Sie schwärmen wieder!
Die Schwarmflüge der gelben Wegameise, Lasius flavus, sind jedes Jahr wieder erstaunlich!
Ich war wieder einmal draußen unterwegs und habe ein Video für YouTube gedreht, aber für Steemit habe ich natürlich noch ein paar Zusatzinfos und Fotos bereit ;)
Informationen zur Art
Lasius flavus, Trivialname gelbe Wegameise, gehört innerhalb der Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) zur Gattung Lasius (Wegameisen). Die Untergattung Cautolasius, zu der sie gehört, vereint einige Wegameisen mit sehr ähnlicher Morphologie und Lebensweise:
Gelbe, kleine Ameisen, die unterirdisch und in Trophobiose mit Wurzelläusen leben. Deswegen kommen sie in der Regel auch nur zum Vorschein, wenn man das Gemüsebeet umgraben möchte, in dem aus den Karotten und Radieschen irgendwie nichts wird ;)
Die Wurzelläuse werden von den Ameisen an geeignete Wurzeln gesetzt, dafür erhalten diese im Gegenzug den süßen Honigtau, Hauptnahrungsbestandteil der gesamten Kolonie. Damit auch im neuen Jahr die Versorgung sichergestellt ist, werden die Eier der Wurzelläuse vor der Winterruhe gesammelt und ins Nest gebracht!
Schwarmflug
Und deswegen ist der Schwarmflug dieser Arten auch so interessant: Das ganze Jahr über sieht man nichts außer gelegentlich ein paar kleinen Hügelchen mit Auswurfmaterial, die nach dem nächsten Regen wieder verschwunden sind. Und dann, eines morgens, quellen plötzlich hunderte große geflügelte Ameisen aus dem Loch und versuchen irgendwie, auf etwas hohes zu klettern und abzuheben!
Ameisenköniginnen sind erstaunlich schlechte Flieger, und noch schlechtere Kletterer. Wenn sie es erst einmal auf einen Grashalm geschafft haben, müssen sie immer noch den Start hinkriegen, ohne wieder in den Rasen zu krachen^^ Ein interessantes Spektatkel...
Zunächst starten die Männchen, später dann die Jungköniginnen. Dabei sind die Königinnen monoandrisch, paart sich also in der Regel mit nur einem Männchen, bevor es landet, sich die Flügel abbricht, und sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für die (claustrale) Gründung macht.
Haltung
Obwohl die Art in der Natur unterirdisch lebt und sich großteils von Honigtau ernährt, können sie sich in der Haltung problemlos auf "normale" Fütterung mit Honig und Insekten in einer Arena ("Außenwelt") einstellen.
Ich selbst halte zwei kleine Kolonien vom Schwarmflug 2017 im Reagenzglas. Bisher habe ich noch keine Arena zur Verfügung gestellt, da sich die Art im Vergleich zu beispielsweise Lasius niger, der schwarzen Wegameise, langsam entwickelt.
Man beachte den Größenunterschied zwischen der Königin und ihren Töchtern. Auch deutlich erkennbar: Die kleinen Augen deuten auf eine unterirdische Lebensweise und Orientierung mit den Fühlern hin!
Die Art besticht mit meiner Meinung nach wunderschönen Arbeiterinnen. Die goldgelbe Färbung verlangt natürlich nach einem entsprechenden Bodengrund, ich dachte vielleicht an schwarzen Aquariensand, was meint ihr?
YouTube
Wie zuvor bereits angekündigt, wurde auch ein YouTube-Video dazu veröffentlicht. Ich war kurz nach dem Schwarmflug draußen und machte mich auf die Suche nach Königinnen, die ihrerseits gerade nach eine passenden Location für die ca. eineinhalb Monate dauernde Gründungsphase suchten. Ich wurde tatsächlich auch fündig, aber seht selbst^^
Kleines Update zu anderen Königinnen
Könnt ihr euch noch an die Königinnen aus diesem Post erinnern? Es gibt Neuigkeiten!
Camponotus herculeanus
Die Rossameisen-Königin hatte ja schon damals Brut, und wie erwartet dauert die Entwicklung sehr lange. Ich fürchte außerdem, dass ich sie ein bisschen zu oft gestört habe. Die Brut schien nämlich wieder weniger zu werden, und einige Larven sahen ausgehungert aus. Inzwischen liegt die separiert von den anderen Gynen in meinem Kleiderschrank, wo ich sie jetzt zwei Wochen in Ruhe lassen werde. Das sollte ihr hoffentlich die nötige Ruhe verschaffen, um noch eine erfolgreiche Gründung hinzulegen^^
Das die Gründungsphase lange dauert, ist bekannt. Trotzdem sollte die Brut schon viel weiter entwickelt sein...
Formica cunicularia
Gute Neuigkeiten: Die ersten Arbeiterinnen sind geschlüpft! Aus der Königin mit Brut wurde nun also eine kleine Kolonie, die bereits ihre erste Fütterung mit Honig und einer halben Fliege hinter sich hat. Nun kann ich nur darauf hoffen, dass sich die Königin bald daran macht, ihren zweiten Schwung Eier zu legen und aufzuziehen^^
Die ersten Arbeiterinnen (Pygmäen) sind da! Sie sind ein bisschen kleiner und weniger auffällig gefärbt als die Arbeiterinnen einer ausgewachsenen Kolonie, aber trotzdem ca. dreimal so groß wie die Lasius flavus Arbeiterinnen von oben^^
Ende
Das war's wieder mal! Ich hoffe wie immer, dass der Artikel euren Gefallen findet, und würde mich sehr über einen Kommentar freuen!
Liebe Grüße,
Gabs