Da ich zu Inârah wohl einige neue Leser habe, möchte ich auf folgende vorhergehende Artikel hinweisen:
- Die Verwendung des Wortes Religion im heutigen Sinne erst ab dem 18. Jhd.
- Einführung zu Inârah
- Warum überhaupt Inârah bzw. womit wir es zu tun haben.
Volker Popp, Die frühe Islamgeschichte nach inschriftlichen und numismatischen Zeugnissen, Teil 1
Link zu Popps 1. Teil, zum 2. Teil. (Numismatik ist Münzkunde.)
Um sich das Original anzuschauen, lohnt es sich wohl am ehesten das Buch auszuleihen. Wer sich nicht vor den vielen Fragezeichen fürchtet, ich schreibe immer einen Kommentar für Strg+F unten drunter, wo die meisten und wichtigsten Fragezeichenwörter in Buchstaben ausgeschrieben sind. Manchmal noch die Bedeutung und Wikipedia-Link angegeben.
1.Einleitung: Fiktion einer einheitlichen Geschichte des frühen Islam
Hier geht es darum, dass man die Traditionsliteratur (TL) nicht als verlässliche Geschichtsquelle ansehen kann und andere gesucht werden müssen, sowie die Methode zu erläutern. Dazu ein paar Zitate. Wellhausen und Mommsen werden zitiert:
Bereits 1902 hatte Julius Wellhausen darauf hingewiesen, dass die syrische Tradition der Araber verloren gegangen ist. Nicht nur die syrische Tradition ist verloren gegangen. Dies trifft auch auf die Tradition der östlichen Regionen des Arabischen Reichs zu.
Wellhausen: „Mommsen hat einmal gesagt, für Nichtgelehrte bedürfe es keines Beweises, dass die Geschichten, welche damit anfangen, dass der Erzähler sie von den Beteiligten selber habe, in der Regel nicht wahr seien.“
Man ist nicht auf die Berichte islamischer Historiker angewiesen, wenn es um eine Rekonstruktion historischer Verhältnisse in Syrien, Mesopotamien und Iran im 7. Jahrhundert geht. Umfangreiche Bestände an Inschriften und bildlichen Darstellungen aus diesem Raum befinden sich in öffentlichen und privaten archäologischen Sammlungen.
Zur Methode:
Für die Vorgehensweise beim Konstruieren schlage ich den Weg ein, welchen Michael Bates bereits 1976 vorgezeichnet hat. Demnach wird das numismatische Material einer jeden einzelnen Münzstätte bearbeitet, bevor man zur Bearbeitung nach Provinzen und anschließend nach Regionen übergeht. Erst dann werden Folgerungen gezogen, welche für den Gesamtbestand verbindlich sind. Diese kleinteilige Vorgehensweise schlage ich auch für die Behandlung von Protokollen und Titulaturen auf Münzen und in Inschriften vor.
(Numismatik ist Münzkunde.)
Es soll u.a. um eine
[...] ausführliche Darstellung der Geschichte der vorislamischen, christlichen Araber in Syrien und dem Westen der Arabischen Halbinsel [...] gehen.
Zunächst soll es Im Rahmen dieser Darstellung
[...] jedoch erforderlich [sein], auf das zentrale historische Ereignis in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts, den Überraschungserfolg der Byzantiner im Jahr 622, hinzuweisen.
622 ist bekanntlich der Beginn der islamischen Zeitrechnung und zu diesem Zeitpunkt soll laut TL die Higra (Hidschra), die Auswanderung des Propheten stattgefunden haben.
Darum geht es also um 2. Teil, der Vorgeschichte des „Islam“.
Jetzt geht es ans Eingemachte 😉.
Popp will im Folgenden die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Byzanz und den Sassaniden ab um die Jahrhundertwende (also 600) als Religionskriege darstellen. Dabei geht es zunächst um Chosrau II., der von ‘590 bis 628 der letzte bedeutende Großkönig der Sassaniden war’.
Dazu folgende Grafik:
„Das spätantike Sassanidenreich. Das Kerngebiet ist dunkelgrün, die maximale Ausdehnung unter Chosrau II. hellgrün dargestellt.“ Wiki.
Als ‘letzter Großkönigs gilt Yazdegerd III., der 651 starb’. Yazdegerd wird an anderer Stelle noch eine kleine Rolle spielen.
Verkürzt ist Byzanz also Ost-Rom und das Sassanidenreich Persien.
