Die einzige noch vollständig erhaltene Höhlenburg der Welt - Predjama
Wie schon in meinem Post über die Postojna Tropfsteinhöhle angekündigt, schauten wir uns im Zuge unseres Familienausfluges auch noch ein weiteres Juwel dieser Region an.
Nur wenige Kilometer von der Tropfsteinhöhle entfernt befindet sich eine einzigartige Wehranlage: Predjama, die einzige noch vollständig erhaltene Höhlenburg der Welt!
Wie ein Schwalbennest thront sie in 127 Metern Höhe in einem großen Höhlenportal, das zugleich auch ein Zugang zu einem weit verzweigten Höhlensystem ist. Uneinnehmbar für Feinde und mit einigen verborgenen Geheimnissen.
Der erste Blick durch die Häuser auf die Burg
Predjama bedeutet soviel wie "Vor der Höhle"
Bereits im 12. Jahrhundert wurde eine kleine Burg in das Innere des Höhlenportals gebaut, ihre heutige Form besteht seit dem Jahr 1585.
Die Burg ist ein einzigartiges Zeichen mittelalterlicher Festungs-Baukunst: Bis auf den erst sehr spät angebauten Eingangsturm steht die Burg vollständig unter der schützenden Decke des Felsens. Von oben ist sie praktisch nicht zu sehen. Auch von unten gibt es kein Hineinkommen, da der Felsen und sehr steiles Gelände ein Vorankommen unmöglich machen. Einzig über einen kleinen Steig, der sich an das steile Gelände schmiegt, war die Burg zu erreichen. Dachten zumindest die Angreifer. In Wahrheit gibt es nämlich noch einen weiteren, geheimen Zugang zur Burg.
Bauabschnitte
In der folgenden Tabelle sind die einzelnen Bauabschnitte der Burg dargestellt und näher beschrieben.
| Bauabschnitt | Info |
|---|---|
| Die Burg im 12. Jahrhundert. Sie besteht lediglich aus einem Bergfried. | |
| Ende des 13. Jahrhunderts kam ein Anbau sowie ein durch eine Zugbrücke gesicherter Eingangsturm dazu. | |
| Im 14. Jahrhundert kamen weitere Sicherungselemente, wie eine Pechnase über dem Eingang dazu. Auch wurde der hölzerne Wehrgang entfernt. | |
| Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Burg immer wieder erweitert. Auch wurden Rückzugsräumlichkeiten in der Höhle hinter der Burg errichtet. | |
| In den Jahren 1570-1585 wurde die gesamte Burg erneuert und der sehr markante Eingangsturm gebaut. |
Ich möchte euch jetzt auf einer kleinen Tour durch die Burg mitnehmen und euch die wichtigsten Räume sowie ihre Funktion näher erläutern.
Ganz zu Beginn sehen wir zwei wichtige Schutzmechanismen, die diese Festung so sicher gemacht haben: Auf dem linken Bild schauen wir durch eine der vielen Pechnasen des Eingangsturmes direkt auf die Zugbrücke. Von hier aus wurde heißes Pech auf mögliche Angreifer geschüttet.
Auf dem zweiten Bild schauen wir nach oben und sehen den schützenden Felsen, der sich wie eine Decke über die gesamte Burg legt.
Im Bild rechts sieht man die sehr kleine Burgkapelle. Sehr cool fand ich die kleinen Fenster, die vom angrenzenden Schlafgemach in die Kapelle führen. So konnten die edlen Burgleute der Heiligen Messe beiwohnen, ohne ihre warme Stube zu verlassen.
In der Waffenkammer lagern einige tolle Rüstungen und Waffen, die man bestaunen kann. Neben Lanzen und Hellebarden, Schwertern und Äxten gibt es auch schön bemalte Schilder zu sehen.
Das eigentliche Herz der Burg befindet sich aber hinter der Burg. Hier wird das Höhlenportal schmäler und mündet in einer großen Höhle, die im Falle einer Erstürmung der Festung als letzte Bastion diente.
Abgesichert wird diese Burg in der Burg durch eine Mauer und eine weitere Zugbrücke. Sollte es der Feind tatsächlich bis innerhalb der Burg geschafft haben, so konnten sich die Bewohner der Festung in diese "Schutzburg" zurückziehen und von dort aus weiter dem Feind trotzen.
Die Höhle war mit allem ausgestattet, was man zum Leben brauchte. Schlafräume, Küche und sogar einen Brunnen gab es im Inneren. Leider ist davon nicht mehr allzu viel erhalten.
Das Innere der Höhle von oben betrachtet
"Doch wie können die Menschen, die sich bis hierhin zurückgezogen haben über längere Zeit überleben?", fragt ihr jetzt vielleicht. Das ist eine berechtigte Frage. Auch die Angreifer vermuteten, die Bewohner der Burg mit einer einfachen Belagerung zum Aufgeben zwingen zu können.
Doch die Burg verbirgt noch ein weiteres Geheimnis: Durch das verzweigte Höhlensystem des Berges führt ein Weg auf die Rückseite des Berges! Über diesen geheimen Weg konnten die Bewohner der Burg sich stets mit frischem Essen versorgen.
Der Raubritter Erasmus Lueger, der sich im 15. Jahrhundert auf der Flucht in diese Burg zurückzog, machte sich einer Legende nach diesen Gang zunutze, um seinen Spott mit den Belagerern zu treiben: Immer wieder warf er frisches geschlachtetes Fleisch über die Mauer der Burg, um den Belagerern zu zeigen, dass es unmöglich ist, ihn auszuhungern. Im Frühling warf er sogar einen Sack voll frischer Kirschen hinab. Kirschen, die auf der Burgseite noch gar nicht reif waren! Denn auf der anderen Seite des Berges herrschte ein wärmeres Klima, wo die Früchte früher reif wurden. Die Belagerer glaubten, dass in dieser Burg der Teufel selbst am Werk ist.
Leider währte der Spott von Erasmus nicht lange: Einer seiner Diener verriet den Belagerern, wo die Burg eine Schwachstelle hat: Das separat gebaute Toilettenhäuschen hatte dünnere Wände als der Rest der Burg. So kam es, dass Erasmus buchstäblich beim Scheißen von einem Katapultgeschoss getroffen und getötet wurde.
Skizze des verzweigten Höhlensystemes
Auch unter der Burg gibt es so einiges zu entdecken. Im linken Bild sieht man einen weiteren (vermauerten) Eingang der in das oben dargestellte Höhlensystem führt. Dieser Teil der Höhle diente als Pferdestall, da in der Burg selbst kein Platz für die Pferde war. Einen Stock darunter fließt ein kleiner Bach, der wie schon in Postojna ebenfalls im Berg verschwindet.
Wenn man besonders mutig ist, kann man sogar ein bisschen in diese Bach-Höhle hineingehen.
Hier verschwindet der Bach in der Höhle
Nun sind wir am Ende meiner kleinen Tour angekommen! Vielen Dank fürs Dabei-Sein! :)
Ich würde mich sehr über einen Kommentar und ein Upvote freuen, damit ich sehe, ob euch diese Tour gefallen hat!
Was sind so eure Eindrücke und Meinungen zu dieser wirklich besonderen Burg?