Hallo und Herzlich Willkommen zum zweiten Teil von "Spaß mit Artgenossen"
So als vegan lebender Mensch bin ich Alltag immer mal wieder in äußerst kuriose Gespräche und Situationen verwickelt. Veganismus begegnet uns in immer mehr Bereichen unseres Lebens, entwickelt sich vom Trend zu einer Grundeinstellung, wird irgendwie normal und wirkt deshalb wohl für viele Leute bedrohlich. Und das ist es auch! Denn die gewohnte Lebensart ist tatsächlich “stark” in Gefahr. Ein hübsches Beispiel dafür ist folgende Story aus der letzten Woche beim Einkaufen.
Es ist Samstag, 18 Uhr, vor unserem Supermarkt um die Ecke brennt die Luft. Anwesend sind hormonell überversorgte Teenies auf Rockstar Energy, zwei Penner (die sich raushalten), eine Gruppe Afrikaner (gutaussehende Jungs!) auf Vodka Energy und ein dicklicher Junge mit einer Weste, auf der „Security“ steht. Aus Bluetooth Boxen dröhnt Rap. Ich weiß das so genau, weil ich eigentlich (!) auch HipHop mag. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, im Markt stöhnen die Kassiererinnen über den Andrang und das Bierregal muss auch dringend aufgefüllt werden.
Ich quetsche mich durch und an der Schlange am Pfandautomaten vorbei. Befülle meinen Einkaufskorb mit dem, was ich in den nächsten zwei Tagen so essen werde, und stelle mich an der Kasse mit der kürzesten Schlange an. Vor mir steht eine Familie mit drei Kindern. Papa trägt einen Thor Steinar Hoody und geht Mutti bis zur Schulter. Das kleinste Kind im Buggy kratzt sich unaufhörlich den Kopf. Auf dem Warenband liegt ein Bigpack TK Chickenwings, Zigaretten und eine Flasche Cola. Ich angele mir ein Trennungsstöckchen und lege meinen Einkauf aufs Band. Währenddessen werde ich von hinten geschubst. Ein circa 40-jähriger Mann mit rundem Kugelbauch und Halbglatze. Er rammt mir seinen Korb in die Rippen. Er kauft eingeschweißte Sülze, mehrere Packungen Scheiblettenkäse und Wurst (ich glaube es ist Wurst), Toastbrot, Schokobrötchen, Bier und Erdbeeren. Ich frage mich in Gedanken, was das wohl zusammen für ein Gericht ergeben könnte...bei der Familie vor mir erübrigt sich die Frage.
Als ich dran bin, muss die Kassiererin umständlich meine sechs Karotten und zwei Zucchinis auf der Kassenwaage abwiegen und ranzt mich an, warum ich mir keine Gemüsetüte genommen hätte?! Damit ich unnötigen Plastikmüll vermeide, gebe ich zur Antwort, während ich das besagte Gemüse in meinen Rucksack packe. Die Kassiererin guckt mich verblüfft an und stellt dann fest, dass nichts in meinem Einkauf in Plastik verpackt ist. Zwischen meinen Warentrennern grünt und leuchtet es bunt voller Paprika, Salat, Gurke, Karotten, Äpfeln, nem Blumenkohl und zwei Dosen Kichererbsen. “Das ist ja auch überhaupt kein richtiges Essen, Mädel! Davon wirste doch nich satt! Kauf ma wat fahnünpfiges ein!”, tönt es von hinten, “...und mach` ma hinne jetz!” … WOW! Ich bin verliebt! Instantly!
“Sie sind bestimmt veganisch, oder!?”, mutmaßt die Kassiererin (ab hier Ricarda - steht auf ihrem Schild). Ich will hier jetzt raus und zwar schleunigst, mir schwant Übles, ich wurde enttarnt. Kurz nickend bestätige ich Ricardas waghalsige Vermutung, und bezahle in einem Affenzahn, raffe meine mich mangelernährenden Einkäufe an mich und flitze slalommäßig durch die Teens, Penner, Afrikaner und Security-Boys raus.
Am Fahrradständer holt mich leider mein Hintermann ein. Er glotzt aus seinen vor Schweinefleischkonsum rötlich angelaufenen Mikro-Äuglein und kann sich ein: “Vegan! Soso, da köntsch kotze!” nicht verkneifen.
Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind reiner Zufall.
Eure Lu