Inspiriert durch und den Beitrag zum Thema Freewriting möchte ich mich in einem eigenen kleinen Experiment mal daran wagen, in einer kurzen Übung in mich hineinzuhorchen und den Gedanken eine Chance zu geben, die sich ihren Weg bis in meine Fingerspitzen bahnen. Ich freue mich sehr auf die folgenden Minuten, sodass ich tatsächlich ein Bild davon im Kopf habe, wie Gedanken, in meiner Phantasie sichtbar als schemenhafte, fädige Strukturen in meinem Gehirn herumschwirren und um Aufmerksamkeit bitten. Fast wie Keimzellen, Samen die sich duellieren, mit dem Unterschied, dass hier jeder einzelne Gedanke, der es bis auf das Papier schafft, eine Geburt symbolisiert. Natürlich fragt sich der Kontrollfreak in mir, ob ich mich in gewisser Weise einem persönlichen psychologischen Priming unterziehe. Stoße ich die Aktivierung von Assoziationen in meinem Gehirn durch dieses Vorgeplänkel an? Verändere ich nun meinen Stream-of-Consciousness dahingehend, dass ich gewisse Themen ausschließe und andere schon beinahe offensichtlich behandelt werden? Verstärke und lenke ich meine Gedanken durch die Erwartungshaltung euch unterhalten zu möchte, euch vielleicht ein Lächeln auf die Lippen zaubern zu können?
Ich werde diese Einleitung nun beenden, mir einen Moment Zeit lassen, Musik zur Inspiration auflegen und mir für die Passage zehn Minuten Zeit gewähren.
Das folgende ist NICHT korrigiert und ungefiltert - genau so wie ich es eingetippt habe!
Und los: Und los? Hab‘ ich mir das nicht vorher ausgedacht? Was fühle ich? Was will ich aufschreiben? Was will ich nicht sagen? Wieso will ich es nicht sagen? Ich weiß nicht wo ich anfangen soll, die kleinen Gedankenwesen schwirren wild umher. Es fühlt sich leerer an als eben. „Manche führen manche folgen…Sinn und Form bekommt Verstand“. Ich bin verstört. Das erste Lied prophezeit mir meine Personifikation der Gedanken?! Allerdings weiß ich noch nicht, ob der Text besonders viel Verstand haben wird. Es scheint mir wie eine Abhandlung meiner Gedankenwelt, vielleicht kann man daraus eine Mindmap erstellen. Vermutlich habe ich diese famose Idee nur weil ich Wirtschaftsingenieurin bin, muss ich ständig alles optimieren? Die Frage ist ja aber viel eher, warum wir uns nicht trauen das zu schreiben, was wir denken. Das zu veröffentlichen, was da in uns herumgeistert. Ich glaube es ist die Angst vor der Ablehnung, die Angst zu schlecht zu formulieren und ja, ich muss mich krampfhaft zwingen das hier nicht Korrektur zu lesen und die Sätze, so sinnlos sie auch sein mögen einfach tapfer abzuwinken. Es gibt mir ein Gefühl des Unwohlseins. Wie wird das wohl auf meine Leser wirken? Das ist eine der Fragen die ich gerade immer wieder in meinem Kopf finde. Manchmal, so wie jetzt, muss ich kurz innehalten. Die Uhr macht mich ein bisschen verrückt. Es ist so wenig Zeit und ich habe das Gefühl als Autorin auch eine Verpflichtung gegenüber meinen Lesersn zu haben ihnen nicht sinnlos die Lebenszeit zu stehlen. Vielleicht sollte ich etwas über das Psychologische Priming schreiben. Ich frage mich tatsächlich ob man die eigenen Gedanken bescheißen kann. Woher weiß man denn was wahr und falsch ist? Das muss klingen als hätte ich tiefgreifende Wahrnehmunsstörungen, ich denke nur mit der Frage beschäftigen sich einfach wenige Menschen. Wenn ich etwas denke, denke ich es dann bewusst oder wurde der Gedanke durch einen Stimulus ausgelöst? I guess it depends. Language switching. Synaptic overkill. Ich glaube wirklich der Schweinehund des Geltungsbedürfnisses boxt die intelligenten Gedanken beiseite und schreit „Mach was cooles draus!“ und das kleine vierjährige Mädchen, in der anderen Ecke meines Gehirns sagt „Na…so richtig trau ich mich nicht, lass gut sein, will doch eh keiner lesen!“. Tja und bald verrinnt die Zeit. Ich hab in meinem Post an Noell die Authentizität infrage gestellt, bei dem Versuch eigene Geschichten zu reproduzieren. Hat man dann nicht grundsätzlich sein Leben lang ein Authentizitätsproblem? Wenn ich alte Emails von mir lese, Geschichten, Texte, irgendetwas stelle ich immer wieder mit Erschrecken fest, wie sehr sich gewisse Sätze, spielarten des Schreibens oder Argumentationsketten wiederholen. Ich bin die Kopie von der Kopie von der Kopie. Copy, copy…!
Meine eigene Kopie. Ich sollte mir das dennoch zugestehen. Vielleicht will es doch jemand lesen. Was ich noch zu sagen hätte dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im steh‘n. Times up, over now!
Okay wow! Ich glaube so richtig lustig ist das nicht geworden, aber meine Gedankenwelt in dem Moment hat es schon ganz gut abgebildet. Hier lernt man bestimmt über die Zeit. Ich glaube im Kontext des „Ich möchte das mit jemandem teilen“, baut es auch einen Druck auf, den ich ja nun denke ich ganz gut beschreiben konnte. Man fragt sich sofort, ob man nicht schwafelt, weil man sich ja nicht bewusst darauf konzentriert was man schreibt, bzw. nicht ständig reflektiert, Sätze kontrolliert und anpasst. In der Zukunft möchte ich das auf jeden Fall nochmal ausprobieren und freue mich, falls auch mal eine längere Passage zu einem spontanen Gedanken dabei sein wird.
Danke für's Lesen!
Eure Marla ✮
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PS: Da mir nach dem Lesen des Freewritingtextes aufgefallen ist, dass ich offenbar mehrere Songtexte verwurschtelt habe, könnt ihr gerne in den Kommentaren mitraten, welche es sind :)