Lebenserfahrung und nicht nur ein Thema für Frauen. Kein NSFW, weil es sind andere Sünden gemeint... ;)
Gestern wollte ich noch etwas über ein Musikthema posten, aber es ging nichts mehr... Die Gartenarbeit hatte mich völlig geschafft! Wieder einmal musste ich gegen acht Uhr abends Farbe bekennen: Da geht nichts mehr! Bewegung an der frischen Luft – gut und schön. Aber immer besser verstehe ich die Menschen, die Tag für Tag körperlich tätig sind! Selbst wenn man abends noch etwas Geistiges tun möchte, es geht einfach nicht mehr.
Endlich kann man draußen wieder etwas arbeiten. Mein gestriger Job bestand darin, Schnittgut vom Obstbaum- und Weinrebenschnitt zusammen zu tragen, in der Schiebetruhe zu unserem Feuerplatz zu führen für das traditionelle Osterfeuer, und größere Äste zum Brandplatz zu schleifen. Klingt zwar recht gemütlich, aber das Gelände ist steil und die Hänge sind zur Teit sehr rutschig.
Wenn ich etwas in meinem Leben falsch gemacht habe, dann war es mein fehlgelenktes Heldentum oder wenn man so will, meine falschverstandene Tapferkeit im Alltag. Als Studentin schleppte ich schwere Getränkekisten, um mir und dem Rest der Welt zu beweisen, dass ich stark bin und es schaffe.
Mit Ingrimm sehe ich da etwas aus meiner Vergangenheit in den unterwürfigen Rockerbräuten gespiegelt in diesen Bikerclubs, in denen nur Männer das Sagen haben und die Frauen nur kochen und die Stiefel ihrer Göttergatten putzen dürfen...
Das Los, Einzelkind und Tochter zu sein, spielte auch eine Rolle. Meine Eltern könnten es nie verwinden, dass es bei dem Töchterchen blieb, und ich wollte ihren Jammer ausgleichen, indem ich in ihrem Obstgarten Obstkisten schleppte und mit Schiebetruhen nach oben zum Lager radelte. Ja, dummerweise liegt der Obstgarten unterhalb vom Ferienhäuschen. Auch den Wald ging ich willig ausputzen, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten.
Als junge Mutter nahm ich mir zwar zeitweise eine Putz- und Gartenhilfe auf, doch das hatte zur Folge, dass einige meiner Lieblingspflanzen ausgerottet wurden, die Steckdosen an der Wand baumelten und Arbeitsgeräte auf einmal sehr kurzlebig waren. Erst viel später entdeckte ich staunend, dass einige meiner Zierteller aus Fragmenten zusammengeklebt und fehlende Elemente mit Faserstiften nachgemalt wurden. Sehr kunstvoll und beeindruckend, aber...
Einmal wären wir fast abgebrannt, und das kam so. Auf einem Elektroherd, den wir so gut wie nie in Betrieb nehmen, hatte ich vorübergehend einige CDs abgestellt. Meine Helferin dürfte wohl beim Staubwischen unbemerkt einen Schaltknopf aufgedreht haben. Als ich kurz danach in diesem Raum etwas zu tun hatte, fiel mir ein sonderbarer Geruch auf. Meine CD-Sammlung war bereits zusammengeschmolzen.
Die Missgeschicke wurden nie zur Sprache gebracht. Die “Perlen“ verließen uns wegen Übersiedlung und wegen eines Dauerjobs oder weil sie wegen einer größer werdenden Kinderschar zu Hause blieben. Die Lust darauf, Hilfe zu engagieren, war nach einer Schaden-Nutzen-Aufstellung irgendwann verflogen. Ich würde niemandem raten, Reinigungspersonal unbeaufsichtigt in der Wohnung zu lassen. Nicht etwas aus Angst vor Diebstählen, sondern wegen der Brandgefahr!
Als ich im Jahr 1989 dauerhaft ins Südburgenland übersiedelte, um mein abenteuerliches Leben in einem über zweihundert Jahre alten Bauernhof zu verbringen, ahnte ich zum Glück nicht, das dies dreißig Jahre Bautätigkeit bedeuten würde. Jahr für Jahr wird renoviert und umgebaut!
