Sicherlich ist den allermeisten bekannt, dass es verschiedene christliche Strömungen gibt. Gestern habe ich mich entschieden, die für unsere Thematik (frühe Islamgeschichte anhand Numismatik anhand Popp von Inârah) wichtigsten vorzustellen, weil das alles sehr komplex ist und teilweise wirklich fundamentale Gedanken dahinterstehen. Hätte ich nicht mir vom orthodoxen Jay Dyer schon dazu ein paar Überlegungen angehört (9 min, nicht vom Anfang irritieren lassen; essence vs. energy, das sind Debatten ab dem 2. und 3. Jhd. bis ins 7. Jhd., Video), wäre mir womöglich der Kopf geplatzt. (Das Video könnte beim Kopf platzen helfen 😛.)
Orthodox heißt übrigens „der richtige Lobpreis oder die rechte Lehre Gottes“, Wiki.
Landläufig bekannt sein (war es mir zumindest immer) dürfte, die Reformation hat die Protestanten hervorgebracht, dazu im Gegensatz die Katholiken und dann noch griechisch- und römisch-orthodox und in den USA zig Variationen.
Dazu ein paar Aufzählungen.
Luther ist allen bekannt, aber es gab auch Zwingli und Calvin, die Puritaner sind vermutlich/eventuell ein Begriff aus UK und bei der Auswanderung nach Amerika.
Von den USA kennt man Baptisten, Methodisten, Freikirchler, evtl. Presbyter und Quäker, in „...und dann waren da keine mehr“ wurden Pfingstler erwähnt, Siebenten-Tags-Adventisten hat man vermutlich einmal gehört und die meisten dürften Mormonen (die sind Antitrinitarier sei hier schon einmal angemerkt) (Amische und Mennoniten) kennen.
Die griechisch-orthodoxe und römisch-orthodoxe Kirche noch erwähnt, kann man sich eventuell vorstellen, dass es in ursprünglichen Gebieten des Christentums im Nahen Osten und von da abgehend in den asiatischen und afrikanischen Gebieten ebenfalls viele Versionen gibt oder gegeben hat; bekannt (geworden) sein dürften die Kopten in letzter Zeit.
Wir haben hier also orientalisch-orthodox/altorientalisch wozu u.a. Nestorianer, Kopten, (As-)Syrer, Eriträer und Äthiopier gehören. Deren christologischen Lehren („die Lehre über die Person und Bedeutung von Jesus von Nazareth“; Wiki) müssen wir besprechen. Arianer, Thomaschristen und Manichäismus dürften ebenfalls im historischen Kontext eine Rolle spielen. Zu denen werde ich mich hier allerdings noch nicht ausbreiten.
(Wobei Wiki bei den Arianern schreibt:
Unter den Arabern war das anti-nicänische [=Das Konzil von Nicäa opponierend] Christentum in der Spätantike recht weit verbreitet. In der Forschung wird daher mitunter ein Zusammenhang mit dem strikten Monotheismus des späteren Islam vermutet bzw. eine geringere Hemmschwelle für anti-nicänische Christen, zum Islam zu konvertieren. Die nicänische bzw. nicäno-konstantinopolitanische Trinität, u. a. also die Göttlichkeit Jesu sowie seine Gottessohnschaft, werden auch im Koran unter anderem an folgenden Stellen ausdrücklich abgelehnt: [...]“ (Keine Belege für „In der Forschung“ angegeben.))
Bekannt ist uns die Trinität der u.a. katholischen Kirche. Wiki:
Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität [...] bezeichnet in der christlichen Theologie die Wesenseinheit Gottes in drei Personen oder Hypostasen, nicht drei Substanzen. Diese werden „Vater“ [...], „Sohn“ (Jesus Christus, Sohn Gottes [...]) und „Heiliger Geist“ [...] genannt. Damit wird zugleich ihre Unterscheidung und ihre unauflösbare Einheit ausgedrückt.
