"Die Traurigkeit, mit der ich Hunde in Käfige anschaue, ist nichts im Vergleich zu dem, wie es sich anfühlen muss, drin zu sitzen"
Für viele uns ist es kaum vorstellbar, Hundefleisch zu essen, aber in anderen Ländern gilt dies als Delikatesse, wie auch zum Beispiel in China. Hier auf der beliebten Urlaubsinsel Bali wird Hundefleisch an ahnungslose Touristen verkauft und die meisten wissen nichts davon. In Bali ist das Essen von Hundefleisch zwar nicht illegal, doch viele Touristen möchten niemals im Leben freiwillig Hundefleisch essen.
Mehrere Tierschutzorganisationen fanden in verdeckten Ermittlungen heraus, dass täglich Strassenhunde eingefangen und brutal getötet werden. Einige Hunde werden mit Gift getötet, was sich im Fleisch auswirkt und für Menschen schädlich sein kann. Jährlich sind mehr als 85‘000 Hunde betroffen. In geschlossenen Facebook Gruppen kursieren mehrere Videos, wo man sieht, wie die Hunde vergiftet und danach eingefangen werden. Dies ist eine Möglichkeit um diese Täter zu fangen. Meistens passiert dies in der Nacht, sodass die Sicht nicht gut ist und das meiste Videomaterial leider unbrauchbar scheint.
Als Tourist sollte man deswegen niemals Fleisch von Strassenverkäufer kaufen. Das Hundefleisch wird meistens als Chicken-Satay verkauft, da das Fleisch ähnlich schmeckt. In der Zwischenzeit haben uns auch mehrere Einheimische erzählt, dass dies bei ihnen normal ist. Viele haben kein Geld und dies ist die einzige Art um zu überleben.
Balis Hunde sind Mischlinge und eine Kombination aus australischem Dingo, Chow Chow und Akita mit den vier Hauptfarben schwarz, weiss, hellbraun und ein Stich rot. Da bis 2004 keine Hunde nach Bali durften, blieb die Rasse bis dato rein. Tatsache ist, dass 90 % der Hunde, die auf Balis Strassen leben, keinen Halter haben, sondern gehören einer grossen Familie oder Gemeinschaft. Dies bedeutet aber nicht, dass für den Hund auch gesorgt wird – meistens sind die Hunde auf sich alleine gestellt und müssen Nahrung von Müllhalden und Tempelanlagen essen. Diese Hunde haben über tausenden von Jahren der balinesischen Bevölkerung gedient, indem sie Abfall und Opfergaben aufräumen und sozusagen die Nahrung von Ratten essen. In Gegenden, in denen es heute keine Hunde mehr gibt, aufgrund vorsorglicher Tötung von Tieren, um die Weiterverbreitung von Tierseuchen zu verhindern, kam es zu massiven Rattenpopulationen.
Viele von euch fragen sich vielleicht, warum dies gerade in Bali so akut ist? Der Grund ist, ein Tollwutausbruch im Jahre 2008 wo ungefähr 600'000 Hunde in Bali geschätzt wurden. Bis dahin lebten die Menschen und Hunde auf der Insel zusammen und wurden akzeptiert. Seit die Tollwut ausgebrochen ist, wollen sich viele Einheimische vor Hunden schützen. Nach der Massentötung wurden ca. 150'000 Hunde gezählt. Wenn weiterhin Woche für Woche Hunderte von Hunde grausam getötet werden, ist der Bali Hund vom Aussterben bedroht.
Zum Glück gibt es in der Zwischenzeit mehrere ausländische Tierschutzorganisationen, welche sich für diese Hunde einsetzen. Ich habe zurzeit hier Kontakt mit einer Schweizerin und einer Australierin. Beide leben hier und engagieren sich für das Wohl der Hunde. Sie organisieren gratis Impfungen für viele Strassenhunde und „sammeln“ ausgesetzte Tiere ein. Man kann sich kaum vorstellen, was für traurige Bilder tagtäglich von diesen Leuten ertragen werden müssen. Zu Hause werden diese Hunde wieder aufgepäppelt und geimpft. In Facebook gibt es verschiedene Gruppen, wo diese Hunde dann gratis adoptiert werden können.
Vor 3 Monaten haben wir ebenfalls einen kleinen Hund adoptiert. Minnie, so heisst unser kleiner Hund, wurde mit 4 Geschwister im Alter von 3 Wochen in einem Plastiksack im Müll entsorgt. Zum Glück, wurde dies beobachtet und 3 Hunde konnten gerettet werden. Minnie ist nun ein glückliches Familienmitglied und geniesst es am meisten mit unserer Tochter zu spielen. Es ist wie ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein und wenn ich täglich auf den Weg zu Arbeit viele Strassenhunde sehe, bricht mir das manchmal das Herz. Ein Umdenken bei der einheimischen Bevölkerung muss zwingend stattfinden!
Bali ist ein Urlaubsparadies, aber nicht immer scheint die Sonne. Wir sind trotzdem glücklich hier sein zu dürfen und sehen positiv in die Zukunft.
Sonnige Grüsse aus Bali
Prisca
Linksammlung:
BAWA Bali: http://bawabali.com/
Bali Dogs Guardian Angels: https://web.facebook.com/pg/SarahBlack81/about/?ref=page_internal