Chosrau II. war dabei längere Zeit (582-602) Flüchtling in Byzanz am kaiserlichen Hof (unter Maurikios) und gelangt mit dem Hilfe des römischen Reiches zurück auf den Thron. Das ist das einzige Mal, dass die beiden Herrscher der Reiche kooperierten, davor und danach herrschte Krieg (bis Rom durch Herakleios gewann).
Goldmünze Chosrau II.
Schon durch die Fluchtzeit ergibt sich:
Chosrau II. hatte genaue Vorstellungen von der Struktur des byzantinischen Herrschaftssystems. Ihm war bewusst, dass die Legitimation der kaiserlichen Herrschaft in der Schutzfunktion gegenüber der Kirche bestand.
Er [Chosrau II.] war nicht nur verheiratet mit zwei Christinnen, der byzantinischen Prinzessin Maria und der Syrerin Schirin, auch sein oberster Finanzminister Yazdin war Christ. Seine Beziehung zum Kult des heiligen Sergios von Rusafa [...] ist durch einen Bericht über seine Stiftungen belegt [...]
Die nestorianische Kirche soll im persischen Reich und am Hof zu der Zeit mittlerweile eine große Rolle gespielt haben. Sie soll zudem Elemente persischer Kultur absorbiert haben. In Persien spielten damals sonst hauptsächlich Zoroastrismus und dann noch Buddhismus und Manichäismus eine Rolle.
Ausführungen zu den verschiedenen christologischen Strömungen habe ich das letzte Mal gemacht. Hier noch einmal die Zusammenfassungen:
- Trinitarische Lehre: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Er hat zwei Naturen, eine göttlichen und eine menschliche. Beide sind in Christus unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und unzerteilt. (Diophysiten=ZweiNaturenlehre.)
- Nestorianer (Diophysiten): Perser, Assyrische Kirche des Ostens. Die göttliche und menschliche Natur ist in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt.
- Monophysiten: U.a. Kopten. Jesus ist vollkommen göttlich und hat nur eine göttliche Natur.
- Monotheleten: Christus hat zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche, aber nur einen Willen. Christus hat zwar eine eigene menschliche Natur, sein Wille ist jedoch von Gott vollständig diktiert.
Die arabischen Protagonisten der Nestorianer Irans waren die Könige von al-Hira aus dem Geschlecht der Lakhmiden. [Das ist Irak/Mesopotamien und Teile benachbarter Gebiete.]
Dazu wird die Inschrift einer Münze des Sassanidenherrschers Narses bereits Ende 3. Jhd. zitiert: „’Amr, König (Malik) der Lakhmiden“.
Mit der Rückkehr Chosraus II. auf den Thron (595) lässt sich der arabische Teilkönig in al-Hira taufen.
D.h. der Lakhmidenkönig Nu’man ließ sich nestorianisch (diophysitisch) christlich taufen.
Dem gegenüber stehen:
Anhänger des monophysitischen Glaubensbekenntnisses waren die arabischen Herren Syriens, die Ghassaniden. Diese standen somit gegen Ende des 6. Jahrhunderts in Fragen des christlichen Bekenntnisses sowohl im Gegensatz zu ihrem byzantinischen Oberherren wie zu ihren feindlichen arabischen Brüdern unter sassanidischer Herrschaft. Die Ghassaniden waren als lokale Würdenträger Teil der Aristokratie von Byzanz.
Laut Popp haben wir ‘um das Ende des 6. Jhd. einen Krieg zwischen den Großreichen Byzanz und Persien, der in weiten Bereichen ein Stellvertreterkrieg, geführt von den jeweiligen christlich-arabischen Vasallen [Ghassaniden für Byzanz und Lakhmiden für Persien] und deren Nachfolgern, war.’ (Erinnerung: Die Nestorianer in Persien hatten viel Einfluss, waren aber nicht Staatsreligion.)
Die Lage des Kaisers von Byzanz, Herakleios (610-641), Sohn des Exarchen von Karthago, war ähnlich prekär wie die seines Widersachers [Chosrau II.] im Osten. Obschon christlicher Kaiser, war er doch einem Großteil der Christenheit verhasst.
Weiter im Westen trauerten die Westgoten ihrer geistlichen Unabhängigkeit als Arianer nach. Das Königshaus hatte es 587 vorgezogen, vom Arianismus zum Katholizismus überzutreten, um dem Schicksal der arianischen Könige der Ostgoten in Italien zu entgehen (Ende des byzantinischen Vernichtungsfeldzugs gegen diese 562).