Wenn mir mein Leben sonst fad vorkäme... Aber das ist nicht der Fall. Mein Lebenspartner hat mehr Freude an Bauen und Werken als an Inneneinrichtung und Gartengestaltung. So gesehen, ergänzt sich das gut. Doch in der der Realität bedeutete das, dass ich am Bau mithelfen durfte, aber auch mehr Gartenarbeit für mich anfiel. Umstechen ist bei unserem Lehmboden ein harter Job, das Radeln von Holz, Erdreich, Ziegeln und Steinen auch nicht gerade Frauenarbeit. Bei der x-ten Baustelle (da kann man wirklich nicht mitzählen!) kam dann das Aus. Einige Zeit musste ich mich hochziehen, um wieder aus dem Bett zu kommen, und ich hätte es leichter gefunden, mich als Vierfüßler fortzubewegen.
Inzwischen geht’s schon wieder ganz gut, aber nie mehr halse ich mir solche Tätigkeiten auf! Wenn es sein muss, dann transportiere ich nur noch kleinere Mengen.
Die Einsicht kommt für mich leider etwas spät. Aber früh genug, dass ich mich wieder aufrappeln kann!
Rückblickend fällt mir auf, dass niemand entsetzt war, wenn ich schwere Arbeiten auf mich nahm. Wenn man etwas tut, wird das als selbstverständlich gebracht. Ab und zu hätte ich mir mit Verlaub schon erhofft, dass jemand einmal sagen würde, lass das, das ist doch viel zu scher für dich. Wir lösen das anders!“
Als ich aber nicht mehr so konnte wie früher, war es den Neidern eine Genugtuung, den Freunden unangenehm und für die Angehörigen eine Enttäuschung. Man bekommt in unserer Gesellschaft kein Mitgefühl, wenn man sich kaputt gerackert hat, sondern darf sich Bemerkungen anhören wie „Na, bei dir gehts auch nicht mehr so wie früher!“ oder „Du brauchst aber lange!“
Besuche von Freunden und Angehörigen haben auch die Tendenz, zur Ernüchterung beizutragen. Zeige ich ihnen stolz mein kleines Reich, vernehme ich oft: „Da könnte man doch...“ oder „Diese Baum habt ihr gar nicht?“ Da habe ich inzwischen gelernt, meine Ohren blitzartig zuzuklappen (sinnbildlich, versteht sich!).
Überanstrengen kann man sich natürlich auch beim Sport und im Fitnessstudio. Gartenarbeit hat aber den lästigen Nebeneffekt, dass man davon weder eine bessere Figur bekommt noch schöner davon wird. Der Körperbau wird gröber, die Hände werde rauer – es sei denn, man beherrscht sich und gräbt nur ein paar Pflänzchen ein, so wie das clevere Frauen tun.
Inzwischen weiß ich auch, warum ich kein Brüderchen bekommen habe. Wenn ein Bruder zu inkarnieren gewagt hätte, hätte es für ihn bedeutet, lebenslang seinen Eltern UND seiner Schwester zu Hilfe eilen zu müssen. Er wäre wahrscheinlich schon Mitte Vierzig arbeitsunfähig gewesen...
Ja, drum ist schon alles gut so, wie es ist!
Die Moral von der Geschichte? Wenn es einen guten Rat in dieser Richtung gegeben hätte, dann hätte ich ihn beachten sollen. Ich hätte sagen sollen. „Das kann ich nicht, das ist mir zu schwer!“ Keine Sorge, auch wenn man sich auf diese Weise schützt, bleibt noch genug Anstrengendes übrig!
Sollten dies hier jüngere Leute lesen, was ich hoffe...
Wenn ihr auf keinen Rat hört, dann bitte auf diesen! Speziell ihr jungen Frauen und Mädchen! Der Versuch, auch „seinen Mann zu stehen“, rächt sich erst später, dann aber dafür umso gründlicher.
Frauen, lasst euch nicht durch irgendein emanzipatorisches Geschreie oder Gegendere (=Ge-Dschendere) hineinreiten und zu groben Arbeiten vergattern! Legt Wert auf eure Weiblichkeit, ja seid stolz auf sie und besteht darauf, dass euch schwere Arbeiten abgenommen werden!
Leute, ich freue mich schon auf die nächste Gartenarbeit! Aus Fehlern gelernt und nun genüsslich! Wirklich!
There is a house in Neusiedl
they call it the Thornhill Ranch
for making it a paradise
it took a hard revenge.
Steemians, tell your children
not to do what I have done
worked too hard to live a dream
but now my dreams seem gone...
Please don't take that too serious, haha ! :)