Mit diesem und in den folgenden Beiträgen habe ich drei verrückt-lustige Geschichten mit aberwitzigen Begebenheiten und Zufällen für euch. Es handelt sich um den Schauplatz “Mitfahrgelegenheiten”! Yeah, die Überschrift könnte auch lauten: "Spaß mit Artgenossen auf Deutschlands Straßen". Die folgenden Texte setzen sich aus mehreren Erlebnissen beim Fahren und Mitfahren zusammen und lassen sich als kleines Best-of verstehen. Heute gibts Teil 1, morgen und übermorgen dürft ihr Teil 2 und Teil 3 lesen. Viel Spaß!
Prinzipiell finde ich das Konzept von Mitfahrgelegenheit total top. Sich die Kosten zu teilen, ans Ziel kommen und dabei noch die eine oder andere interessante Person kennenzulernen ist doch eine prima Sache und schont die Umwelt! Volle Punktzahl! Und weil ich Mitfahren so toll finde, habe ich das eine zeitlang auch regelmäßig gemacht. Vor allem als Mitfahrerin, weil ich im Studium kein eigenes Auto besaß und es genügend Angebote online gab (gibt). Was ich dabei so erleben durfte, habe ich für euch hier zusammengefasst :-)
Spacko im 3er BMW ohne Lappen
Ich wollte von Bremen nach Berlin. An sich keine komplizierte Sache, hätte ich mich nicht von dem Typen, der sich auf mein “Quer-durchs-Land-Zugticket!”-Angebot auf mitfahrgelegenheit.de wohlgemerkt als Mitfahrer (!) gemeldet hatte, dazu überreden lassen, die Strecke spontan doch mit “seinem” Auto zu fahren. Schwuppsdiwupps war ich von der “Zugfahrerin-welche-Mitfahrer-sucht” zur Mitfahrerin bei einem Unbekannten geworden. Nun gut, dachte ich mir, was soll schon schiefgehen? Am Bahnhof in Bremen nahm das Abenteuer seinen Anfang, als ich in seinen tiefergelegten, weinroten 3er BMW einstieg und just feststellte, dass es sich im unbequeme Sportsitze handelte, welche einer kleinen Person wie mir mit gereckten 162cm nur eine Ahnung der Geschehnisse auf der Straße ermöglichten. Ich fand mich im Liegendtransport wieder und fühlte mich gar nicht so gut. Zudem stellte sich leider schon auf dem Weg aus Bremen auf die Autobahn heraus, dass mein Chauffeur auch passend zum Interieur einen sportlichen Fahrstil an den Tag legte.
Überhaupt war er ein Traum von einem Mann. Grandiose zweieinhalb Zentimeter größer als ich, dafür aber mit mindestens 15 Kilogramm mehr penetrierten seine in New Balance Turnschuhen steckenden Füßchen abwechselnd Gas und Bremse. Tiefliegende Augen, fliehende Stirn, vorstehendes Kinn. Mir kamen die Worte meines Geschichtslehrers wieder in den Sinn und ich stellte fest, dass es sich bei meinem Chauffeur unverkennbar um einen Vertreter des Neandertaler Urmenschen handeln musste. Auch seine Form der Artikulation mit welcher er plump signalisierte, dass ihm meine Anwesenheit sehr angenehm sei, bestärkte meine Urmensch-Theorie. Von Flirten oder Baggern war er noch Jahrtausende entfernt.
Dieses Geplänkel unterbrach jäh ein gurgelndes Geräusch und anschließend aufsteigender Qualm. Irgendwas war unter der Motorhaube aus dem Gleichgewicht geraten, mir wurde ein bisschen mulmig und so schlug ich vor, doch am nächsten Rastplatz mal ranzufahren. Der war zum Glück nicht weit entfernt und so rollten wir bei schönstem Sommerwetter in eine gemütlich Kocheier-pellende Gruppe von deutschen Picknickern. Die Qualmerei unter der Motorhaube wurde immer schwärzer und so sprang ich hastig aus dem Auto. Mein Chauffeur (ab hier Basti - Name von mir geändert) blieb aber seelenruhig sitzen, während ich zur Motorhaube flitze und ihm bedeutete, diese endlich mal zu öffnen. Tat er aber nicht, er fand den Hebel nicht.