Neuer Abschnitt: Die Bestrebungen der Sassaniden
Die Sassaniden hingen dem Traum einstiger iranischer Größe [Ägypten, Jemen, ...] an [...] und nutzten daher die Unruhe unter den Christen im byzantinischen Orient zu einem Vorstoß nach Syrien und Palästina im Jahr 614.
Im Rahmen der Verfolgung der Anhänger des Monophysitismus hatte der byzantinische Kaiser Maurikios (582-602) seine arabischen Vasallen in Syrien und Westarabien entmachtet.
[Er] löste [...] den ghassanidischen Pufferstaat 584 auf und die Föderation der Ghassaniden zerfiel wieder in fünfzehn Stämme. So konnte es nicht verwundern, dass der Sassanidenherrscher [Chosrau II.] bereits 604 vor Antiochien [Gebiete Syriens und der Türkei] erschien. Schon hundert Jahre zuvor hatte sich Byzanz aus Syrien militärisch zurückgezogen, mit Ausnahme einiger religiöser Zentren, wie Jerusalems oder Rusafas. Die Grenze zu dem in der Hand der arabischen Vasallen befindlichen Gebiet verlief östlich von Antiochien. Ein weiteres Indiz für die Aufgabe Syriens durch Byzanz im sechsten Jahrhundert ist das Faktum, dass die arabischen „Barbaren“ Bauinschriften in ihrer Sprache anbrachten.
Zu den Bauinschriften:
Der Architrav der Sergiuskirche von 512 trägt in griechischer, aramäischer und arabischer Schrift die Worte: „Dies ist ein Heiligtum“. Dabei handelt es sich nach neuesten Forschungsergebnissen um das älteste erhaltene epigraphische Zeugnis des Arabischen überhaupt.
Ein Einwurf:
Das Arabische erscheint somit zuerst als Herrschaftssprache! Das Aramäische blieb die Sprache der Schrift und der kirchlichen Liturgie.
Und noch einer:
[In Negev.] Diese griechischen Papyri stammen aus der Zeit von 460-630 AD. Bis 601 [...] [erscheinen die] Schreiber [] in der griechischen Namensform. [...] In den erhaltenen acht Papyri nach 601 gaben die Schreiber die griechische Version ihres Namens auf und gebrauchten die arabische Form ihres Namens.
Wohlgemerkt, weit vor Mohammed und nicht auf der arabischen Halbinsel.
Der byzantinische Kaiser Herakleios reformiert das Reich (muss es reformieren), allerdings im
[...] regional beschränkten Umfang. Die Reorganisation des Reiches bezog Syrien nicht mehr ein. Mit dem Abschluss der Themenreform 622 schied Syrien, wie der gesamte byzantinische Orient, aus dem Reich aus.
Die Eroberung Syriens und Ägyptens stellte somit für die Sassaniden nicht viel mehr als einen militärischen Spaziergang dar. Nachdem man darauf verzichtet hatte, die syrischen Bischofssitze mit staatstreuen Nestorianern zu besetzen und es dabei bewenden ließ, die Anhänger des Kaisers von Byzanz zu verjagen und sie durch monophysitische Bischöfe [Ghassaniden] zu ersetzen, gewann man auch die Bevölkerung für sich. Der iranische Einmarsch konsolidierte somit die Fronde der orientalischen Christen gegen Byzanz.
Den Juden wird ‘nach der Eroberung 614 Jerusalem übergeben. Die Kirchen Jerusalems werden zerstört, die Grabeskirche verwüstet.’
In Ägypten wurden von 617-628 Münzen geprägt, welche Chosrau II. nach der Art eines christlichen Herrschers zeigen.
Diese Art des Vorgehens der Perser muss das byzantinische Reich ins Mark getroffen haben. Es war ein Angriff auf die Institution des Kaisertums. Der Kaiser als Beschützer der heiligen Stätten – der er nicht nur in den Augen der siegreichen arabischen Verbündeten der Sassaniden als der Wächter des Harams von Jerusalem war – hatte einen unabschätzbaren Legitimitätsverlust erfahren. Die Reaktion in Konstantinopel blieb nicht aus. Im Jahr 622 erfolgte der Aufbruch des Kaisers von Konstantinopel aus. Zuvor hatte die Kirche ihre Schätze dem verarmten Staat zur Verfügung gestellt.
