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Auf Deutsch
Anekdoten haben oft die Eigenschaft in schlichter Kürze tiefen Sinn zu vermitteln. Wo rationale Erklärungen meist nur den analytischen Sinn befriedigen, können geistreiche Erzählungen den ganzen Menschen anregen. So erinnerte ich mich heute an eine alte Geschichte, die ich irgendwo aufgeschnappt habe.
Es rasteten nach einer langen Wüstenwanderung Mohammed und seine Gefolgschaft um sich zu erholen und die Kamele zu tränken. Während die Jünger im Schatten der Bäume ruhten baten sie Mohammed nach einer Belehrung. Sogleich erhielt der Prophet vom Engel den Auftrag den Menschen die hundert geheimen Namen Allahs zu offenbaren. In schlichten aber tiefsinnigen Worten erläuterte Mohammed nun einen Namen nach dem anderen und entschlüsselte die geheime Bedeutung eines jeden einzelnen. So vergingen die Stunden. Plötzlich, beim hundertsten und heiligsten Namen, unterbrach sich der Prophet. Weshalb hörst du mit der Belehrung auf, fragten seine Jünger, und Mohammed antwortete; dieser letzte und heiligste der geheimen Namen Allahs kann ich keinem Menschen verraten. Denn der eine würde vor lauter Herrlichkeit Allahs auf der Stelle tot umfallen, der andere aber würde seinen Namen missbrauchen. Die Menschen sind noch nicht bereit für dieses höchste und heiligste Wissen. Da er aber von dem Engel den Auftrag gekriegt hat alle Namen zu offenbaren, stand er auf und lief zu einem Kamel. Er flüsterte etwas in das Ohr des Tieres. Als er zurück in die Runde kam fragten seine Jünger was er gerade bei dem Kamel gemacht habe. Er verriet ihnen, daß er dem Kamel den letzten und heiligsten Namen Allahs ins Ohr flüsterte, da er alle Namen offenbaren mußte. Egal wie sehr die Jünger auf ihn einredeten und anflehten – Mohammed verlor keine weitere Silbe. Das Kamel aber sieht seit diesem Tage so hochmütig drein, da es etwas weiß, was die Menschen nicht wissen.
Und das, finde ich, ist die beste Erklärung die ich je gehört habe, warum Kamele so hochmütig dreinschauen.
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In English
Anecdotes often have the property of conveying deep meaning in simple brevity. Where rational explanations usually satisfy only the analytical sense, witty stories can stimulate the whole person. So today I remembered an old story that I picked up somewhere.
It was after a long desert wandering that Mohammed and his followers took a rest to water the camels. While his disciples were resting in the shade of the trees, they asked Muhammad for a teaching. Immediately, the Prophet received the order from an angel to reveal to the people the hundred secret names of Allah. In simple but profound words, Muhammad explained one name after another and deciphered the secret meaning of each one. Thus the hours passed. Suddenly, at the hundredth and holiest name, the Prophet interrupted himself. Why do you stop teaching, his disciples asked, and Muhammad replied; this last and holiest of the secret names of Allah I cannot reveal to any man. For one would drop dead on the spot from the glory of Allah, but the others would misuse his name. People are not yet ready for this highest and holiest knowledge. But since he was instructed by the angel to reveal all the names, he got up and walked to a camel. He whispered something into the animal's ear. When he came back to the circle, his disciples asked what he had just said to the camel. He revealed to them that he whispered the last and holiest name of Allah into the camel's ear, as he had to reveal all the names. No matter how much the disciples pleaded and begged him - Muhammad remained silent. But since that day camels look so haughty, because they know something that humans do not know.
And that, I think, is the best explanation I have ever heard as to why camels look so haughty.