Es klingt schon sehr merkwürdig : Du sollst Geld sowohl bekommen, wenn Du interessante Inhalte (Content) produzierst, aber auch für das Liken (Upvoting) bzw. Kommentare von Beiträgen ? Und dabei auch noch Geld bzw. eine Kryptowährung verdienen, die scheinbar aus dem "NICHTS" entsteht? Alles ohne eigene Kosten bzw. Investitionen, ohne Werbeeinblendungen bzw. sonstige "Hintertüren" ? Noch dazu völlig dezentralisiert ohne einen der fragwürdigen Internet-Konzerne wie Google, Facebook und Co? Klang für mich sehr sehr unglaublich. Aber auch Grund genug, mich darauf einzulassen.
Begriffe wie blockchain, upvoting oder SteemPower oder Markdown sind für Dich böhmische Dörfer ? Für mich auch, aber seit 9.12.2017 begebe ich mich auf Erkundungsexpedition in die nächste Generation von Social Media bzw. Content im Internet. Ob sich das durchsetzen wird ? Das kann man ja vorher nie wissen. Anlass für mich, auf meine eigene Historie in Sachen Internet und Content zu blicken.
Von Hypercard zu Steemit - Prähistorische Informatik-Erfahrungen gestern und heute
Mit inzwischen 52 Jahren bin ich mehr oder weniger ein Oldie in der Anwendung von Software. Das schützt mich nicht davor, dass ich mit der dahinter stehenden Technik mehr oder weniger auf Kriegsfuß stehe und stand.
Meine ersten Gehversuche habe ich ZX81 und C64 an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Lüneburg gemacht. Dort habe ich schon während meiner Schulzeit Kurse zur Informatik gehört und nach Großrechnern die ersten Kontakte zum Macintosh gehabt. Wir haben da viel mit Hypercard rumgespielt. Die "stacks" sind jetzt inzwischen auch schon 30 Jahre alt.
Die Idee, Informationen auf einer Art Karteikarte zu haben und diese dann über den Rechner "suchbar" bzw. wieder auffindbar zu machen, war für meine Art des Denkens und der Wahrnehmung sehr reizvoll. Warum, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich konnte (und kann) mir einfach bestimmte Sachen nicht so gut merken. Es wird leichter, wenn ich Sie abtippe (handschriftlich ist schwierig wegen Feinmotorikstörungen). Noch besser ist aber, wenn ich sie auch wieder finden kann.
Wechsel der Speichermedien und der Computersysteme - das Problem blieb
Die Jahre und die Betriebssysteme bzw. Speichermedien wechselten. Letztlich hatte ich aber den Eindruck, dass ich immer mehr Zeit eher für die dahinter steckende Technik und weniger für den Inhalt = Content verbringe. Ich merkte, dass die Informationen, die ich für mich selber sammelt, auch andere Menschen interessierte. Aber sie waren schlecht zu teilen, u.a. weil nur wenige meiner Freunde bzw. später Kommilitonen an der Uni in der Apple-Welt technisch zu Hause waren.
Ich hatte auf jeden Fall jetzt Probleme, die ich ohne die super neue Informatikwelt nicht hatte. Da ich nicht sofort einen Studienplatz für Medizin in Göttingen erhalten hatte, habe ich dann so 23 Semester Mathematik und Informatik in Göttingen belegt. Zumindest rein formal und ein oder zwei Semester auch mal ganz ernsthaft. Ich habe mich also weiter in die Welt der Kleinrechnersysteme und Programmierung eingedacht. Und halt immer mehr Zeit damit und immer weniger Zeit in der "realen" Welt gehabt. Wirklich effizient ist die Sache mit dem Computer nicht, oder ?
1999 Internet und erste Webseite zu ADHS
Um 1998 / 99 habe ich mich aus mehr oder weniger medizinischen Gründen nach Infos zu ADHD bzw. ADD gesucht und Erfahrungen mit Mailinglisten gemacht. Mit Piero Rossi aus der Schweiz entstand dann später ADD-Online. Eigentlich sollte das eine Webseite sein, mit der wir andere Ärzte und Psychologen finden wollten, die sich auch mit diesem damaligen Spezialthema beschäftigen. Die haben wir aber nur begrenzt gefunden. Umso mehr nutzten aber Eltern bzw. selbst betroffene Erwachsene das Medium Internet, um sich über die Diagnostik und Behandlung sachkundig zu machen. Diese Anwendung des Internets war für mich wirklich revolutionär. Innerhalb sehr kurzer Zeit konnten wir Wissen unter die Leute bringen, die wir sonst nie erreicht hätten. Und das zu vertretbaren Kosten bzw. geringem Aufwand
Webhealth.info Aus Spielerei wird ein Beruf auf Zeit im Internet
Eigentlich habe ich ja Medizin studiert. Und auch abgeschlossen (im Gegensatz zu Mathe und Informatik). Aber Jahre später spülte mich das Schicksal zurück nach Lüneburg. Ich wurde Medizinischer Koordinator eines EU-Projektes im Bereich eHealth. Wir haben dabei mit der Uni in Stockholm ein template-basiertes mehrsprachiges Frage-Antworten-System entwickelt und für das Anwendungsgebiet Psychologie und Psychotherapie getestet. Die Grundidee war dabei eine Art FAQ-System = häufig gestellte Fragen und Antworten mehrsprachig zu machen. Web4health.info war ein tolles Projekt, zumal ich alle 8 Wochen quer durch Europa zu den Treffen der Arbeitsgruppe geflogen bin. Aber auch inhaltlich haben wir allein für den deutschsprachigen Raum täglich zwischen 5 und 10000 Besucher gehabt, die dann jeweils in "natürlicher" (Schrift-)Sprache Fragen an das Computer-Expertensystem stellen konnten. Eine weitere Finanzierung gab es dann nicht. Nach 18 Monaten musste ich wieder zurück in die Klinik und habe als Psychiater weiter ausserhalb der virtuellen Welten des Internets gearbeitet
So als Hobby machen wir noch weiter mit den deutschsprachigen und schwedischen Seiten. Aber der Übergang von der damaligen HTML-Technik zu neuen Möglichkeiten und Designs haben wir nicht geschafft. Leider mussten wir dann zum Unterhalt der Seiten Werbung schalten. Was die Usability auch nicht gerade erhöht.
