Die Sachsen
Der Name leitet sich vom Sax ab, einem einschneidigen Kurzschwert, welches typisch für sie gewesen sein soll.
Die Sachsen als Stamm entstanden wohl im 3. Jahrhundert. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts kam es immer wieder, und immer häufiger, zu Raubzügen germanischer Seeräuber in Britannien und Gallien. Diese hatten ihren Ursprung im heutigen Dänemark und Niedersachsen.
Aus diesem Grund begannen die Römer um das Jahr 300 herum den so genannten „Litus Saxonicum“ – die „Sachsenküste“ zu errichten. Diese bildete eine aus Heereslagern und Flottenstützpunkten bestehende Verteidigungslinie in Britannien und entlang des Ärmelkanals. Ob es sich bei diesen Seeräubern allerdings schon um Sachsen gehandelt hat, oder ob ihre Volkwerdung erst in der Zeit dieser Raubzüge geschah, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Fakt ist aber, dass die Sachsen zu den Nordseegermanen gehörten, also mit den in Dänemark und Schleswig lebenden Germanen eine Verwandtschaft bildeten.
Erstmals namentlich genannt werden sie im Jahre 356.
Was man aber sagen kann ist, dass sich die älteren Stämme der Chauken, Angrivarier und Cherusken (alle im heutigen Niedersachsen beheimatet) zum neuen Stamm der Sachsen zusammenschlossen. Wie auch bei anderen Stämmen üblich blieb diese neue Gemeinschaft nicht nach außen abgeschlossen, fremde Völkersplitter wurden immer wieder integriert.
Ihr Siedlungsgebiet lag ursprünglich im nördlichen Niedersachsen und in Holstein. Langsam breitete sich der neue Stamm nach Süden und Westen aus. Auch im Zuge der Völkerwanderung drangen sie immer weiter nach Süden und Südwesten vor. Vor allem bei ihrem Vordringen über die Weser Richtung Rhein kam es zu lang andauernden und erbitterten Konflikten mit den sich formierenden Franken und ihrem Reich.
Um das Jahr 530 herum erreichten sie schließlich den Rhein (das heutige Münster- und Sauerland, NRW). Mit dem Fall des Thüringerreiches konnten sie sich auch das Gebiet um Northeim- Goslar- Halberstadt- Mansfeld (alle im heutigen Niedersachsen) sichern, womit sie um 540 ihre größte Ausdehnung erreichten.
Allerdings scheint es so als ob die Sachsen in etwa zu dieser Zeit bereits unter einer losen fränkischen Oberhoheit gestanden haben. Denn seit der Mitte des 6. Jahrhunderts wird öfter über sächsische Erhebungen gegen die Franken aber auch von Tributzahlungen an diese berichtet. Es kann allerdings nicht endgültig geklärt werden (wie auch bei den Bajuwaren) wie diese Oberhoheit zustande gekommen ist, geschweige denn von welcher Art sie war.
In seiner inneren Struktur stellten die Sachsen eine Ausnahme dar, da sie von der Völkerwanderung so gut wie unberührt blieben. Dadurch erhielt sich in ihren Breiten eine altgermanische Ordnung wie sie sonst außerhalb Skandinaviens kein zweites Mal vorkam.
Frei nach Cäsar könnte man sagen: „Saxonia est omnis divisa in partes tres“- Ganz Sachsen ist in drei Teile geteilt; Westfalen, Engern (nach den Angrivariern) und Ostfalen.
Allerdings unterteilten sich diese drei Großteile wiederum in kleinere Sippen und Teilstämme- eine Gauverfassung gab es allerdings nicht. Wohl gab es aber so etwas ähnliches wie Gaue, welchem jeweils ein Adeliger vorstand.
Diese „Gaufürsten“ trafen sich jeweils einmal im Jahr zu einem Thing am zentralen Ort Marklo. Wo dieser Ort genau lag ist heute nicht mehr zu klären, man weiß eigentlich nur dass der Ort im zentralen Engern lag. Hier wurde für den Kriegsfall auch ein jeweiliger Oberbefehlshaber gewählt. Ansonsten lebten sie nach einem sehr föderalen Prinzip, kannten also keinen König. Erst seit dem 7. Jahrhundert dürfte es so etwas wie Herzöge gegeben haben. Dies deutet ebenso auf fränkischen Einfluss hin, da solch eine Institution in der altsächsichen Landesverfassung, außer im Kriegsfall, unbekannt war.
Durch diese exklusive Randlage geschützt, ist es auch kein Wunder das sich mit altsächsisch bzw. niederdeutsch eine eigen Sprache entwickelte da die zweite Lautverschiebung sich nur langsam bei ihnen auswirkte.
Das Ende der sächsischen Eigenständigkeit schlug dann im Jahr 772. Über die Gründe lässt sich nicht genau entscheiden. Aber es dürfte wohl aus demselben Grund geschehen sein wie in Bayern oder Aquitanien. Das Bestreben Karls den Regionalgewalten Einhalt zu Gunsten der Zentralgewalt zu gebieten. Auch darf , man nicht vergessen dass sich Sachsen und Franken schon seit Jahrhunderten befehdeten. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass so ein Konflikt irgendwann gelöst wird, auf die eine oder andere Art.
Allerdings entwickelte sich der Sachsenkrieg zu einem Unikum. Denn, im Gegensatz zu den anderen Gebieten des Frankenreiches war Sachsen ein heidnisches Gebiet mit einer ausgesprochen schwachen Zentralgewalt. So konnten sich die Kriegszüge nur Radikalisieren da zwei grundverschiedene Welten aufeinander prallten. War die eine Sippe unterworfen, erhob sich die nächste. Hatten die Franken innen- oder außenpolitischen Stress, nutzten die Sachsen sofort die Gelegenheit zum Aufstand. Gleichzeitig waren die fränkischen Truppen ebenfalls nicht zimperlich, und reagierten auf Angriffe oft mit grausamer Rache. Es überrascht also nicht wirklich, dass sich dieser Krieg einerseits so lange hinzog, andererseits Großteils gnadenlos geführt wurde.
Und um diesen Punkt auch anzusprechen, Sachsen wurde nicht erobert um es zu missionieren! Die Religion musste nur, wie so oft in der Geschichte, als moralisches Feigenblatt herhalten.
Erst mit der Unterwerfung von Nordalbingien (in etwa das heutige Holstein) im Jahr 804 endete die Gewalt und wurde Sachsen endgültig fixer Bestandteil des Frankenreiches.
Aufgrund ihrer inneren Geschlossenheit sollte gerade das zuletzt eingegliederte Sachsenland später noch eine außergewöhnliche Rolle in der frühen deutschen Geschichte spielen.