Der zweite Außenseiter in dieser Woche bereitet sich darauf vor das politische Establishment seines Landes aufzumischen. General Rumen Radev hat die besten Chancen die bulgarische Präsidentschaftswahl zu gewinnen und damit das Land näher an Russland auszurichten. Nun habe ich freilich nichts gegen wirtschaftliche Kooperationen mit Russland oder irgendeinem anderen Land. Die EU Sanktionen haben nicht nur dem russischen Volk, sondern auch den EU Völkern geschadet. Und warum? Um ein politisches Zeichen zu setzen. Nur glaube ich nicht, dass es das wert ist. Wirtschaftliche Einbuße heißen, dass Menschen leiden. Politische Zeichen heißen, dass manche Menschen sich besser fühlen können. Und genau darum halte ich nicht sehr viel von dem Gedanken, dass Radev die morgige Wahl gewinnt.
Ich würde sagen, dass der Kontrast zwischen General Radev und Donald Trump größer ist als die Gemeinsamkeiten. Während Donald Trump, wie General Radev, nie ein politisches Amt ausgeübt hat und seine Konkurrentin, wie Radevs Konkurrentin, korrupt genannt werden konnte, haben beide einen extrem verschiedenen Hintergrund. Das einfache Außenseitersein hat in sich überhaupt keine Qualität. Es ersetzt nicht die Notwendigkeit mehr oder weniger qualifiziert zu sein. Was hat der Außenseiter gemacht, bevor er die Politik als Quereinsteiger betreten hat? Es gibt Berufe die einen Menschen mehr oder weniger darauf vorbereiten politische Notwendigkeiten zu erkennen und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Es gibt jedoch auch Berufe, die es einem erschweren verantwortungsvolle politische Entscheidungen zu treffen. Kommt ein Außenseiter aus einem solchen Berufsfeld, muss er sich ganz auf seine politischen Berater verlassen. Ist er dazu nicht bereit oder wählt er sich aufgrund eines defizitären Urteilsvermögens die falschen Berater aus schadet er seinem Land. Wenn nun jemand nie das Militär verlassen hat, fehlt ihm jeder unternehmerische Einblick in die wirtschaftlichen Zusammenhänge seines Landes. Weiß er, was bisher der Wirtschaft seines Landes geschadet und dadurch Armut erzeugt hat? Weiß er, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht von oben befohlen wird? Wenn er es nicht weiß, möchte ich ihn dafür auch gar nicht kritisieren. Sein Job hat dies nicht erfordert und er hat ihn wahrscheinlich gut ausgeführt. Im Falle eines Krieges wäre er bestimmt ein kompetenter Präsident. Doch welcher Krieg sollte Bulgarien erwarten? Wirtschaftliche Fragen gibt es jedoch immer und um auf diese einzugehen, muss er sich ganz auf seine wirtschaftlichen Berater verlassen. Doch wie sehen diese Berater aus? Dummerweise entstammen sie der sozialistischen Partei Bulgariens, die genauso korrupt (oder noch korrupter) ist, wie die Regierungspartei GERB.
Ein Unternehmer, wie Donald Trump, hat es einfacher in die Rolle des Präsidenten zu schlüpfen: Da er der Wirtschaft entstammt, muss er sich nicht zu 100% auf politische Berater verlassen und kann diese austauschen, wenn er feststellt, dass sie nicht kompetent sind. Und er sollte verstehen, dass niemand, nicht einmal der ganze Verwaltungsapparat zusammen, alle Aspekte des wirtschaftlichen Lebens überhaupt kennen kann. Ob er dieses Verständnis in die Praxis umsetzt, hängt nicht zuletzt von seinem eigenen Willen und dem Willen seiner Partei ab. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ein Außenseiter nicht selbst sehr schnell korrupt werden kann. Doch was ist mit militärischen Fragestellungen bei einem Unternehmer? Natürlich muss er sich ganz auf seine militärischen Berater verlassen. Doch da das Militär für den Präsidenten, selbst in den USA nicht die wichtigste Aufgabe ist, sollte fehlendes militärisches Wissen nicht in gleichem Maße ein Problem darstellen, wie fehlendes ökonomisches Wissen. Und zudem ist der Anreiz korrupt zu sein für militärische Berater viel geringer, als für wirtschaftliche Berater.
Wenn also Außenseiter die Politik betreten, sollte man sie nie über einen Kamm scheren.
Außenseiter kann vieles heißen.