Wie es ist, introvertiert zu sein
Ein kleiner Einblick in meine Gefühls- und Gedankenwelt
Ich bin introvertiert. Ich hab zwar nicht Psychologie studiert oder mich mal irgendwo analysieren lassen, aber dessen bin ich mir zu hundert Prozent sicher. Bevor ich nun aber erzähle, warum ich davon so überzeugt bin, werfen wir noch einen kurzen Blick in den Wikipedia-Artikel zu Introversion und Extraversion:
..und ja, ich b in der Meinung, dass man Wikipedia durchaus als vertrauenswürdige Quelle ansehen kann, wenn man sein Köpfchen einschaltet. Außerdem wird das hier ja auch kein STEM-Artikel, also keine Panik.
Bei Introversion und Extraversion handelt es sich um zwei Gegenpole einer Persönlichkeitseigenschaft, wobei Introversion für eine nach innen, Extraversion für eine nach außen gewandte Haltung steht.
Während introvertierte Personen sich eher auf ihr eigenes Innenleben (im psychischen/sozialen Sinne) konzentrieren und sich in Gruppen eher beobachtend als handelnd verhalten, empfinden extravertierte Personen den Austausch und das Handeln in Gruppen als anregend.
Introvertierte Charaktere bevorzugen darüber hinaus eine ruhige Umgebung und benötigen gelegentlich Zeit allein bzw. unter wirklich guten Freunden.
Wichtig ist, Introversion nicht mit Schüchternheit gleichzusetzen.
So würde ich mich selbst zum Beispiel nicht als schüchtern bezeichnen. Manchmal etwas zurückhaltend, ja, aber nicht (mehr) schüchtern. Und damit wären wir auch schon beim persönlichen Part dieses Artikels.
Der persönliche Part dieses Artikels
Ohne lange um den heißen Brei herumzureden: Ich bin ein Denker. Das sagt jetzt noch gar nichts über die Qualität der Gedanken aus, ich möchte mich hier schließlich nicht selbst beweihräuchern. Doch was bedeutet das viele Denken in meinem Fall?
Ich brauche ewig, um einzuschlafen. Anstatt auf die Tiefschlafphase zu warten, möchte mein Kopf sofort damit beginnen, die Ereignisse des Tages/der letzten Tage zu verarbeiten. Deswegen benötige ich oft ca. eine Stunde, um einzuschlafen.
Ich denke oft in Worten. Ich habe schon oft Leute sagen hören, dass man doch nicht wirklich in Worten denke. Obwohl meine Gedanken natürlich sehr viel schneller gedacht werden, als ich sie sprechen könnte, erwische ich mich selbst sehr oft dabei, wie ich das Gedachte zumindest stellenweise auch ausformuliere. Ganz so, als müsste ich es auch jemandem mitteilen.
Ich verpasse die Gelegenheit für einen guten Scherz... weil ich zu lange darüber nachdenke, wie er bei anderen ankommen, auf welche Reaktion er stoßen könnte. Und das hat eher wenig damit zu tun, wie gut ich mit den Beteiligten befreundet bin.
Ich fühle mich oft nicht authentisch. Dadurch, dass ich bei allem ständig im Hinterkopf behalte, wie die anderen reagieren könnten, was sie hören wollen, habe ich gelegentlich das Gefühl, dass es mir an "Persönlichkeit" fehlt. Irgendwas, das mir sagt "Ja, das bist du" oder "Nein, das würde absolut nicht zu dir passen".
Wenn man mit bestimmten Menschen gut auskommt, ein bisschen Zeit miteinander verbringt und merkt, dass man auf selber Wellenlänge ist, fährt man bekanntlich irgendwann seine Schilde runter. Man ist bereit, dem anderen die Gesamtheit des eigenen Charakters zu offenbaren. Um die Metapher fortzuführen: Ich glaube nicht, dass ich über die Funktion verfüge, die Schilde komplett herunterzufahren.
Wie beschreibt man das am besten...
Bestimmt war jeder der Leser meines Artikels schonmal in irgendjemanden verknallt. Plötzlich wird jeder Blick, jede Handlung analysiert, interpretiert, soziale Interaktion mit dieser Person wird zu kognitiven Wissenschaftsprojekt, und Situationen, über die man früher gar nicht nachgedacht hätte, bedürfen auf einmal einer genauen Planung.
So ungefähr kann man sich das vorstellen, nur nicht ganz so heftig, und natürlich auch nicht immer ganz so präsent. Aber im Hintergrund läuft der Prozess doch immer mit.
Das klingt jetzt alles sicher irgendwie schräg...
Vielleicht hab ich's mit der Beschreibung auch ein bisschen übertrieben. Ich bin ein ganz normaler Mensch. Ich denke nur sehr viel. Ich halte nicht viel von großen Menschenansammlungen und lauter Musik. Natürlich machen Partys Spaß, und ich gehe mit Freunden auch gelegentlich fort. Aber es gibt für sowas einen "Energievorrat", der sehr schnell erschöpft ist, und der nur dadurch wieder aufgeladen werden kann, dass ich Zeit alleine verbringe. Nur ich und Musik, Natur, oder ein gutes Buch.
Ende
Irgendwie befürchte ich, dass der Artikel ein bisschen chaotisch und unzusammenhängend ist... bitte verzeiht mir, ich habe seit gestern Husten und Halsweh und Schnupfen und ein bisschen Fieber, aber ich habe mir dringendst vorgenommen, diesen Post zu schreiben. Die Idee kam mir im Gespräch über Freundschaft, Lebenseinstellung und Religion mit einem meiner Einschätzung nach sehr extrovertierten Freund^^
Introvertiert zu sein ist weiter verbreitet, als manche denken. Oft wird das Wort auch in falschem Kontext verwendet, weshalb man oft zu hören bekommt "Was? Nein, du bist doch nicht introvertiert..."
Wenn euch der Post trotzdem gefallen hat, würde ich mich sehr über eure Kommentare freuen! Vielleicht erkennt sich ja auch der ein oder andere wieder...
Leibe Grüße,
Gabs