Jetzt wird Ostrogorsky zitiert, den Abschnitt gebe ich voll wieder:
„Der Krieg begann in einer Stimmung religiöser Erregung, wie sie die frühere Zeit nicht kannte. Es war der erste typisch mittelalterliche Krieg, der an die späteren Kreuzzüge gemahnt. Der Kaiser stellte sich in eigener Person an die Spitze des Heeres und übertrug für die Zeit seiner Abwesenheit von der Hauptstadt dem Patriarchen Sergios und dem Patrizier Bonos die Regentschaft für seinen unmündigen Sohn. […] Diese Handlung war im höchsten Maße ungewöhnlich, und wie einst Maurikios, so stieß auch Herakleios bei seinen Beratern zunächst auf lebhaften Widerstand, denn seit den Zeiten Theodosius d. Gr. war kein Kaiser mehr persönlich ins Feld gezogen. […] Am zweiten Ostertag, dem 5. April 622, verließ er nach einem feierlichen Gottesdienst die Hauptstadt. In Kleinasien angelangt, begab sich der Kaiser in das Gebiet der Themen.
Kaiser Herakleios hat sich selber mit Kriegswissenschaft auseinandergesetzt und schließlich endet ‘der Zusammenstoß der byzantinischen und persischen Armeen im armenischen Gelände mit einem glänzenden Sieg der Byzantiner über den großen persischen Feldherrn Schahrwaraz.’
Laut Popp spiegelt sich dieser Sieg der Byzantiner im Jahre 622 nach 50 Jahren Konflikt auch in der 30. Sure des Korans, ar-Rum - die Römer/Byzantiner - wider. Das führe ich hier nicht aus.
Herakleios vergilt 623 den Sassaniden den Angriff auf Jerusalem und die Zerstörung der Grabeskirche (614), ‘indem er das Hauptheiligtum der Zoroastrier Irans, den Feuertempel in Ganzak, der Residenz des ersten Sassanidenherrschers Ardaschir verbrennt’.
Kurz gefasst gehen dann mit der Ermordung Chosrau II. und den folgenden Wirren und Streitigkeiten um Herrschaftsanspruch die Sassaniden unter.
Popp stellt in dem Zusammenhang noch folgenden Bezug her:
Die Vorstellung, nur die Familie Sassan könnte über Eran-Shahr herrschen, da sie ihre Abstammung auf das ursprüngliche Göttergeschlecht zurückführen konnte und somit den xwarrah, die königliche Glorie, besaß, wurde in Zweifel gezogen. Somit hatte die Tochter Chosraus II., Boran, gute Gründe, ihre Abstammung von den Göttern zu betonen. Ein Goldmedaillon aus dem zweiten Jahr ihrer Herrschaft trägt die Inschrift: Boran i yazdan tohm winardar / Boran, Erneuerer des Geschlechts der Götter.
Diesem Anspruch setzten die arabischen Christen als neue Herren in Iran den Titel ‘Abd Allah / Knecht Gottes und Christi im Sinne der alten syrischen Theologie entgegen.
Es folgen weitere Belege, wieso Herakleios’ Feldzug hauptsächlich als ein Religionskrieg gesehen werden soll.
Herakleios hat ‘keine Eroberung mit einer sich daran anschließenden Besetzung auf Dauer geplant, sondern ist allein an der Wiederherstellung der Legitimität des byzantinischen Kaisertums interessiert’. Er richtet das zurückeroberte Heilige Kreuz (oder was davon übrig war) in Jerusalem 630 wieder auf.
Herakleios verfolgt demnach eine Politik des Ausgleichs, stößt dabei aber auf erhebliche Schwierigkeiten was die Christologie/den Glauben anbetrifft.
Der Versuch, mittels einer Kompromissformel die Ergebnisse des Konzils von Chalkedon den Christen des byzantinischen Orients näher zu bringen, stieß auf schroffe Ablehnung.
Selbst die nur widerwillig von der Kirche des Kaisers vertretene Kompromissformel der Ekthesis von 638 fand keinen Anklang bei den Christen des byzantinischen Orients. Die im Narthex der Hagia Sophia aufgehängte Inschrift mit der Kompromissformel wurde erst von ‘Abd al-Malik schriftlich beantwortet, als er seine Ekthesis im Felsendom in Jerusalem im Jahr 72 der arabischen Ära (694 AD) anbringen ließ.
