„Ich war immer ein optimistischer Mensch mit großen Träumen und dann kam die Realität der anderen!“
Es ist schon Jahre her und ich erinnere mich daran, wie ich mich morgens, während des Zähneputzens, im Spiegel betrachtete. Ich sah die weißen Fliesen im Hintergrund und die Wassertropfen die noch an der Duschwand hingen. Ich sah die sehr groß gewachsene Monsterapflanze in der Ecke und den weißen Schrank daneben.
Und trotzdem nahm ich nur meine Augen wahr. Dunkelbraun, umrandet mit dichten schwarzen Wimpern waren sie das einzige was ich in den ganzen Jahren wirklich an mir mochte. Doch an diesem morgen sahen mich diese Augen an und irgendetwas war anders.
Die Augen die ich kannte strahlten Fröhlichkeit aus und Freude, doch heute sahen sie matt und stumpf aus. Der Glanz war verschwunden! Und es lag eine Schwere und Traurigkeit in ihnen, die mich in diesem Moment schwer traf. Was war passiert? Ich war 28 Jahre und sollte mein Leben nicht mit purer Lebensfreude erfüllt sein? Sollten meine Augen nicht strahlen und glänzen, voller Erwartung was heute noch kommen mag?
Bild: Sasint, www.pixabay.com
Auf der Suche nach dem Strahlen
Ich setzte mich an meinen weißen Schreibtisch, spüre den harten Stuhl unter meinem Hintern. Ich sehe Regentropfen an den Fensterscheiben und meine Stimmung scheint noch trauriger zu werden. Ich schaue mich nochmal in dem Raum um, den ich selber renoviert habe und auf dessen Einrichtung ich wirklich stolz bin. Die Wand neben der Tür ist einem dunklem Grau gestrichen, die einzige Farbe an den Wänden. Eine übergroße Uhr hängt dort und zieht den Blick sofort auf sich. Darunter steht ein weißer Schrank auf dem, neben dem Bild von meiner Familie, rosa Rosen in einer Ballonvase stehen.
Ich nehme meinen Laptop aus der Schublade, öffne mein Textbearbeitungsprogramm und beginne zu schreiben. Meine Finger gleiten über die Tasten. Meine Eingangsfrage die ich schreibe lautet:
Bild: Marita Grabowski www.maritagrabowski.de
Wo ist die Freude in meinem Leben?
Und mein Gehirn sucht nach Antworten. Meine Gefühle sprudeln nur so aus mir heraus. Ich komme von den oberflächlichen Themen ganz schnell immer tiefer in mich hinein. Ich habe viele Aha Momente, viele Dinge erscheinen mir plötzlich klarer. Ich sitze vor meinem Laptop, die Finger hören nicht mehr auf zu schreiben und mir laufen Tränen über die Wangen. Beim schreiben wird mir bewusst, wie schwer ich mir mein Leben mache. Mit wie vielen Ängsten ich plötzlich kämpfe, die vorher nie existent waren. Mir wird bewusst wie ich mir die Sorgen der andere überstülpe und mich selber vergessen haben. Meine Wünsche, meine Träume und Visionen hängen irgendwo nur noch ganz schwach in meinem Hinterkopf und ich habe für mich irgendwann einmal entschieden, dass die anderen Recht haben.
- Ich muss mir viel mehr Sorgen machen.
- Ich kann nicht immer so impulsiv sein.
- Ich darf nicht so glücklich sein, wenn doch grad so viele Probleme da sind.
- Ich muss doch endlich mal lernen mehr nachzudenken.
Mein Dokument wurde immer länger und länger. Mittlerweile sind es zwei vollgeschriebene Din A4 Seiten die meinen geschriebenen Schmerz tragen. Ich weine noch immer und beginne um meine eigenen Träume zu weinen. Die Träume die ich bereits mit jungen Jahren hatte und die ich immer irgendwie verfolgt habe. Die Träume die mich getragen haben, wenn es mir schlecht ging.
Ich frage mich, wann ich begonnen habe diese zu begraben? Warum habe ich sie begraben? Warum muss das Leben hart sein? Warum habe ich begonnen die (harte und schwere) Realität meines damaligen Partners zu meiner eigenen zu machen?
Diese Situation trat immer und immer wieder in meinem Leben auf. Immer wieder schrieb ich. Immer wieder wurden mir Situationen bewusst, in dem mein altes Ich ganz anders reagiert und entschieden hätte. Mir wurde klar, dass ich Teile meiner eigenen Persönlichkeit immer weiter aufgegeben habe, weil ich dafür immer und immer wieder verurteilt wurde. Also begann ich nach Antworten zu suchen, wie ich die Kraft finde zu meinem wahren Ich zu finden und es zu behalten.
Bild: Marita Grabowski www.maritagrabowski.de
Meine Erinnerung
Ich erinnerte mich an die unendlich vielen Gespräche mit meiner, mittlerweile verstorbenen, Mama am Küchentisch. Die kleinen und großen Lebensspinnereien, die Leichtigkeit die ich damals fühlte, wenn ich an meine berufliche Zukunft dachte. An die Freude in meinem Leben. Daran wie leicht ich es mir vorstellte Geld in mein Leben zu ziehen, ein Haus zu haben mit einem großen Garten damit meine Vögel eine tolle (und vor allem große) Voliere bekommen können.
In meiner Vorstellung wurde ich vom Leben getragen, ich wusste innerlich, dass es viel Freude haben werden und ich mir mein Leben so gestalte wie ich es wollte.
…und dann kam die Realität der anderen.
Hier findest du mich auch:
Facebook: https://www.facebook.com/maritagrabowski.de/
Instagram: https://www.instagram.com/marita.grabowski/
Youtube: http://bit.ly/2qS43Fc
Blog: http://maritagrabowski.de/