Die Grundidee blieb aber : Möglichst kostenlos qualifizierte Informationen zu medizinischen und psychologischen Fragestellungen liefern.
Willkommen in der Welt der Blogs
Irgendwann habe ich dann überlegt, zu der Seite Web4health einen Blog über die Plattform Blogger zu machen. Irgendwie war es aber für mich schwierig mein Thema bzw. meine Zielgruppe zu finden. Der web4health Psychologie Blog war jedenfalls eher irgendwie stiefmütterlich gepflegt. Mit dem Wechsel auf die Wordpress.com Plattform habe ich dann ohne eigenen Server meinen ADHS-Blog ADHSSpektrum. Aktuell greifen täglich etwa 500 Leserinnen und Leser darauf zu. Eigentlich wäre es also Zeit, auf einen eigenen Server bzw. Vermarktungsmöglichkeiten zu wechseln. Immerhin hat sich aus dem Blog eine Art Ableger (Seelenklempnerei.wordpress.com) ergeben, die ich jetzt auf der Ärzteplattform DocCheck.com als Psychohandwerker weiterführe.
Von der unübersichtlichen Vielfalt zu Steemit.com
Langsam wird es unübersichtlich, oder ? Als Mensch mit einer ADHS-Konstitution probiere ich gerne neue Dinge aus - führe sie aber nicht zwingend weiter. So hätte ich sicher die Mailing-Liste stärker wachsen und pflegen können. Oder eben Kozepte zur Vermarktung und zum Geldverdienen der Blogs auch ausserhalb meines Crowdfunding Projektes auf Patreon.com entwickeln können. Immerhin habe ich auch eine Facebook-Gruppe (ADHSSpektrum Dr. Winkler) mit ca 1250 aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern
Hier eine kleine unvollständige Übersicht meiner Sozial-Media Fußabdrücke bzw. Seiten, die ich aktiv im Auge habe und pflege.
| Plattform | Link |
|---|---|
| Steemit | https://steemit.com/@martinwinkler |
| ADHSSpektrum | http://www.adhsspektrum.wordpress.com |
| Psycho-Handwerker | http://news.doccheck.com/de/blog/621-psycho-handwerker/ |
| https://www.facebook.com/dr.martin.winkler | |
| Patreon | https://www.patreon.com/MartinWinkler |
| https://www.xing.com/profile/Martin_Winkler3? | |
| web4health.info | http://web4health.info/de |
| Amazon Affiliate | http://amzn.to/2jeaHTi |
| https://twitter.com/web4health | |
| Mailingliste | http://eepurl.com/bQAi9X |
| Justanswer | http://www.justanswer.de/medizin/expert-psychosomatiker/?r=web4health |
Steemit.com Blog / Content und Social Media der anderen Art
Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, sind die Blogs und Webseiten auch eine Art "Spiel". Es geht mir nicht um Geld, aber irgendwie doch um eine Art "Highscore" der Besucherzahlen oder der Interaktion. Das Feedback ist direkt und motivierend. Aber nicht wirklich ein Ersatz für soziale Interaktion.
Bei meinen bisherigen Projekten sind die Wachstumsgrenzen erreicht oder absehbar. Steemit.com ist in Deutschland so "klein", da wird es noch lange dauern bis man sich eine community bzw. "tribe" von Followern aufbauen kann. Aber genau das finde ich auch spannend. Vielleicht findet tatsächlich ein gewisser Wechsel meiner Leser von den anderen Plattformen wie Facebook zu Steemit statt. Und wir schaffen es, einen ADHS-Tribe mit weiterer Entwicklung aufzubauen.
Als ich damals mit Hypercard anfing, hätte ich jedenfalls auch nicht gedacht, wo wir heute sind. Und ich finde es spannend zu schauen, was ich in den nächsten Jahren an Entwicklungen mitmache.
Es kann dabei also nicht um Geld gehen. Sollte sich das einstellen, so habe ich nichts dagegen :-)
Insofern freue ich mich auf einen Austausch mit den Steemianern und die gegenseitige Unterstützung und weitere Vernetzung.
Mich würde dabei interessieren, wie Du zu Steemit gekommen bist bzw. welche Historie (kurz oder lang) Dich hierher verschlagen hat.