Letzteres wird bisher wohl so nur von Inârah Leuten so gesehen. Die Ekthesis im Felsendom ist selbstredend die Inschrift im Felsendom.
Die Ekthesis von Herakleios 638 ist die Erhebung des Monotheletismus (als Versuch der Aussöhnung mit den östlich-orthodoxen Monophysiten und nestorianischen Diophysiten (alles manchmal Nicht-Chalkedonier genannt, s. auch Grafik bei Zusammenfassung oben)) als offizielle kaiserliche christliche Doktrin. Sie wird von den Päpsten zurückgewiesen und Monotheletismus als auch Monoenergetismus werden auf dem Konzil von Konstantinopel 680/681 endgültig gebannt, Diophysitismus den Vorzug gebend.
Gerade diese monotheletische Ekthesis Herakleios unterstützt den Unmut der Bevölkerung im Orient, die andere christliche Vorstellungen hat und damit noch viel mehr den Abzug der byzantinischen Truppen beschleunigt, auch der Patriarch von Jerusalem hatte deswegen 638 den Abzug dieser Truppen veranlasst.
Das Einzige wo Byzanz noch etwas länger bleibt, ist Alexandria in Ägypten, wegen des Hafens und des Handels. Einnahmequellen sind umso wichtiger nach den (selbst die Kirchenschätze erschöpfenden) Ausgaben der Kriegsjahre und Byzanz fokussiert sich auf seine Vorherrschaft zur See.
‘Die Witwe des Herakleios, Martina, versucht die Politik des Ausgleichs mit dem byzantinischen Orient fortzuführen und gibt daher dem Patriarchen von Alexandria Anweisung, einen Vertrag mit den arabischen Feldhauptleuten zu schließen, welcher den Byzantinern einen geregelten Abzug ermöglichen sollte.’
‘Am 12. September 642 verließen die byzantinischen Truppen Alexandreia und schifften sich nach Rhodos ein.’
Zu diesem Zeitpunkt war Martina [...] bereits abgesetzt, verstümmelt und verbannt. In Byzanz war die Zeit der Politik des Ausgleichs mit den christlichen Arabern vorbei. Daher versuchte eine byzantinische Streitmacht, den Gang der Entwicklung zu hemmen und besetzte wiederum Alexandreia, konnte sich aber gegen den Widerstand der einheimischen Christen unter dem monophysitischen Patriarchen Benjamin nicht halten, die das christlich-arabische Joch dem byzantinischen vorzog.
Mit der Absetzung Martinas endete der Versuch, mit den Christen des Orients einen Ausgleich in Fragen der Christologie zu finden. Der Religionskrieg zwischen den arabischen Herren [des Orients] und dem Kaiser in Konstantinopel nahm nun klare Konturen an. In Zukunft standen sich die Anhänger der Kirche des Kaisers, der Orthodoxie und die Anhänger der christlichen Glaubensgemeinschaften des Ostens gegenüber.
Mein abschließender zusammenfassender Kommentar.
Hiermit haben wir die Vorarbeit für die Vorgeschichte in der Region Mesopotamien, Syrien, Persien, Teile davon damals auch als Arabien bezeichnet (s. 3. Link zu Beginn womit wir es zu tun haben) bis zum Jahre 638 bzw. eigentlich sogar 642 abgearbeitet. Vom Zeitraum her sind wir also schon deutlich in die islamische Geschichtsschreibung fortgedrungen. Ein anderes Ereignis im Jahre 622 (Jahr 0) wurde für den Beginn einer neuen Geschichtsschreibung festgemacht. Ebenso ist zu merken, dass die Forscher um Inârah den Ursprung des Islams eben überhaupt nicht auf der heutigen arabischen Halbinsel ausmachen, sondern vielmehr im Raum Syrien, Persien.
Wir kommen nun zur ersten Person, die auch in der islamischen Geschichtsschreibung vorkommt. Es schließt sich das 3. Kapitel mit vielen Unterpunkten an:
Die Zeit des ersten Umayyadenherrschers Mu’awiya.
Um den geht es also im kommenden Artikel.
mielia 😃
PS: Hervorhebungen immer meine.
PPS: Fragen dazu gerne. Wenn ich sie beantworten kann, tue ich das.
PPPS: Die nächsten Male werden Münzen relevanter. Ich versuche dazu Abbildungen zu finden, auch wenn z.B. die beiden Kataloge Walkers an den konkret zitierten Stellen dafür meistens nicht ergiebig sind.