Hallo in die Runde,
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass es jetzt wirklich einige Zeit her ist, dass ich meinen letzten richtigen Textbeitrag gepostet habe. Das analoge Leben hat mich doch noch sehr fest im Griff ;-) Und auch wenn mir mein lieber stets als lebende Mahnung vor der Nase herumtanzt, habe ich es trotzdem nicht zustande gebracht, etwas Neues zu schreiben. So ist das manchmal.
Was macht eigentlich meine angekündigte Kaffeeserie? Die Frage ist berechtigt und daher lautet hier meine Antwort: sie ist noch nicht fertig! Sobald die ersten fünf Folgen fertiggestellt sind, werde ich diese auch in kurzen Abständen veröffentlichen. Nur soviel an dieser Stelle: es dürfte nicht mehr allzu lange dauern und es wird etwas zu gewinnen geben! ;-)
Und um das Ganze bis dahin noch ein bisschen aufzulockern, habe ich hier noch eine kleine Anekdote aus der Kategorie „Spaß mit Artgenossen“ für euch.
Schweißausbruch am Kühlregal
Bildquelle: http://www.petite-coquette.co.uk/blog/
In jeder Stadt gibt so ein paar Leutchen, die alle vom Sehen her kennen, aber zu denen man in der Regel keinen so richtigen persönlichen Kontakt hat. Oft weiß man sogar wie sie heißen oder man hat irgendwo ein paar Details aus ihrer Lebensgeschichte aufgeschnappt. Diese Personen gehören irgendwie zum Stadtbild, leben aber doch eher am Rande der Gesellschaft.
Sie sind auf ihre eigene Art anders, verdreht, ungewöhnlich - vielleicht auch ein bisschen verrückt. Aber sie leben mit uns, wir teilen unseren Lebensraum mit ihnen und vor allem sind sie ziemlich präsent. Mir ging das mal so mit einer Frau aus unserem Viertel. Das erste Mal aufgefallen ist sie mir auf dem Markt, wo sie vor mir in der Gemüseschlange anstand. Sie war gekleidet wie eine historische Person aus den 20ern, trug eine unfassbar aufwendige Steckfrisur für einen frühen Mittwochmorgen und hatte leuchtend roten Lippenstift aufgelegt. Geruchlich machte sich eine mottenkugelige Note breit. Der lange Mantel war womöglich wirklich schon 100 Jahre alt?! Ich schätze sie auf etwa 60 Jahre und von diesem Tag an sah ich sie wirklich oft. Mal kam sie mir auf der anderen Straßenseite auf ihrem alten Schwanenhals-Damenrad entgegen, mal saß sie alleine auf einer Parkbank oder streunte zu später (früher) Stunde um die Ecken. Ich habe sie nie mit jemandem reden sehen. Sie war immer alleine unterwegs. Aber immerhin unterwegs. Mit der Zeit wunderte ich mich etwas über Aufmachung, denn sie trug auch im tiefsten Winter feine Riemchen-Pumps ohne Strümpfe. Manchmal huschte sie auch eilig an mir vorbei und sprach gedämpft in ihr hoch gehaltenes Mantelrevers. Ein bisschen wie eine Geheimagentin. Spätestens jetzt wurde mir klar, dass sie nicht in unserer Realität lebte.
Ihre Andersartigkeit gipfelte in einer obskuren Szene im Rewe zwischen den Tiefkühltruhen. Zusammen mit meiner Mitbewohnerin hatte ich gerade nahrhafte TK-Pizzen aus der Truhe geangelt, als sie plötzlich vor uns stand. Neben uns noch ein zur Leichenblässe verblüffter Mann dessen Augen sekündlich aus seinem Kopf zu ploppen drohten. Sie öffnete langsam ihren langen schwarzen Wollmantel, ihr Blick schien durch uns durchzugehen als würde sie etwas Interessantes in weiter Ferne erblicken. Zum Vorschein kam ein alternder Damenkörper sparsam dekoriert mit den „historischsten“ Dessous, die ich jemals gesehen hatte. Für ihr Alter war sie echt knackig und vor allem zu 98% nackt. Sie lächelte uns oder dem, was auch immer hinter uns lag, verführerisch zu. Schloß in Zeitlupentempo ihren Mantel und ging zur Kasse.
Später erfuhren wir von einem Mitarbeiter, dass sie regelmäßig zwischen Pizza und Tiefkühltorten blank zog. Ich sah sie anschließend noch einige Male, aber irgendwann war sie einfach von der Bildfläche verschwunden. Insgesamt war sie nur in einer kurzen Zeit Teil meines Alltags, wenn man das überhaupt so nennen kann und doch muss ich öfter mal an sie denken. Ich hoffe sehr, dass sie irgendwie ok ist. Wo auch immer sie jetzt sein mag.
Die Geschichte mit dem Mantel-Öffnen im Rewe sorgt jedenfalls immer mal wieder für einen Lacher bei uns! ;-)
Eure Lu