Ich saß vor meinem iMac und starrte gedankenverloren auf den Bildschirm. Ich hörte wie eine Kollegin von mir in der Küche Kaffee kochte und stellte mir vor wie sich die Tasse von der Kaffeemaschine mit Kaffee auffüllen ließ. Plötzlich schob sich ein Film, wie die Tasse überschwappte und sich die ganze Flüssigkeit langsam auf dem Tisch verteilte, vor meinem Auge ein. Die Lache wurde immer größer und erreichte bald den Rand des Tisches.
Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich fing an zu schluchzen.
Meine Kollegen schauten mich verwundert an und fragten: "Omg, wieso weinst du denn?"
"Weil ich mein Leben hasse!", zischte ich. Meine Tränen wurden mehr und rannten um die Wette meine Wangen hinunter. Ich atmete schwer, meine Nase war zu. Die Gefühle wurden immer unerträglicher, am liebsten wollte ich einfach nur wegrennen. Aber ich lief schon viel zu lange weg. Ich lenkte mich schon viel zu lange ab. Ich ignorierte mein inneres Befinden. Ich ignorierte meine Gedanken. Ich ignorierte meinen äußerlichen Zustand. Ich ignorierte alles, stürzte mich auf die Arbeit, machte danach jeden Tag etwas mit Freunden und überall lächelte ich und erzählte ihnen, wie gut es mir ging, bis ich alles nicht mehr aushielt, bis ich mich selbst nicht mehr ertrug.
Ich habe mir immer eingeredet, dass nichts auf dieser Welt eine Bedeutung hat. Alles was ich mache ist unbedeutend und deswegen sollte ich das Leben genießen. Keiner hier hat das Recht mich zu verurteilen, wir Leben alle dieses Leben zum ersten Mal. Es gibt kein Richtig und auch kein Falsch, das liegt alles im Auge des Betrachters. Jeder Mensch hat seine eigene Zeit um etwas zu erreichen, was er erreichen möchte und falls er nichts erreichen will, so hat er auch etwas erreicht. Und obwohl ich das alles weiß, mache ich mir trotzdem die ganze Zeit Stress. Ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, was ich mit meinem Leben eigentlich genau will. Ich habe mich schon lange nicht mehr so verloren gefühlt und den Tod von meiner Mutter habe ich auch noch gar nicht verarbeitet. Es ist auch noch alles ziemlich frisch und verständlich, sagt jeder. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass man es nicht nachvollziehen kann, dass ich eine Pause brauche. Ich habe das Gefühl, ich müsse mich rechtfertigen, warum ich so traurig bin. Und wenn ich eine Pause einlege habe ich Angst, dass ich mich nicht weiter entwickel im Designerbereich.
Mein Hausarzt hat mir eine Therapeutin vorgeschlagen. Ich habe bald meinen Termin bei ihr und hoffe, sie kann mir da weiterhelfen. Ich weiß, ich habe mich gar nicht mehr gemeldet und ich weiß auch nicht ob ich mich hier regelmäßig melden werde aber keine Sorge. Selbst wenn ich gerade total am Boden zerstört bin und jeden Tag weine, weil dieses Leben mich nicht glücklich macht weiß ich, dass nach jedem Regen wieder die Sonne scheinen wird. Es ist nur so, dass ich momentan einfach nur traurig sein möchte und erst mal für eine weile am Boden liegen bleiben will.