Als gelernter Journalist muss ich mal festhalten: es redet sich immer leicht, wenn man es selber nicht machen muss.
Ich bin vom Lokalblatt bis zu einem der top3 Privatsender in etlichen Redaktionen gesessen und irgendwie gab es nie Vorgaben, was geschrieben werden darf und was nicht.
Zu deinem Bild oben (und ich möchte damit lediglich meine Sichtweise aufzeigen, ich argumentiere nicht stellvertretend für alle Medienvertreter):
Messerattacke statt Kindsmord
Soll damit jetzt gesagt werden, die Medien würden einen Kindsmord vertuschen wollen? Allein in deinem Mini-Screenshot wird 3x eindeutig auf das Vater-Kind-Verhältnis hingewiesen. Außerdem muss "Mord" erst einmal per Definition bestätigt werden.
"soll" statt "hat"
Solange er vor dem Gericht nicht per rechtskräftiges Urteil als Mörder deklariert wurde, DARF man nicht schreiben, dass er es getan "hat". Das ist immer und überall so. Darum sind auch die eindeutigsten Fälle vor der Verurteilung immer "mutmaßliche" Täter, die etwas getan haben "sollen".
gezielt ausgeführter Doppelmord
Also wenn du nicht gerade Gerichtsmediziner und Gutachter bist und das rechtskräftige Urteil in der Hand hast, darfst du das als Journalist auch nicht schreiben. Zumal es einen Unterschied zwischen "Mord" und "Totschlag" gibt, als erster offensichtlicher Unterschied. Dann gibt es noch weitere mögliche Unterscheidungen. Am Ende gilt, was offiziell entschieden wird. Darüber darf man sich als Reporter nicht hinweg setzen.
Salafist...blabla statt Vater
Gut, das wäre ja mal eine bescheuert lange Überschrift. Außerdem würde es dann klingen, als ob irgendjemand als der Vater dringend tatverdächtig wäre. Und damit würdest du ja verheimlichen, dass es Kindsmord gewesen sein könnte. Und... hast du nicht genau das kritisiert?
Alles, was du da oben gemacht hast, ist im Grunde die beliebte BILD-Taktik. Die machen so viel Umsatz, dass sie regelmäßig die Strafen in Kauf nehmen. Darum zeigen sie ja gerne unverpixelte Bilder von Verdächtigen, obwohl das teuer wird. Aber es macht mehr Umsatz.
Gratuliere - du bist auf BILD-Niveau.
Weißt du, es kotzt mich echt an, dass pauschal alle Medien immer so böse sind. Egal ob bei Zeitung oder beim Fernsehen: ich habe immer versucht, möglichst beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen, neutral zu bleiben und sichere Quellen zu finden. Das ist eine scheiß Arbeit. Ehrlich. Zu 90% klappt das auch. Aber genau die 10% werden von Tastenkriegern dann in der Luft zerrissen um ... warum wohl? Genau. Um sich selbst zu profilieren.
Das ist schlichtweg unfair. Klar, es passieren Fehler, es gibt schwarze Schafe, es werden (Überraschung!) die Reporter falsch informiert oder belogen. Aber darum gleich pauschal die Medien als verlogen abzustempeln ist eine Beleidigung für die tausenden Kollegen, die wirklich versuchen, alles gut hinzubekommen. Und das ist echt nicht leicht.
Ich meine, du hast ja keinen einzigen richtigen Ansatz bei deinem Screenshot hinbekommen. Denn auch als Journalist unterliegt man Gesetzen und im Idealfall auch gesamtgesellschaftlich sinnvollen Regeln.
RE: Und sie lügen doch .... und das bewusst!