Als sie dann nicht anrief, rief ich an, ich wollte ein wenig den beleidigten spielen um sie zu
ärgem.
Tina war Zuhause und erzählte mir was passiert ist.... Sonja lag 5 Monate im Koma.. Sie
wachte kein einziges mal mehr auf. Sie starb am 19.9.1993.
Mit ihr starb mein Leben, meine liebe und meine Zukunft ich war Tod, ich fühlte nichts mehr
außer einer unglaublichen leere nur noch übertroffen von schmerzen die mich in sich
hineinzogen um mich dort in alle Ewigkeit quälen zu können...
Ich konnte Ihrem Vater und Ihrer Mutter nicht mehr in die Augen sehen.. Ich kann seit dem
nur selten und mit viel mühe jemanden in die Augen sehen.. Als ich die Augen Ihres Vaters
sah, war da nur noch die zerstörte zerfetzte blutende sich auflösende Seele. Ich fühlte mich
schuldig.... Ich glaube, ich weinte 3 Wochen jede Nacht durch und überlegte welcher Tod am
schmerzvollsten sei um mich angemessen für den Mord an Sonja zu bestrafen..
Meinen Eltern erzählte ich nichts und sie hatten noch immer kein Wort von Sonja oder Ihrer
Familie gehört.. War ich nicht alleine, verbarg ich alles. Zu Sonjas Familie war der Kontakt
schon 4 Wochen lang abgerissen als ihr Vater kam und mich zum Essen einlud... Wir sagten
nichts, eine Stunde lang.. Es war ein sehr unangenehmes Schweigen, dann brach ich
zusammen. Ich erzählte ihm was in mir vorgeht und das ich schuld habe und nicht weiß wie
ich dafür zur Rechenschaft gezogen werden muss, das ich etwas tun muss etwas das
angemessen erscheint dafür, das ich das einzig vollkommene Kind Gottes auf erden getötet
habe. Er weinte jetzt auch. Ich glaube er war sich seiner Antwort nicht sicher bis er mich in
den Arm nahm. Die Art und Weise seiner Umarmung sagte alles. Für ihn war ich nicht schuld
und er liebte mich immer noch. Ich muss Ihr Andenken bewahren, ich muss sie weiterhin
ehren, ich darf nicht aufgeben und sie unglücklich machen indem ich aufhöre an sie zu
denken, zu leben und von ihr zu erzählen. Vor allem ihrem Vater und dem Rest der Familie zu
erzählen wer sie war was sie war... Nach minutenlanger Umarmung sagte er doch was "Du
kanntest sie besser als wir sie kannten, Du hast sie glücklich gemacht. Du bist es gewesen der
aus ihr machte was sie war... Ihr seid zwar noch so jung, hattet aber schon das gefunden, was
andere niemals finden, ihr wart für einander bestimmt. Lass uns immer und immer wieder an
dem teilhaben was Du über sie weißt"
Wir führen zu ihm nach Hause. Die ganze Familie und ich setzten uns in ihr Zimmer und
redeten. Über sie, über erlebtes, über ihr unglaublich gütiges und wundervolles Wesen...Wir
weinten und lachten sogar.
Seit der Nacht habe ich fast 8 Jahre nicht wieder geweint, denn es gab nichts das wertvoll
genug gewesen wäre, es mit meinen Tränen Sonjas Bedeutung gleichzustellen.