Also ein Wesen/eine Substanz mit drei Personen. Eine der Personen - Jesus Christus - hat zwei Naturen, menschlich und göttlich zugleich (also auf gleicher Stufe und nicht Sohn und Geist sind Vater untergeordnet). Das ist die Zwei-Naturenlehre oder auch Diophysitismus.
Wiki zur Zwei-Naturenlehre:
Zwischen 380 und 393 erklärte Kaiser Theodosius I. das Christentum [...] zur Staatsreligion des römischen Reiches. [...] Der Streit um das Wesen Jesu Christi dauerte (trotz mehrerer Einigungsversuche) die gesamte Spätantike an.
Schon 325 hatte das erste Konzil von Nicäa die Trinität thematisiert, aber 381 wurde auf dem ersten Konzil von Konstantinopel das [...] Glaubensbekenntnis formuliert, in dem die Trinitätslehre fixiert [und] [...] die Bezeichnung [...] wesensgleich angenommen und der Arianismus abgewiesen wurde. Nach dieser Formulierung ist Jesus Christus eines Wesens mit Gott.
In Nicäa stellte dieser Streit noch ein Randthema dar, als Hauptproblem wurde die Frage des Ostertermins behandelt. Nach dem Konzil kam es über die Formulierung des Bekenntnisses über Jahrhunderte zu einer erbitterten Debatte, an der die Einheit der Ostkirche zerbrach. Ein vorläufiger Abschluss der altkirchlichen Theologie wurde 451 auf dem Konzil von Chalcedon erreicht. Dort wurden abgelehnt:
- der Arianismus, auch wenn er in Christus Gott sieht (Logostheologie), ihn jedoch als nicht ewig bezeichnet, sondern als von Gott gezeugt. [Logos-Sohn oder Logostheologie zu erklären führt hier zu weit und ist m.E. irrelevant.]
- der Monophysitismus, wonach das Göttliche und das Menschliche eine ungeteilte und vermischte gott-menschliche Natur bildeten [...]
- der Nestorianismus, wonach das Göttliche und das Menschliche in Jesus weitgehend geteilt und unvermischt sind.
Die Dreifaltigkeit wurde 451 zum Dogma: Jesus Christus ist „wahrer Gott“ (die zweite Person der Dreifaltigkeit) und „wahrer Mensch“ zugleich. Dies wurde dadurch ausgedrückt, dass man von zwei Naturen sprach, einer göttlichen und einer menschlichen. Beide seien in Christus „unvermischt“ [...], „unverwandelt“ [...], „ungetrennt“ [...] und „unzerteilt“ [...]. Man bezeichnet dieses Ergebnis daher auch als Zwei-Naturen-Lehre (Dyophysitismus).
Dieses Dogma ist gemeinsame ökumenische Lehrgrundlage der Kirchen des Abendlandes, außer für die damals widersprechenden altorientalischen Kirchen. Auf dieser Basis baute fortan der Hauptstrom der christologischen Diskussion auf.
Altorientalisch/orientalisch-orthodox ist nicht theologisch einheitlich, beinhaltet sowohl Diophysiten als auch Monophysiten.
- Nestorianer sind Diophysiten, heute sind sie die Assyrische Kiche des Ostens (Syrer, Perser usw.), der Begriff Nestorianer ist (eher) historisch. (Nestorianer sind Teil der altorientalischen Kirchen.)
- Die Monophysiten(=Miaphysiten) sind u.a. Kopten und diverse weitere orientalisch-orthodoxe Kirchen.
- Monotheletismus war damals relevant, ist heutzutage aber irrelevant; damit im Zusammenhang steht der monenergetisch-monotheletische Streit, bedeutend für den Zeitraum des 7. Jhd. in Syrien.
Jetzt kommen die m.E. unabdingbaren Ausführungen zu christologischen Lehren („die Lehre über die Person und Bedeutung von Jesus von Nazareth“; Wiki). Unabdingbar, weil das alles noch sehr große Rollen spielen wird. Ich bemühe hier wieder Wikipedia, insbesondere die Grafik.
