Auf Rügen existiert ein Streckenabschnitt, welcher von Autofahrern gern als Abkürzung genutzt wird. Warum auch nicht? Markierungen sind zwar keine drauf, aber der Asphalt ist in Ordnung, sodass manche es sogar hinbekommen, über 100 kmh zu heizen. Ein Teilstück davon ist jedoch seit Jahren mit Schlaglöchern übersät, welche von Regen zu Regen immer tiefer werden. Mit dem Bike kann man die wunderbar umschiffen, auch mit dem Auto, sofern die Geschwindigkeit passt. Zwei Autos nebeneinander, wobei beide nicht abbremsen (Wer auf Rügen bremst, hat die Kontrolle über seine Coolness verloren), fordern materielle Opfer. So sieht man des Öfteren Einzelteile von Fahrzeugen links und rechts davon liegen.
Das Beste an den erwähnten Schlaglöchern: Es kümmert keine Sau. Weder den Bauern, der tagtäglich mit seinem privaten Pseudojeep (ES.YOU.WIE) da lang brettert, noch den Beamten vom Straßenbauamt oder sonst irgendwen. Falls mal wieder ein ganzes Rad im Schlagloch steckenbleibt, freuen sich die Autowerkstättler.
Solche Schlaglöcher sind das. Nur eben nicht befüllt, sondern 30 cm tief
Deshalb war ich heute auf meinem kleinen Radausflug umso mehr verwundert, dass alle Schlaglöcher mit roter Farbe umrandet waren, während sich drei Männer in orangenen Overalls um eines der Löcher versammelt haben. Einer hatte einen Eimer in der Hand und füllte dessen Inhalt in das Loch. Nun denke ich mir, dass es eigentlich nur logisch wäre, wenn man die Schlaglöcher mit asphaltähnlichen Substanzen füllen sollte. Solche, die dann tatsächlich auch mal ein ganzes Jahr halten. Im Falle des erwähnten Schlaglochmeeres jedoch, wurden diese mit einem Sand-Schotter-Kiesel-Gemisch aufgefüllt. Ein Gemisch, das nach dem nächsten Regen aus den Schlaglöchern entschwindet und an der Straßenseite eine rutschige Schicht bilden wird.
Die Frage nach dem „Warum bloß?“, die in mir just in dem Moment aufkeimte, habe ich den Männern nicht gestellt. Einer war ja mit dem Befüllen beschäftigt und die anderen beiden waren sehr intensiv dabei, ihm bei seiner Arbeit zuzuschauen. Meine Frage hätte sie sicherlich zu sehr irritiert…
Auf dem Rückweg passierte ich die alte Rügenbrücke. Vor mir tauchte dann eine Frau mittleren Alters auf dem Rad auf, die ich mit einem Rufen meinerseits auf mein Überholmanöver hingewiesen habe. Sie machte mir Platz, in dem sie 3 Zentimeter nach rechts auswich und schmiss mir im Vorbeifahren folgenden Spruch hinterher: „KLINGELN STATT RUFEN!!!“. Auf meine freundliche Nachfrage, warum ich denn klingeln müsste, wenn sie mich auch so gehört hat, entgegnete sie mir mit „Ja, Klingeln halt!“ – Ich wusste nicht, was ich sagen sollte…
