DIE NOT WAR GROß UND SO NAHM ICH DEN HIPPIE AUF UND SEINEN RAT AN.
Mein Nachbar mit dem ich seit über 20 Jahren harmonisch nebeneinander lebe, hält sich aus Gesundheitlichen Gründen momentan in Deutschland auf und hat derweil einen Haus und Hofhüter angestellt, der sich in seiner Abwesenheit um die alltäglichen Dinge kümmert die notwendig sind um alles am laufen zu halten.
Mein neuer Nachbar ist ein vollbärtiger, Rastazöpfe tragender Althippie.
DER NATÜRLICHE FEIND EINES PUNKERS sollte man meinen, aber der weltoffene alternde hält nichts von derart Klischees und nahm diesen sonderbaren Zausel mit offenen Armen auf und lud ihn erst einmal auf ein Bier ein, was er dankend annahm.
Sein Glück, hätte eine Ablehnung die neuen nachbarschaftlichen Beziehungen doch schon früh auf eine harte Bewährungsprobe stellen können. 😎
So stellten wir uns einander vor, plauderten ein wenig und ich erfuhr das ich es mit einem Künstler zu tun hatte der durch die Welt bummelt und sein Geld mit diversen Schnitzereien und ähnlichem verdient, die er am Straßenrand oder am Strand feilbietet.
Morgen wolle er mir seine Kunst präsentieren versprach er, aber erst einmal müsse er auspacken und sich einrichten.
Ein paar Biere später kamen wir auf das unvermeidliche Thema zu sprechen, welches sich bei Männern über 50 größter Beliebtheit erfreut, der Gesundheit.
Bei Ihm sind es die Augen die nicht mehr richtig wollen und ich punktete mit meinen Rückenschmerzen, welche wohl von einem eingeklemmten Nerv an der Wirbelsäule kommen.
„ Häng Dich auf „ sagte der Langhaarige zu mir und verschwand nach nebenan.
Ich saß da und war mir nicht sicher wie ich das verstehen sollte, eine Kriegserklärung vielleicht, als er mit einem breiten, bunten Gurt wieder auftauchte und das Teil unter meinem Vordach befestigte.
WAS WILL MIR DER KÜNSTLER DAMIT SAGEN fragte ich mich natürlich.
Lange überlegen musste ich nicht, denn eifrig führte mir der neue Nachbar vor was ich zu tun hätte und Liebchen die sich zu uns gesellte und als Yoga Lehrerin sofort begriff um was es hier ging und die Verzweiflung in meinem Blick zu deuten wusste, bestätigte das es sich hier um eine gute Idee handelte, dem Leiden Herr zu werden.
Also hängte ich mich auf.
Die Wirbelsäule strecken, war das Ziel dieser artistischen Zumutung, die ich nun mehrmals täglich praktizieren sollte.
Anfänglich hielt ich es keine 20 Sekunden in dieser frei hängenden Position aus, nach mehrmaligen Versuchen allerdings empfand ich das Gebaumel in der Luft fast schon entspannend und hing dort schon mal 5 Minuten am Stück herum.
Würde mir Bob der Hund bei meinen Einsätzen nicht ständig versuchen das Gesicht ab zu lecken, hinge ich dort wahrscheinlich noch länger.
( Ich bitte von hämischen Kommentaren hinsichtlich meiner Haltungsnote abzusehen! 🤣 )
WENIGE TAGE SPÄTER
huscht mit geradem Rücken über seinen Acker wie ein junges Reh, spürt keinen Schmerz mehr und legt ein gewisses Suchtverhalten hinsichtlich seiner frei hängenden Übung an den Tag.
Mehrfach täglich erhänge ich mich nun rein prophylaktisch und empfinde dieses Schauspiel ja fast schon meditativ sowie erholsam.
DER HIPPIE NACHBAR IST NUN MEIN FREUND UND HEILER.
Morgen stelle ich euch dann die eigenwillige Kunst dieses schrägen Vögelchens vor, wenn es wieder heißt …