Was hier als östlich orthodox angegeben ist, dazu zählen auch griechisch- und russisch-orthodox, nur als Hinweis.
Wiki:
Das Morgenländische Schisma, auch Großes Schisma [...] ist das Schisma zwischen den orthodoxen Kirchen und der der römisch-katholischen Kirche.
Wiki:
Nestorianismus ist die christologische Lehre, dass die göttliche und menschliche Natur in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt sei, und damit eine Form des Dyophysitismus. Sie ist nach Nestorius benannt, der von 428 bis 431 Patriarch von Konstantinopel war und sie maßgeblich vertreten hat. [...] [A]uf dem Konzil von Ephesos 431 und dem Zweiten Konzil von Konstantinopel 553 wurde die Lehre als Häresie verurteilt. Nur die Kirche des Ostens [=eine assyrische Kirche, s.o. altorientalisch] vertrat daraufhin noch die nestorianische Lehre, weshalb sie auch als Nestorianische Kirche bekannt ist.
Als Reaktion auf den Nestorianismus entstand der gegensätzlich ausgerichtete Monophysitismus (auch Miaphysitismus), nach dem Jesus vollkommen göttlich sei und nur eine göttliche Natur habe. Dieser wurde auf dem Konzil von Chalcedon 451 verworfen und die Zweinaturenlehre angenommen, nach der göttliche und menschliche Natur Christi unvermischt und ungetrennt nebeneinander stehen.
Insbesondere Monophysitismus (in der Grafik die Miaphysiten) müssen wir uns merken. Monotheletismus kommt noch hinzu. Wiki:
Der Monotheletismus [...] ist eine christologische Lehre, der zufolge Christus zwei Naturen – eine göttliche und eine menschliche –, aber nur einen Willen (Ziel, Zielausrichtung) besitzt. Christus habe zwar eine eigene menschliche Natur, sein Wille sei jedoch von Gott vollständig diktiert.
Er wurde Anfang des 7. Jahrhunderts unter dem oströmischen Kaiser Herakleios entwickelt, um die auf dem Konzil von Chalcedon festgelegte Zweinaturenlehre Christi mit der monophysitischen Lehre auszusöhnen. (Hervorgehoben, weil besonders wichtig für den kommenden Artikel.)
Trotz der Sympathien des Kaisers und des Papstes Honorius I. wurde der Monotheletismus sowohl von der Ost- als auch von der Westkirche letztlich zurückgewiesen und selbst von den Monophysiten nicht akzeptiert.
Zusammengefasst:
Das alles spielt ab dem 4. Jahrhundert eine bedeutende Rolle, insbesondere durch die Konzilien und nur die wichtigsten sind in der Grafik eingetragen (u.a. Chalzedon und das große Schisma). Auch kann man sich leicht vorstellen, dass die damaligen Zeiten langsamer ticken und die Durchsetzungen der Entscheidungen auf diesen Konzilien leichter durchsetzbar sind, je stärker die Gebiete unter byzantinischer Macht, je näher sie geographisch und selbstredend je näher sie dem Glauben sind (z.B. haben die Nestorianer eben persische Elemente absorbiert und in Persien spielten sonst u.a. Zoroastrismus und dann noch Buddhismus und Manichäismus eine Rolle; je nach Region selbstredend verschieden).
- Trinitarische Lehre: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Er hat zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche. Beide sind in Christus unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und unzerteilt. (Diophysiten=ZweiNaturenlehre.)
- Nestorianer (Diophysiten): Perser, Assyrische Kirche des Ostens. Die göttliche und menschliche Natur ist in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt.
- Monophysiten: U.a. Kopten. Jesus ist vollkommen göttlich und hat nur eine göttliche Natur
- Monotheleten: Christus hat zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche, aber nur einen Willen. Christus hat zwar eine eigene menschliche Natur, sein Wille ist jedoch von Gott vollständig diktiert.
Hervorhebungen in aller Regel meine.
mielia