Das konnte doch alles nicht wahr sein, dachte ich und blaffte ihn an, ob er dieses Auto denn schon mal gefahren sei. Und zur Antwort kam tatsächlich ein Nein. Wem zur Hölle das Auto den gehören würde usw...ich war auf 180 als mir der Zustand der Reifen ins Auge sprang und meinen Redefluss schlagartig stocken ließ. Der Luftdruck musste im Minusbereich liegen. Basti telefonierte indes und fand dann den Hebel zum Öffnen der Motorhaube.
Die Kühlflüssigkeit war leer. Ob er denn noch ganz bei Trost wäre, mich mit diesem Auto gegen Geld durch die Gegend zu fahren, fragte ich ihn und machte ihm deutlich, dass er jetzt mal schleunigst Luft und Kühlflüssigkeit tanken soll, bevor ich wieder einsteigen würde. Ich ging um die Raststätte herum, fand eine Toilette und musste mir eingestehen, dass diese ganze Aktion richtig dumm lief. Ich hatte wirklich keine Lust mehr bei diesem Hoschi ins Auto zu steigen, zumal wir noch keine 20 km hinter uns gelassen hatten. Ich traf zwei Frauen und fragte sie, ob sie Richtung Berlin unterwegs waren, ich hätte kein gutes Gefühl bei meiner Mitfahrgelegenheit und würde ungerne dort weiter mitfahren.
Ja also, wenn du denn so blöd bist, bei einem Fremden ins Auto zu steigen, dann musst du jetzt zusehen wie du hier weiterkommst. Selber schuld!
Krass, zwei drei Leute weiter kam tatsächlich keine einzige positive Antwort. Die Picknicker hätten mich zurückgelassen. In Gedanken sah ich mich am Abend schon mit den nicen Truckern bei Bocker mit Bier am Spielomat. Nee das war keine Option, ich trudelte zurück zu Basti, der sich entschuldigte und mir erklärte, dass er das Auto von einem Freund ausgeliehen hatte und mich beim Schreiben so sympathisch (das Wort hat er natürlich nicht benutzt) fand und überhaupt, so ein nettes Mädel ... das muss man ja bisschen beeindrucken, deswegen der BMW. Ja ist klar, lass mal weiterfahren ich würde heute gerne noch ankommen.
Ungefähr bei Braunschweig hatte Basti wieder Mut und an mein Knie gefasst. In meiner zahnarztstuhlartigen Liegeposition war es schwierig ihm auszuweichen und so spielte ich die verschiedenen Szenarien im Kopf durch, was im schlimmsten Fall auf mich zukommen würde: Abfahrt=einsamer Waldweg=zerfickte Leiche … Okay so schlimm wird es schon nicht werden, ich plauderte munter auf ihn ein und gab ihm nach und nach Hinweise darauf, dass ich sehrSehrSEHR aktiv Kampfsport betreibe. Diese Taktik schien zu wirken, er fuhr nicht ab.
Unser ach so lockeres Gespräch entwickelte sich prächtig und irgendwie kamen wir auf das Thema Motorrad fahren. Er prahlte von seinen Maschinen, was er alles schon getunt hat und dass er damit immer so richtig dirty aufm Acker unterwegs ist. Mit ‘ner vollverschalten Honda Fireblade aufm Acker rumdüsen, kam mir irgendwie bisschen komisch vor und ich fragte deshalb nach, wieso er denn ausgerechnet dieses Motorrad nicht auf der Straße fahren würde?! Na weil man ohne Lappen nicht auf der Straße fahren darf, lachte er. Stimmt, gackerte ich zurück, aber Auto fahren darfste schon, scherzte ich weiter.
Nö.
Bildquelle: Bild 1