeckert. Wenn ich mich so im Freundes- und Bekanntenkreis umschaue, lässt sich schnell feststellen, dass offensichtlich ein großer Konsens darüber herrscht, dass Auto, Haus, Kind und fester Job zur allgemeinen Zufriedenheit beizutragen scheinen. Zumindest oberflächlich.
Doch was macht uns wirklich zufrieden und was ist los, wenn wir irgendwie mehr Unzufriedenheit als Zufriedenheit verspüren? Klar, man könnte meinen, dass dann halt alles, was einen stört verändert werden muss und schwuppdiwupp ist alles hübsch.
Vor einiger Zeit habe ich Folgendes für mich selbst beschlossen: Wenn ich irgendwann sehr alt bin, möchte ich sagen können, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin. Rückblickend möchte ich nicht jammern und den Enkeln schlimme Geschichten erzählen. Ich will auch nicht zu der Sorte alte Oma gehören, die stets behauptet, früher wäre alles besser gewesen und unter keinen Umständen will ich von meinen Enkeln oder Urenkeln hören: „Du bist schon alt Oma - das verstehst du nicht!“
Nur bleibt doch fraglich, ob es überhaupt machbar ist mit den Jahren nicht zur verrückten Ollen zu mutieren, sondern eine interessierte und kulturvolle Person zu bleiben? Und wenn ja, was ist dafür nötig?
Es gibt sie ja, diese alten Leute, die selbst im hohen Alter noch das Vertrauen der jüngeren Generationen genießen und am gesellschaftlichen Leben voll teilhaben, ohne in den „Altenteil“ abgeschoben zu werden. So zu werden - daran möchte ich gerne stets arbeiten und vielleicht erreiche ich es ja auch. Mal sehen :-)
Ich erinnere mich noch gut an meinen Uropa Hermann. Hermann war schon ziemlich alt, als ich noch ein Kind war und Hermann war ein Nazi. Zumindest haben sämtliche Recherchen ergeben, dass Hermann ein treues Parteimitglied war und in einem Flugzeugwerk als Ingenieur für Adolf Flieger konstruiert hat. Als ich ihn kennenlernte, saß er oft in einem Sessel mit hölzernen Armlehnen, hatte einen Tropfen an der Nase und schlechte Laune. Auf einer alten Fotografie mit meinem Opa als 2-jährigem und meiner Großtante als vorbildliche Grundschülerin, grimmt auch noch der Führer von der Wand. Meine Uroma überlebte ihren grummeligen Mann um gute 15 Jahre und wollte nie über irgendwelche „Sachen von früher“ reden - das war alles nicht so interessant.
Sie war zwar eine liebe Uroma, hat jedoch immer geweint wenn wir sie besucht haben. Und das waren keine Freudentränen, sondern ich glaube ihr wurde immer bewusst, dass sie nicht mehr am Familienleben teilnahm. Sie wohnte 70km von uns entfernt und entsprechend selten fuhren wir zu Besuch dorthin. Aber immerhin zu sämtlichen Feiertagen und Geburtstagen. Nach dem Tod von Hermann erinnere ich mich an keinen einzigen Besuch ohne eine heulende Uroma. Meiner Mutter ging das irgendwann so hart auf die Ketten, dass sie mich zu irgendeinem Weihnachtsfest eine Dose Haschkekse backen ließ, damit Uroma mal einen lustigen Heiligabend verleben konnte.
Nur mein kleiner Bruder, meine Mutter und ich wussten von dem pikanten Inhalt der kleinen Blechdose mit den Hirschen drauf. Wir hätten besser „NUR FÜR OMA ANNA“ draufschreiben sollen, denn leider hatte irgendwer einen gemixten Keksteller auf die Kaffeetafel gestellt und dieser jemand hatte auch großzügig die leckeren Schokokekse aus der Hirschdose untergemischt. Ich glaube, das war das albernste Weihnachten, an das ich mich überhaupt erinnern kann. Zumindest hat meine Uroma kein einziges Mal geheult. Ich glaube an diesem Heiligabend war sie endlich zufrieden.
Ein paar Jahre später erkrankte sie leider an starker Altersdemenz, erkannte uns alle nicht mehr und die Krankheit gipfelte darin, dass sie auf ihrem eigenen 95. Geburtstag ihren Urenkel heftig anbaggerte. Diese Story erzählt sich meine Familie immer noch mit so großem Enthusiasmus, als wäre es gerade gestern passiert.
Am Tag ihrer Beerdigung fuhren wir - nachdem der offizielle Teil geschafft war - mit der Hirschdose zum Strand.
Eure Lu