In dieser Geschichte hat mein lieber einen Gastauftritt, denn eigentlich handelt es sich um sein Erlebnis. Es war nämlich sein Trip und nicht meiner, wobei ich zum Schluß dann doch involviert werden musste.
Die Ausgangssituation war folgende: Ich hatte ein freies Wochenende und nutzte dieses, um mit unserem 20 Wochen alten Welpen ein paar lebenserleichternde Basics einzustudieren. Dazu gehörten zum Beispiel Sitz und Platz zu unterscheiden, langsam mal stubenrein werden und alleine zuhause bleiben. Von allen diesen Dingen hatte er schon eine Ahnung und meines Erachtens auch schon begriffen, was wir von ihm wollten. Aber in der Umsetzung scheiterte er noch an seiner Jugendlichkeit. Wie das bei diesen kleinen flauschigen Typen so ist, man nimmt es ihnen nicht übel, sondern trainiert mit einer Engelsgeduld und einem astronomischen Vorschuß von Zuneigung und Liebe. Unsere Bemühungen zeigten erste Wirkungen. Einzig und allein das Autofahren fand Tonka immer noch furchtbar. Im Kofferraum wurde ihm angst und bange. So sehr, dass er uns mit seinen Spontanschissen dazu zwang, den Kofferraum vollständig zu gummieren. Vorne auf dem Schoß wurde ihm schlecht und er spuckte uns die Sitze und die Klamotten voll. Wir konnten nur zu zweit kurze Autofahrten unternehmen. Der eine fährt, der andere hält dem Hundi die Haare zurück…
An diesem besagten Wochenende nahm jedoch bei einem urbanen Hindernislauf in einer 400km entfernten Stadt teil und so hatten Tonka und ich auch mal "Mutter-Sohn-Quality-Time". Der
sollte am Sonntagabend wieder bei uns eintreffen. Er hatte sich eine Mitfahrgelegenheit gebucht und teilte mir innerhalb der nächsten zwei Stunden mit:
Stehe am Treffpunkt, keiner da!
Oar halbe Stunde Verspätung...
Wir stehen immer noch. Die dritte Mitfahrerin kommt zu spät...
Jetzt geht's endlich los!
Sitze mit drei Mädels in 'nem Lupo. ;-)
Gute Fahrt Schatzi!!!
Ich machte es mir maximal gemütlich, kochte was Leckeres und schaute Tatort - alles normal soweit. Irgendwann bekam ich die Nachricht von , dass der Lupo sehr langsam unterwegs sei und er mindestens noch eine Stunde später zuhause ankommen würde als geplant. Ok damit starb unser gemeinsamer Sonntagabend kläglich dahin.
Wird noch später. Die Mädels haben Hunger und deshalb halten wir jetzt bei McDonalds! Oar….
Ich machte mit dem kleinen Tonka noch eine letzte Runde und stellte mich darauf ein, alleine in Bett zu gehen als mein Handy klingelte. Mein Freund teilte mir mit, dass der Lupo mit letzter Kraft auf einen einsamen dunklen Parkplatz gerollt war, weil die Fahrerin vergessen hatte vor der Abfahrt die Tankanzeige zu kontrollieren.
Da standen sie nun und wussten weder ein noch aus. Doch die Lupo-Girls hatten einen dabei. Und damit hatten sie sich eines der seltenen Exemplare Mensch an Bord geholt, die immer wissen, was zu tun ist und intuitiv Lösungen generieren. Was für ein enormes Glück sie doch hatten!
Ich konnte die hochgezogenen Augenbrauen und vor Extase rollenden Augäpfel meines Freundes quasi durchs Telefon sehen.
Mit Google Maps und GPS ortete er sich selbst. Die nächste Tankstelle war sieben Kilometer entfernt und lag natürlich auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn. Aber auf der Karte war auch klar erkennbar, dass hinter dem Wildzaun vom Parkplatz so eine Art Feldweg entlang führte, der sich durch Wald und Flur schließlich zur heißersehnten Tanke hin mäanderte. Die drei Görls diskutierten mittlerweile heiß und die eben noch gute Stimmung hatte sich spürbar ins Kühlhaus zurückgezogen. Sie waren weit davon entfernt irgendeine Lösung zu finden.
Und somit machte er meinen Zubettgeh-Plan zunichte.
Schatzi, schwing dich ins Auto. Kauf an der Tanke einen Kanister. Tank ihn voll und hol mich ab! Bitte!
Klein-Tonka wurde also ins Hunde-Bett gebracht (in dem er nicht blieb, denn schließlich spürte er genau das irgendwas nicht nach Plan lief). Ihn mitzunehmen kam überhaupt nicht Frage, siehe oben. So musste er also das erste Mal alleine zuhause bleiben.
Ein Problem gab es noch: Den kleinen, unscheinbaren Parkplatz hätte ich im Dunkeln niemals gefunden. Zudem hätte ich erst ca 30 Kilometer hinter dem Parkplatz eine Wendemöglichkeit gehabt. Also beschloss mein Freund zu der nicht allzu weit entfernten Tankstelle zu gelangen. Glücklicherweise hatte ein Autofahrer Verständnis und hat ihn bis zur Tankstelle mitgenommen. Für ihn war das ein perfekter Treffpunkt - Groß und auffällig leuchtend. Genau dort sollte ich ihn abholen, teilte er mir am Handy mit.
Ich fuhr also an einem späten Sonntagabend zur nächsten Tankstelle, erwarb einen leeren Benzinkanister und befüllte ihn. Dann fuhr ich 40 Minuten lang auf der Autobahn in die Richtung des liegengebliebenen Lupos. Nach der Beschreibung meines Freundes musste ich diese eine Tankstelle finden, die X Kilometer von unserem Zuhause entfernt lag - Also, Kilometerzähler auf Null setzen und dann immer wieder draufschauen, ob es ungefähr passte. Und Tatsache, mitten aus dem Nichts leuchtete die besagte Tankstelle auf. Ich navigierte auf den kleinen Parkplatz und erkannte meinen Liebsten, der bereits fleißig mit den Armen wedelte. Ich war heilfroh, es bis hierher geschafft zu haben.
An dieser Stelle gestehe ich euch nämlich, dass ich im Dunkeln wirklich nicht gerne Auto fahre. Ich bin zwar nicht direkt nachtblind, aber irgendwie ist nachts fahren überhaupt nicht mein Ding. Entfernungen abschätzen, blendender Gegenverkehr, Baustellenbeleuchtungen …. das ist alles purer Stress für mich.
Jedenfalls stieg ei, wir cruisten über den Feldweg von hinten an den Rastplatz heran. Er stieg aus, warf den Kanister über den Zaun und kletterte hinterher. Auf der anderen Seite warteten die drei mittlerweile verzweifelten und teilweise verärgerten Mädels auf Benzin. Ob die wohl erwartet haben, dass er zurück kommt?
Er befüllte den Lupo mit dem Kraftstoff aus dem Kanister und wies die Fahrerin an, das Auto zu starten. Es funktionierte. Sie war heilfroh. schnappte sich derweil seine Tasche und sagte, ab hier würde er jetzt gerne mit seiner Freundin weiter fahren. Ciao! Worauf er ein weiteres Mal den Zaun überwand, ins Auto stieg und mit mir nach Hause fuhr.
Als wir zuhause ankamen, begrüßte uns freudig unser Welpe. Er hatte artig gewartet und keinen Unsinn verzapft. Keine Pfützen, keine getöten Schuhe und der Mülleimer war zum Glück auch nicht Opfer eines Raubüberfalls worden.
Yeah!
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